Eigentlich wurde die digitale Währung nämlich nicht als Geldanlage mit Chance auf Rekordgewinne, sondern als Zahlungsmittel für das Internet erdacht, mit dem zwei User ohne Umweg über eine Bank oder einen anderen Finanzdienstleister direkt Geld austauschen können.
Wie "The Verge" berichtet, erfüllt der Bitcoin diesen Zweck angesichts der aktuellen Kurs-Achterbahnfahrt allerdings nicht mehr. Wer Bitcoins hat, hortet sie in der Hoffnung auf satte Gewinne. Und wer sie als Zahlungsmittel annehmen könnte, wird es wegen der Befürchtung enormer Verluste kaum tun.
Spekulanten verhindern Zahlungsmittel Bitcoin
Der Bitcoin "hätte wirklich das Potenzial, die standardmäßige Tauscheinheit im Internet zu werden. Aber das ist nicht möglich, wenn er von Händlern aufgeblasen wird, die ihn vor allem als Spekulationsobjekt sehen", sagt der US-Risikokapitalinvestor Chris Dixon.
Das Grundproblem des Bitcoins: Um ihn gegen übermäßige Inflation zu schützen, haben seine Erfinder die maximal in Umlauf befindliche Anzahl der digitalen Münzen auf 21 Millionen Stück begrenzt. Weil es nicht besonders viele Bitcoins gibt, ist er aber umso anfälliger gegen Kursschwankungen, wie das vergangene Wochenende gezeigt hat.
Mehr Bitcoins, weniger Kursschwankungen
Um den Bitcoin zu einer zuverlässigen digitalen Währung zu machen, bräuchte es für manche Beobachter deshalb einfach viel mehr Bitcoins – nach Ansicht von Barry Silbert, dem Betreiber der Bitcoin-Börse SecondMarket, zumindest zehn Milliarden oder mehr.
Dann hätten Hamsterkäufe und Panikverkäufe durch Spekulanten keinen solch großen Effekt mehr auf den Gesamtkurs des Bitcoins. Und dann könnte er auch wieder als Zahlungsmittel genutzt werden, nicht bloß als Wertanlage.
Bitcoins als Spielball der Finanzindustrie
Wasser in die Mühlen jener, die den Bitcoin als Geldanlage betrachten, goss allerdings erst kürzlich die US-Notenbank Fed, die das Potenzial der digitalen Münzen als Geldspeicher lobte. Den Wind aus den Segeln nahm ihnen dann wiederum die Ankündigung der chinesischen Zentralbanken, aus Angst vor dem Versuch der Geldwäsche keine Bitcoins anzunehmen. Das Resultat: Erst ein Kursfeuerwerk, dann der Absturz.
Freilich sehen große Akteure am Finanzmarkt den Bitcoin auch als potenzielles Zahlungsmittel – in einer Studie der Bank of America wird ihm sogar großes Potenzial attestiert. Bis der Bitcoin diese Funktion aber tatsächlich erfüllen kann, wird es noch dauern. Zuvor müssen die Akteure am Bitcoin-Markt aufhören, die virtuelle Währung als Geldanlage mit Chance auf Rekordgewinne zu betrachten und anfangen, ihn – genau wie echtes Geld – auszugeben und der Realwirtschaft zuführen.
Vom Liebhaber- zum Spekulationsobjekt
Die von einem Team rund um den japanischen Kryptographen Satoshi Nakamoto entwickelte virtuelle Währung Bitcoin gibt es seit 2009. In ihrer Anfangszeit war sie ein Liebhaberprojekt von Mathematikern, Hackern und Verschlüsselungstechnikern, die den Gedanken einer dezentralen Online-Währung attraktiv fanden, mittlerweile ist sie aber in aller Munde.
Ein Bitcoin ist im Grunde nichts anderes als ein kryptografischer Schlüssel, dessen Besitz den Besitz des Geldes nachweist. Diese Schlüssel werden von den Nutzern der digitalen Währung mit großem Aufwand, teils mit spezialisierten Rechenzentren, errechnet. Die Anzahl der Bitcoins ist auf 21 Millionen Stück begrenzt – je mehr Bitcoins in Umlauf sind, umso schwieriger wird das Errechnen eines Bitcoin-Schlüssels.










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