Vorsorgemedizin

„An kleinen Rädchen zu drehen, bringt am meisten“

Vorsorge ist ein Wort, das für viele einfach nur langweilig klingt. Dabei hängt einiges davon ab, meist das eigene Leben! Der Wiener Allgemeinmediziner Dr. Christian Maté will dabei nicht von „oben herab predigen“, sondern ein Partner für seine Patienten sein. Um für eine gesunde Zukunft vorzusorgen, gibt es einige Körperwerte, die jeder Mensch kennen sollte.

Vorsorge ist die Summe aller Dinge, die man tun kann, um das persönliche Risiko, zu erkranken bzw. schwerer zu erkranken, zu verringern. Unser Experte für Vorsorge, der Wiener Allgemeinmediziner Dr. Christian Maté verrät Ihnen im Interview, welche Rädchen und Schräubchen man dafür drehen muss, und warum Eitelkeit sogar gesund sein kann.

„Krone“: Warum sollte man gerade jetzt damit starten, für seine Gesundheit vorzusorgen? 
Dr. Christian Maté: Im Jänner kann man ideal seinen Vorsorgeplan für das ganze Jahr festlegen. Wichtig ist, dass man zunächst einmal einen ,Status quo´erhebt, und erkennt, wo man eigentlich steht, was passt, und was nicht in Ordnung ist. Erst wenn ich meine Risikofaktoren kenne, kann ich an diesen Rädchen drehen. Im Rahmen der sozialen Krankenversicherung können alle Personen ab 18. einmal im Jahr zum Gesundheits-Check, also zur kostenlosen Vorsorgeuntersuchung gehen. Erster Ansprechpartner dafür ist der Hausarzt. Der Gesundheits-Check besteht aus einer Laboranalyse von Blut und Harn, einer körperlichen Untersuchung und vor allem einem ärztlichen Gespräch. Je nach Alter und Risikofaktoren werden dann mitunter weitere Untersuchungen durchgeführt. Wer noch nie bei der Vorsorgeuntersuchung war, sollte das jetzt angehen – sozusagen als Kick-Off für sein Gesundheitsjahr 2026.

Warum trauen sich viele Menschen nicht zur Vorsorgeuntersuchung?
Ich denke, viele Menschen fürchten sich davor, dass der Arzt etwas Schlimmes findet. Dabei geht es im Gespräch mit dem Hausarzt vor allem darum, die individuelle Risikokonstellation für Herz- Kreislauf und Krebserkrankungen zu bestimmen und gemeinsam zu überlegen, an welchen Rädchen man drehen kann. Das kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein.

Wir wissen alle miteinander, wie schwer es ist, sich das Rauchen abzugewöhnen, abzunehmen, wenn man übergewichtig ist, oder sich regelmäßig zu bewegen. Aber jeder hat so seine kleinen Hebel, an denen er ansetzen kann. Der Hausarzt berät, welche Maßnahmen dabei am wirksamsten sind. Manche Änderungen vermag man dann alleine zu schaffen, für andere benötigt man seine Unterstützung. Die Medizin hat heute auf viele Probleme wirklich gute Antworten – wenn Lebensstil-Maßnahmen nicht ausreichen, kann das Risiko auch mit Hilfe von Medikamenten reduziert werden.

Was sind die wichtigsten Risikofaktoren, die man für sich selbst genauer unter die Lupe nehmen sollte? 
Es gibt die ,Big Five der beeinflussbaren Risikofaktoren´, die das Herz-Kreislauf-System betreffen: Bluthochdruck, Blutfette (z.B. Cholesterin), Übergewicht (auch Untergewicht), Blutzucker (Diabetes) und Rauchen. Das sind die Risikorädchen, an denen jeder drehen kann – abgesehen vom familiären Risiko, das man ja nicht beeinflussen kann. Diese Faktoren sollte ich kennen, wenn ich mit einer Standortbestimmung beginnen möchte. Im Blut genauer ansehen sollte man sich auch den Entzündungsmarker CRP sowie das Schilddrüsenhormon TSH. Manche Änderungen vermag man dann alleine zu schaffen, für andere braucht man einen Arzt.

