01.07.2013 18:53 |

Out im Achtelfinale

Melzer scheitert in Wimbledon nach Fünf-Satz-Krimi

Jürgen Melzer hat es trotz großen Kampfgeistes nicht geschafft, als erster Österreicher das Wimbledon-Viertelfinale im Einzel zu erreichen. Der 32-jährige Niederösterreicher unterlag am Montag bei den All-England-Tennis-Championships in London in einer emotional geführten Partie dem Polen Jerzy Janowicz nach 3:12 Stunden in fünf Sätzen mit 6:3, 6:7(1), 4:6, 6:4, 4:6 und schied damit im Achtelfinale aus. Der 2,03 Meter große Sieger servierte 16 Asse. Im Doppel hatte Melzer anschließend mehr Glück und zog mit seinem US-Partner James Blake ins Viertelfinale ein.

Womit auch schon die gefährlichste Waffe von Melzers Gegner beschrieben ist - und der polnische Aufsteiger setzte seinen krachenden Aufschlag gegen den österreichischen Routinier ein, wo es nur ging. So auch im letzten Satz, in dem der als Nummer 24 gesetzte Weltranglisten-22. aus Lodz durch einen fatalen Doppelfehler Melzers das Break zum 2:1 schaffte und danach mit den Assen zwölf bis sechzehn die entscheidenden Akzente bei seinen folgenden Spielgewinnen setzte.

Nachlese zum Liveticker des Spiels siehe Infobox!

Schlechte Phase im Tiebreak von Satz zwei
Dabei hatte die Partie auf Platz zwölf für den Österreicher wunschgemäß begonnen. In nur 24 Minuten war der erste Satz mit 6:3 im Sack und nachdem Melzer zu Beginn des zweiten Durchgangs eine heikle Situation überstanden hatte, ging es für die beiden Kontrahenten ins Tiebreak. Ausgerechnet dort erwischte der österreichische Linkshänder aber eine seiner schlechteren Phasen dieses Matches. Janowicz gewann dank einiger leichter Fehler des Österreichers den Satzverkürzer mit 7:1 war damit voll im Match.

Was er mit einem klaren 6:4 im nächsten Durchgang auch unterstrich. Aber es sprach für Melzer, dass er im vierten Durchgang nicht aufgab. Einen Aufschlagverlust zum 2:3 machte er durch ein postwendendes Rebreak wett und nachdem er bei 4:4 eine weitere heikle Situation überstanden hatte, holte er sich diesen Satz seinerseits mit 6:4. Der Einsatz blieb aber letztlich unbelohnt: Denn seinen frühen Aufschlagverlust zum 1:2 im Entscheidungssatz konnte Melzer nicht mehr egalisieren und Janowicz, mit dem sich Melzer auch einige Verbalduelle lieferte, ließ mit dem eigenen Aufschlag nichts mehr anbrennen. Nach etwas mehr als drei Stunden jubelte der Pole über den größten Erfolg seiner Karriere.

Erstmals seit 33 Jahren zwei Polen im Viertelfinale
Janowicz spielt nun im Viertelfinale gegen den ungesetzten Weltranglisten-130. Lukas Kubot. Der "andere Pole" setzte sich in einer sehr ähnlich verlaufenen Parallel-Partie gegen den Franzosen Adrian Mannarino ebenfalls mit 6:4 im fünften Satz durch. Damit stehen erstmals seit 33 Jahren wieder zwei Polen im Wimbledon-Viertelfinale, einer ist bereits fix im Halbfinale.

Melzer, der sein Lieblingsturnier bereits als Junior (1999), im Doppel (2010) und mit seiner nunmehrigen Ehefrau Iveta auch im Mixed (2011) gewonnen hatte, vergab damit die Riesenchance, auch im Einzel ganz weit zu kommen. Durch das einzigartige Favoritensterben 2013 waren Asse wie Rafael Nadal oder Roger Federer bereits früh gescheitert. Nur Judith Wiesner und Tamira Paszek (zwei Mal) waren bisher aus rot-weiß-roter Sicht beim Rasenklassiker an der Church Road in die Runde der letzten 8 gekommen. Melzer wäre der erste ÖTV-Herr gewesen, dem dies gelungen wäre.

Melzer: "Tut richtig weh"
Bei Melzer machte sich nach der Niederlage große Enttäuschung breit. "Es wäre eine super Möglichkeit gewesen, wenn man weiß, man spielt gegen Kubot im Viertelfinale. Aber um eine Partie gegen solche Aufschläger zu gewinnen, muss man die wenigen Chancen, die man bekommt, nützen. Und das habe ich nicht", sagte der Niederösterreicher. "Ich habe über fünf Sätze sehr gutes Tennis gespielt. Das tut richtig weh." Melzer trauerte den vergebenen Break-Möglichkeiten nach, zwei nimmt er voll auf seine Kappe.

Im Doppel hatte Melzer mehr Glück
Im Doppel hatte Melzer nach seinem Scheitern im Einzel am Montagabend mehr Glück. Mit seinem US-Partner James Blake erreichte er gegen Michael Llodra/Nicolas Mahut einen klaren 6:4-6:0-6:1-Sieg. Im Viertelfinale trifft das Duo auf die Kolumbianer Juan-Sebastian Cabal/Robert Farah. Ebenfalls im Doppel-Viertelfinale stehen der Vorarlberger Julian Knowle und sein indischer Partner Mahesh Bhupathi. Die beiden besiegten die Kanadier Jesse Levine/Vasek Pospisil mit 6:2, 6:4, 3:6, 6:4 und bekommen es nun mit den topbesetzen Vorjahres-Halbfinalisten Bob Bryan/Mike Bryan aus den USA zu tun.

Peya/Soares im Doppel ausgeschieden
Ausgeschieden ist in der dritten Doppel-Runde hingegen Alexander Peya. Dabei waren der Wiener und sein brasilianischer Partner Bruno Soares am Montag als Nummer drei des Turniers die Favoriten gegen die indisch-französische Paarung Rohan Bopanna/Edouard Roger-Vasselin gewesen. Am Ende setzte es für die dreifachen Saisonsieger aber eine 4:6-6:4-6:7-2:6-Niederlage.

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