14.10.2013 08:28 |

Für leuchtende Augen

VW Beetle Cabrio: So wertvoll wie ein kleiner Hund

Ein VW Beetle Cabrio ist wie ein kleiner Hund oder ein Baby: Wenn du als Mann damit ankommst, bekommen Frauen leuchtende Augen. Das sollte man jetzt aber nicht missdeuten, denn die Augen leuchten tatsächlich wegen Hund, Baby oder Beetle – nicht wegen der männlichen Ausstrahlung.

Mein erstes Auto war ein VW Käfer, ein 1302 mit 34 PS, Baujahr 1971. Er war laut, im Winter kalt und mit 13 Liter Verbrauch bei Minusgraden das Tor zum Ruin für einen 18-Jährigen. Aber ich war mobil, inklusive Skiausflügen zu viert mit den Brettln am Heck. Auf der Fahrt ist es sogar irgendwann warm geworden, bei 115 km/h Höchsttempo hat sie lange genug gedauert. Und ich habe damit Auto fahren gelernt, keiner ist unübersichtlicher als ein Käfer.

Das alles macht mich wohl irgendwie zur Zielgruppe für den Beetle, der in seiner zweiten Generation deutlich an Kontur gewonnen hat. Tatsächlich finden sich diverse Ähnlichkeiten, etwa der Blick auf den geschwungenen hinteren Kotflügel durch den Außenspiegel. Oder die lackierten Flächen im Innenraum. Oder das obere Handschuhfach (bzw. MP3-Player-Fach). Oder die völlige Unübersichtlichkeit, auch und vor allem nach hinten, denn die Heckscheibe des Verdecks ist vermutlich kleiner als die meines alten Käfers, dafür ist die C-Säule dicker. Wo der Wagen aufhört, kann man nur erahnen – oder hören. Im Idealfall mit Parksensoren, im Fall des Testwagens wäre es dann eher das Knirschen des Stoßfängers.

Die Jacke zu und alle Dächer offen
Alles egal, wenn sich erst mal das Stoffverdeck elektrisch nach hinten schwingt. Das geht bis Tempo 50 und dauert nicht viel länger, als mein alter Käfer zum Beschleunigen auf diese Geschwindigkeit gebraucht hat. Wie früher liegt das Verdeck obenauf. Wenn man die ausladende Abdeckung draufpfriemelt, hat man im Kofferraum wenigstens ein bisschen Platz. Dumm nur, dass der Kofferraumdeckel eine Fehlkonstruktion ist: Wenn das Auto nass ist, rinnt ungehemmt das Wasser in das Laderäumchen, wenn man ihn öffnet.

Die Frontscheibe steht steil, sodass echtes Cabriofeeling garantiert ist. Der Wind zerwuschelt die Haare, die Sonne bräunt die Stirn und beide streicheln die Seele. Praktischerweise merkt die Klimaautomatik, ob das Dach offen oder zu ist. Am besten fährt man zu zweit, denn das Raumgefühl auf der Rückbank ist klassisch eng und die Ansprüche heute höher als vor 25 Jahren.

Sportlich ist nur die Optik
Das Nageln des 105-PS-Diesels geht mit etwas Phantasie und gutem Willen als Hommage an den seligen Boxermotor durch. Das Temperament auch, denn des extrem lang übersetzte Getriebe erstickt dynamische Ambitionen im Keim. Da helfen 250 Nm ab 1.500/min. auch nicht viel. Die drei auf die Mittelkonsole aufgepflanzten kleinen Rundinstrumente (Stoppuhr, Ladedruck, Öltemperatur) schauen sportlich aus, sind aber wie der Heckspoiler ebenso deplatziert wie eine Blumenvase im Porsche 911.

Fazit
Der VW Beetle Cabrio ist nichts für ehemalige Käfer-Enthusiasten, die seinerzeit den Boxer frisiert haben. Wer Selbiges mit Barbie-Puppen gemacht hat, ist hier schon eher richtig – und kann hier durchaus 32.000 Euro investieren (Preis des Testwagens, Sondermodell 50S mit Extras. Grundpreis für den 105-PS-TDI 25.570 Euro). Leuchtende Augen gibt's dann gratis dazu.

Warum?

Herrliches Offen-Feeling

Warum nicht?

Sportlich ist nur die Optik

Oder vielleicht …

… doch lieber einen Hund?

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