Dr. Eva Greil-Schähs im Gespräch mit Dr. Christian Maté.
Dr. Eva Greil-Schähs im Gespräch mit Dr. Christian Maté.(Bild: Eva Manhart)

Welche Rolle spielt die Krebsvorsorge?
Bei Männern ab 45 wird die Bestimmung des PSA-Werts zur Prostatakrebs-Früherkennung empfohlen, bei Frauen ist es der regelmäßige PAP-Abstrich sowie die Mammografie zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs beziehungsweise Brustkrebs. Bei beiden Geschlechtern spielt die Darmkrebsvorsorge eine große Rolle, denn diese stellt Früherkennung und Vorsorge in einem dar. Karzinome im Darm entwickeln sich langsam aus Polypen. Wenn man diese im Rahmen einer Darmspiegelung beseitigt, beugt man der Entstehung von bösartigen Tumoren vor. Viele Menschen wissen allerdings immer noch nicht, dass die Koloskopie heute absolut schmerzfrei abläuft, weil man davor ein Medikament erhält, mit dem man die Untersuchung quasi verschläft.

Wie lassen sich Menschen dazu motivieren, gesünder zu leben? 
Jeden motiviert ein bisschen was anderes, da unterscheiden sich Männer und Frauen auch etwas. Für beide Geschlechter gilt: Eitelkeit  – in einer vernünftigen Dosis – ist gesund. Sie treibt die Menschen ins Fitnessstudio, in den Wald, auf die Matte, und treibt sie dazu, sich gesünder zu ernähren. Bei Männern geht es auch sehr stark ums Funktionieren und die Leistungsfähigkeit. Wichtig ist nicht, dass ich uralt werde, sondern darum, dass ich gesund alt werde. Das möchte ich den Patienten vermitteln.

Was tun Sie selbst, um für die eigene Gesundheit vorzusorgen?
Seit eineinhalb Jahren mache ich Intervallfasten, das heißt ich faste 16 Stunden, und habe ein 8-Stunden-Zeitfenster, in dem ich esse.  Sowohl was meine körperliche Gesundheit betrifft als auch mein Wohlbefinden, geht das bestens für mich. Untersuchungen belegen, dass es für den Stoffwechsel positiv ist, wenn man nicht ständig Insulinausschüttungen durch Essen anregt.

Ich mache zu Hause Krafttraining, kombiniert mit ein wenig Hyperintensitätstraining, damit ich auch den Kreislauf anrege. Man sollte schließlich außer Atem kommen, damit der Körper wirklich profitiert. Gleichzeitig gehe ich viel zu Fuß und nehme oft die Stufen. Weiters versuche ich, so wenig Fertiggerichte wie möglich zu essen, also hochverarbeitete Lebensmittel und auch zu viel Zucker zu vermeiden. Für die Entspannung mache ich hin und wieder Yoga und meditiere. Und ich gehe natürlich selbst zur Vorsorge. Ich gehe zum Urologen, zur Darmspiegelung, regelmäßig zum Hautarzt. Um mein Cholesterin in den Griff zu bekommen, nehme ich lipidsenkende Arzneien.

Wie kamen Sie zur Vorsorgemedizin?
Mein Weg zum Arztsein verlief nicht geradlinig. Ursprünglich habe ich mich eigentlich für das Thema Psychotherapie und Psychiatrie interessiert, habe dann Medizin studiert – und bin schließlich im Medienbereich gelandet. Mit 50 Jahren wollte ich meine Ausbildung dann doch nutzen und habe meinen Turnus im Krankenhaus nachgeholt, was wirklich sehr anstrengend war, aber wunderbar, denn ich brenne für das Thema Aufklärung und Information, will den Menschen Medizin verständlich machen. Und das kann ich jetzt als Arzt auch ganz individuell. Wichtig ist mir überdies weiterhin die seelische Komponente. Ich möchte für die Leser ein Partner sein: Wir können hier und jetzt einen Pakt schließen, dass wir sozusagen gemeinsam an Ihren persönlichen Rädchen drehen.

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