16.11.2012 08:59 |

krone.at-Interview

Wallner: "Heute ein Depp und morgen keiner geht nicht"

Roman Wallner, der neue Hoffnungsträger von Wacker Innsbruck, hat viel durchgemacht: Vom Talent bei Sturm mutierte er zum Star bei Rapid und schien bald darauf als Gescheiterter belächelt zu bleiben. Doch er kehrte zurück und will nach einem Zwischentief in Leipzig mit Wacker wieder nach oben. Gegenüber krone.at präsentierte sich Wallner als nachdenklicher Mensch, der sich früherer Fehler und seiner Wandlung bewusst ist und weiß, was seine Tochter damit zu tun hat. Auch die Bedeutung von Roland Kirchlers positiver Art für den Erfolg Wackers bleibt nicht unerwähnt.

krone.at: Roland Kirchler, dein noch ziemlich frischer Trainer hier beim FC Wacker, hat bis zum Alter von fast 32 profimäßig gerade einmal für einen einzigen Klub gespielt – für Innsbruck. Weißt du eigentlich aus dem Stand heraus, wie viele es bei dir bis jetzt waren?
Roman Wallner: Ja ja, sicher! Das waren über ... elf oder zwölf.
krone.at: Ja, ziemlich genau – es waren zwölf.
Wallner: (schmunzelt)

krone.at: Wirst du nun deine Ruhe hier in Innsbruck finden? Sind deine Wanderjahre nun abgeschlossen?
Wallner: Schwer zu sagen. Das kann man nie wissen, jeden Tag kann im Fußball etwas anderes passieren.
krone.at: Auch nicht, wenn du deine familiären Bindungen hier in Innsbruck berücksichtigst? Immerhin sind deine Lebensgefährtin und deine kleine Tochter hier daheim.
Wallner: Sicher, mir gefällt es sehr gut hier, das ist ja gar keine Frage. Aber wie gesagt: Im Fußball ist es unmöglich, sich auf irgendetwas festzulegen. Ich würd' schon sehr gerne länger hier bleiben, hab' ja auch zwei Jahre Vertrag hier, aber man kann nie wissen...

krone.at: Was du dagegen weißt, ist, dass Roland Kirchler, den du in der Bundesliga noch als Aktiver erlebt hast, dein Trainer ist – wie ist der Roli so als Coach?
Wallner: Persönlich hat er sich eigentlich seit damals nicht sehr verändert, er ist immer ein positiver Typ gewesen, mit dem man reden hat können. Und er war immer klass' zu den jüngeren Spielern, nein, von dem her hat er sich nicht verändert. Er bringt eine positive Stimmung rein und weiß, wie er die Spieler anpacken muss, er hat auch einen guten Schmäh, übertreibt es aber auch nicht. Weil oft verwischen da auch die Grenzen und dann wird man eher ... wie soll ich sagen ... dann kann es passieren, dass die Wirkung eher in Richtung Clown geht. Das ist bei ihm aber überhaupt nicht so, er hat klare Grenzen abgesteckt.

krone.at: Auch wenn viele Spieler nicht gerne zwischen dem alten und dem neuen Trainer vergleichen - was hat sich unter Roli Kirchler konkret verändert? Bzw. hat sich etwas verändert, oder war es "nur" das Momentum?
Wallner: Wenn ein neuer Trainer kommt, kommt immer ein neuer Schwung rein, das passiert ja automatisch. Super war, dass wir gleich gewonnen haben - weil es hätte ja auch sein können, dass wir erst wieder verloren hätten, und dann wären die Köpfe erst recht wieder unten gewesen. Ich glaube, allein durch seine Art hat er eine positive Stimmung hereingebracht, er hat die Spieler aufgebaut und probiert, Selbstvertrauen einzuimpfen. Für die Spieler ist so ein Trainerwechsel auch immer eine neue Situation: Man muss sich neu beweisen und fängt meistens wieder bei null an.

krone.at: Zuerst ein Sieg in zehn Spielen, jetzt vier Siege in fünf Spielen – wo zwischen den beiden Extremen "Schießbude" und "Punktekaiser" steht Wacker Innsbruck deiner Meinung nach eigentlich?
Wallner: Ich glaube, dass wir vorher, als wir nicht gewonnen haben, eigentlich auch immer wieder gut gewesen sind und uns eigentlich belohnen hätten müssen. Das haben wir nur leider nicht geschafft. Erst, als der Roli gekommen ist, haben wir zu punkten begonnen. Er hat sicher einen sehr großen Anteil daran, wie gesagt, eben durch seine Art. Tja, die Wahrheit liegt meistens irgendwie in der Mitte. Wichtig war für uns jedenfalls, dass wir da hinten wegkommen.

krone.at: Kann man auch tabellenmäßig sagen, dass die Wahrheit in der Mitte liegt – gehört auch Wacker Innsbruck in die Mitte der Tabelle?
Wallner: Im Moment spielen wir gegen den Abstieg. Wir haben es jetzt einmal nach ewig vielen Runden geschafft, den letzten Platz abzugeben, da wäre es falsch, da an irgendwas zu denken à la vierter, fünfter Platz – das wäre falsch. Es sollte klar sein, dass wir mitten im Abstiegskampf sind. Es ist noch ein langer Weg.

