Mi, 22. August 2018

"Meine Irrsinnstat"

11.01.2014 17:00

Die Beichte des Red-Bull-Erpressers Alfred L.

"600.000 Euro, oder es kommt zur Katastrophe" - als Red-Bull-Erpresser hat Alfred L. (Bild) Anfang 2013 weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Unzählige Dosen in den Regalen sollten mit Fäkalkeimen kontaminiert werden, falls seinen Forderungen nicht nachgekommen wird. Es kam, wie es kommen musste: Der Niederösterreicher wurde gefasst, wanderte hinter Gitter. Nach seiner Enthaftung spricht der Vater von vier Kindern exklusiv mit der "Krone" über "meine kriminelle Irrsinnstat". Wie er zum Verbrecher wurde, welche Rolle eine Baby-Windel spielte und wie sich sein Leben verändert hat.

"Krone": Herr L., Sie waren ein unbescholtener Familienvater, hatten eine Firma - warum wurden Sie kriminell?
Alfred L.: Ich war verzweifelt und schwerer Alkoholiker.

"Krone": Verzweifelt aufgrund finanzieller Schwierigkeiten?
Alfred L.: Ja. Mein Jeans-Geschäft lief nicht mehr, ich konnte meiner Familie nichts mehr bieten, sie nicht versorgen. Ich hatte oft nicht einmal das Geld, um einkaufen gehen zu können. Ich hatte Riesenangst, dass meine Frau mit unseren zwei kleinen Kindern zurück nach Brasilien gehen würde. Und dann stand noch die Hochzeit meiner Tochter aus erster Ehe vor der Tür. Sie als Vater dabei nicht finanziell unterstützen zu können, hat mich zusätzlich fertiggemacht.

"Krone": Was kam dann ins Spiel? Der Alkohol?
Alfred L.: Nein, zu trinken hatte ich schon vorher begonnen - aber mein Konsum wurde Tag für Tag exzessiver. Ich hab' versucht, mit Alkohol meine Probleme zu verdrängen. Aber es wurde dadurch nur noch schlimmer.

"Krone": Anstatt sich helfen zu lassen, wurden Sie kriminell. Warum gerade Erpressung?
Alfred L.: Ein Banküberfall oder Ähnliches wäre für mich nie infrage gekommen. Das hätte ich mich nie getraut. Ich wollte keine Waffe in die Hand nehmen - und niemanden verletzten. Erpressung ist das Feigste, was man tun kann.

"Krone": Wie kam Ihnen der Gedanke, Dosen zu verunreinigen? Warum gerade Red Bull?
Alfred L.: Meine Ex-Frau und ich hatten immer Red Bull zu Hause. So komisch es auch klingen mag - die Idee kam mir beim Wickeln. Eine ungeöffnete Dose fiel um und landete direkt in der vollen Windel. Da hab ich mir gedacht: Eigentlich ist das System sehr unhygienisch. Bis eine Dose im Regal landet, haben unzählige Menschen sie in Händen gehabt. Und was, wenn ein Kunde sie im Vorbeigehen anniest. Eine Woche später hab ich von der Erpressung geträumt - sogar den Tag, den 28. Jänner, hab ich vor meinem inneren Auge gehabt.

"Krone": Wie sind Sie mit Red Bull in Kontakt getreten?
Alfred L.: Ich hab einen Brief an Herrn Mateschitz verfasst. An ihn persönlich.

"Krone": Welchen Inhalts?
Alfred L.: Ich hab gedroht, dass "wir" - ich bin als Gruppe 'grouponymus' aufgetreten - Dosen in Supermärkten mit Fäkalkeimen kontaminieren würden, wenn sie nicht bezahlen - und damit auch an die Öffentlichkeit gehen.

"Krone": Wieviel haben Sie genau gefordert?
Alfred L.: Ursprünglich 3,6 Millionen Euro.

"Krone": Den Brief haben Sie aber nicht per Mail verschickt.
Alfred L.: Nein! So gescheit war ich. Um meine Spuren zu verwischen, habe ich ihn ausgedruckt, bin mit dem Zug nach Salzburg gefahren und habe ihn dort in einen Briefkasten geworfen.

"Krone": Was geschah dann?
Alfred L.: Gar nichts, ich habe wochenlang keine Antwort bekommen. Ich hatte die Sache mit Red Bull eigentlich auch schon abgehakt - und habe es bei einer weiteren Firma versucht.

"Krone": Bei einem Hersteller von Tierfutter.
Alfred L.: Ja. Diese Idee kam mir beim Füttern der Katzen. Ich dachte mir, die haben auch genug Geld. Außerdem hat mich die Katzenfutter-Werbung immer schon aufgeregt. Da verhungern weltweit Menschen, und diesem Tier wird das Essen samt Garnierung auf einem goldenen Teller serviert.

"Krone": Kam von diesem Unternehmen eine Reaktion?
Alfred L.: Nein, auch die haben nicht geantwortet. Aber eines Tages kam dann doch eine SMS von Red Bull: "Wir müssen kommunizieren."

Lesen Sie demnächst in der Kronen Zeitung und auf krone.at: "Tag X - die Geldübergabe".

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Die „Krone“ vor Ort
Gruselig! Nur Polizei bei Salzburgs Geister-Hit
Fußball International
Das Vertrauen lebt
Deutschland macht mit Löw und Bierhoff weiter
Fußball International
Champions-League-Quali
0:0! Nun wartet auf Red Bull Salzburg ein Endspiel
Fußball National
Anklage fallengelassen
Hillsborough-Katastrophe: Polizist entlastet!
Fußball International
Kein Platz in Madrid
Real-Youngster Ödegaard geht zu Vitesse Arnheim!
Fußball International
Aus und vorbei
Thomas Doll nicht mehr Trainer von Ferencvaros
Fußball International
Franz Lederer gefeuert
Robert Almer neuer Sportdirektor bei Mattersburg!
Fußball National

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.