Fertig für den Abzug

Das Bundesheer packt am Golan zusammen

Österreich
29.06.2013 10:54
Der Abzug von den Golanhöhen stellt für das Bundesheer eine logistische Herausforderung dar. Innerhalb weniger Wochen müssen 20 Container mit Kleidung, Ausrüstung, Waffen, Munition und Fahrzeugen gepackt und nach Österreich gebracht werden. Sogar Hunde und eine Kirchenglocke werden übersiedelt. In den fast 40 Jahren Einsatz hat sich einiges angesammelt. Das Bundesheer liegt aber im Zeitplan. "Die Masse wird Ende Juni aus dem Einsatzgebiet abtransportiert sein", sagte der für den Abzug zuständige Logistikchef der Streitkräfte, Brigadier Christian Platzer.

Packen und Transport aller Dinge, die das Bundesheer während der jahrzehntelangen Mission am Golan angehäuft hat, stellen die Logistiker des Militärs vor teils schwierigen Herausforderungen. Jedes einzelne Stück muss zunächst in einen Container und dann mühsam durch die zwei von Syrien und Israel kontrollierten "Gates" am Golan geschleust werden. Danach landen die Container im Camp Ziouani auf der israelischen Seite, wo sie zwischengelagert werden. Von dort geht es später zum Hafen weiter, wo ein eigens dafür ausgebildetes Team von 30 Personen den weiteren Transport abwickelt. Alle Güter müssen aufgelistet, deklariert und dem Zoll gemeldet werden.

Nicht alle Güter kommen zurück nach Österreich
Heikle Güter wie Munition, Waffen und Funkgeräte werden mit dem Flugzeug nach Österreich gebracht. Dafür werden sie vom Hafen zu einem Flughafen umgeleitet und von dort im Juli von zwei Herkules-Maschinen des Bundesheeres abgeholt.

Fahrzeuge, Kleidung und alles andere wird auf dem Seeweg in die Heimat gebracht. Vieles wird aber auch zurückgelassen. Würde das Bundesheer alles einpacken, hätte es 50 und nicht 20 Container, sagte Platzer. Den Nachfolgern der österreichischen Soldaten werden neben den von Minister Gerald Klug versprochenen Schneeraupen, Winterjacken, Sanitätsausrüstungen, Containern und Feldstechern auch Kleinigkeiten wie Fernsehgeräte überlassen. Alles, was nicht mehr gebraucht wird, etwa alte Uniformen, wird vor Ort vernichtet.

Kleidung macht überhaupt das meiste Gepäck aus, erzählte Platzer. Schließlich standen für fast 400 Soldaten Sommer- wie Winteruniformen, Kugelschutzwesten sowie Schutzausrüstungen für Minenräumer bereit. Die Zahl der Fahrzeuge ist laut dem zuständigen Logistiker dagegen vergleichsweise gering. Insgesamt müssen sechs Lkw, zwei Notarztwägen sowie ein paar kleinere Fahrzeuge transportiert werden.

Kirchenglocke und Erinnerungsstücke bleiben nicht dort
Abtransportiert werden aber nicht nur militärische Güter, sondern auch für die Soldaten kostbare Erinnerungsstücke, die man zum Teil dem Heeresgeschichtlichen Museum überlassen will. Dazu gehören Holzschindeln aus dem Offizierscasino mit den Namen aller Offiziere, die bei der Mission im Einsatz waren sowie mit den Namen wichtiger Gäste wie den Bundespräsidenten. Mitgenommen wird auch die sakrale Ausstattung der Campkirche, die die Soldaten errichtet haben. Dazu gehört auch die Kirchenglocke. Die Heimreise antreten müssen auch die rund zehn Einsatzhunde.

Den Vorwurf, das Bundesheer wäre für einen sofortigen Abzug nicht gerüstet gewesen, wies Platzer entschieden zurück. Der zeitliche Ablauf zeige, dass genau das Gegenteil der Fall gewesen sei: Man habe am 6. Juni vom Abzug erfahren, tags darauf sei bereits die entsprechende Weisung aus dem Ministerium erteilt und die Vorkommandos bereitgestellt worden. Am 10. Juni hätten sich diese versammelt, am 11. Juni seien sie bereits ins Einsatzgebiet entsandt worden.

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