krone.at: Vor einigen Jahren hat Hans Krankl als Teamchef den Neid halb Europas auf das heimische Nationalteam mit Roland Linz und dir im Sturm beschworen. Erstens: Wie sehr nervt dich die Frage nach diesem Sager Krankls inzwischen? Und zweitens: Hat das euch bzw. hat das dich damals nicht auch stark unter Druck gesetzt?
Wallner:
Das hör' ich echt nicht zum ersten Mal, eher zum einmillionsten Mal, immer die gleiche Frage...
krone.at: Ich hoffe für mich, dass diese Frage noch keine Aggressionsgelüste in dir weckt.
Wallner: Nein, aber ich kann immer nur das Gleiche sagen. Das ist halt in dem Sinn negativ behaftet, weil es nicht eingetreten ist, und die Leute nehmen gerne negative Sachen her und haben eine Freude daran, einem das unter die Nase zu reiben. Der Hans Krankl hat das damals eben aus einer Emotion heraus gesagt.
krone.at: Wie Hans Krankl halt ist.
Wallner:
Ja, er ist halt ein emotionaler Typ, und nein, ich hab' das nicht überbewertet. Ich glaub', wenn es – das ist jetzt hypothetisch – irgendwie anders gelaufen und die Prophezeiung im Ansatz wahr geworden wäre, hätt', glaube ich, nie mehr ein Mensch darüber geredet. Aber belastet hat es mich nie, nein.

krone.at: Themenwechsel. Sieben Monate lang hat deine "Ehe" mit RasenBall Leipzig gehalten: Am Ende standen 16 Spiele, sechs erzielte Tore und drei Assists sowie der verpasste Aufstieg in die dritte Liga, das erklärte Saisonziel. Wie siehst du mit etwas mehr als zwei Monaten Abstand deine Zeit in Leipzig?
Wallner: Es war blöd, dass wir es im letzten Abdruck nicht geschafft haben aufzusteigen. Als Reaktion darauf hat man eben einiges geändert, es gab einen Trainerwechsel, einen Sportdirektorwechsel, und dann war alles neu. Es hat alles wieder von vorne angefangen. Tja, man kann im Fußball nie wissen. Aber davon geht die Welt nicht unter.

krone.at: Obwohl du ein Bundesligakicker bist, dürftest du nicht einmal in deiner engeren Verwandtschaft der Berühmteste sein, immerhin heißt die Schwester deiner Lebensgefährtin Mirjam Weichselbraun. Wie lebt es sich als Schwager eines TV-Stars?
Wallner: Ganz normal! (lacht) Viele Leute wissen das auch gar nicht. Nein, das ist kein Thema.

krone.at: Du bist Vater einer inzwischen vierjährigen Tochter ...
Wallner: Im Februar wird sie schon fünf.
krone.at: ... wie sehr hat die Vaterschaft den zumindest nach außen hin oftmals unstet wirkenden Roman Wallner beeinflusst? Bzw. umfassender: Worin unterschiedet sich der Roman Wallner von 1998 vom Roman Wallner 2012?
Wallner: Sehr! Man macht Fehler und man lernt daraus. Man macht Erfahrungen und dadurch wird man erwachsener und in gewissen Situationen ruhiger. Das ist ein Prozess, der sich über die Jahre entwickelt. Im Fußball ist es halt so, dass du viel schneller erwachsen werden musst, weil du in der Öffentlichkeit stehst. Speziell auf die Kleine gemünzt, die hat sicher einen großen Beitrag dazu geleistet, aber trotzdem, man kann nicht sagen: "Ich krieg jetzt eine Tochter, heute bin ich ein Depp und morgen bin ich keiner mehr."

krone.at: Wie wohl würdest du dich dabei fühlen, wenn deine Tochter in 13, 14 Jahren mit einem Jung-Fußballer heimkommt, der in etwa dem 17-jährigen Roman Wallner entspricht?
Wallner: Das ist schwer zu sagen… (überlegt lange) Im Prinzip hängt es halt davon ab, was man der Tochter in der Erziehung mitgibt. Man kann ja nichts verbieten, sonst wird das ja nur noch interessanter. Man muss halt schauen, dass man sie in der Zeit, in der sie klein ist, so festigt, dass sie gewisse Entscheidungen richtig treffen kann und dass sie nicht auf die falsche Bahn kommt. Man muss probieren, alles so hinzukriegen, dass man über alles reden kann, dass es keine Geheimnisse gibt, dass sie nichts. Ich werd' ihr so was sicher nicht verbieten (lange Pause). Und man kann nie wissen, wo die Liebe hinfällt.

krone.at: Roman, du hast einen weiten Weg hinter dir - vom Supertalent über den Jungstar wurdest du zum Gescheiterten und Belächelten und dann zum Comebacker und neuerlich zum Gestrauchelten. Wieso gibt's bei dir immer diese Aufs und Abs? Erträgst du die Gleichmäßigkeit nicht?
Wallner: Keine Ahnung, das war mir selbst nie bewusst. Ich glaub', die negativen Erfahrungen haben mir viel gebracht - jetzt im Nachhinein betrachtet, in der Situation selber war's nicht so angenehm. Wenn es nicht so gut gelaufen ist, habe ich schauen müssen, dass ich weiterkomme. Denn wenn du zwei, drei Monate nicht spielst, kann es schon vorbei sein mit der Karriere. Und wenn die Situation so ist, dass dich der Trainer nicht will oder dass sonst etwas nicht klappt, warum sollte ich dann auf Biegen und Brechen dort bleiben? Dann muss ich halt versuchen, dass es woanders funktioniert.

krone.at: Zum Abschluss - kannst du dir vorstellen, hier in Innsbruck als Fußballspieler alt zu werden?
Wallner: Im Moment hab' ich zwei Jahre Vertrag, aber ich kann mir schon einiges vorstellen.

krone.at: Also du kommst mit den Bergen zurecht?
Wallner: Ja, sicher! Mir hat's ja auch vorher gut gefallen, eben familienbedingt. Innsbruck ist eine schöne Stadt, die Leute sind sehr nett und haben mich auch sehr gut aufgenommen. Es spricht also nichts dagegen.

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