Den beiden Österreichern gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte am Montagnachmittag ein Sprecher von Amical Alpin, ein Expeditionsunternehmen das vor 20 Jahren von Gerlinde Kaltenbrunners Ehemann Ralf Dujmovits gegründet wurde und Touren und Expeditionen in alle Welt organisiert. Bei einem der Österreicher handelt es sich um den Salzburger Bergprofi Robert Hochreiter (50). Nähere Angaben zum zweiten Mann machte das Unternehmen unter Hinweis auf dessen Persönlichkeitsrechte nicht.
Beide Österreicher befänden sich derzeit im Basislager und bereiteten sich darauf vor, ausgeflogen zu werden. "Wann das sein wird, wissen wir derzeit noch nicht", so der Amical-Sprecher.
Fast alle Todesopfer aus Europa
Den letzten Angaben der Rettungskräfte zufolge starben durch den Lawinenabgang zwölf Menschen. Unter den Todesopfern sollen mehrere Franzosen, ein Italiener, ein Deutscher, mindestens ein Spanier sowie ein nepalesischer Sherpa sein.
Am Berg seien bis Montagabend (Ortszeit) elf Leichen geborgen worden, ein Expeditionsteilnehmer starb nach der Bergung im Krankenhaus in Kathmandu, erklärte der Präsident der Nepalesischen Bergsteigervereinigung, Zimba Jangbu Sherpa. Laut dem Vizepräsidenten der französischen Bergführergewerkschaft, Christian Trommsdorf, konnten vier französische Opfer identifiziert werden. Sie hätten zwei verschiedenen Expeditionen angehört.
Mehr als ein Dutzend Kletterer konnten gerettet (im Bild ein unidentifizierter Expeditionsteilnehmer beim Abtransport) und mit Helikoptern ins Basislager gebracht werden. Fünf Alpinisten, darunter drei französische Staatsbürger, galten am Montag nach Angaben des nepalesischen Bergsteigerverbands weiterhin als vermisst. Die Suche nach ihnen war bis Einbruch der Dunkelheit fortgesetzt worden, allerdings ergebnislos. Am Dienstag sollte es weitergehen.
Schneemassen überraschten Bergsteiger im Schlaf
Ein italienischer Überlebender berichtete, die Lawine habe die Bergsteiger im Schlaf in ihren Zelten überrascht. Kurz vor der Morgendämmerung habe sich ein Gletscherstück gelöst und dabei die Lawine ausgelöst, erzählte der Bergsteiger Silvio Mondanelli der italienischen Nachrichtenagentur ANSA. Ein französischer Überlebender erzählte CNN, er habe es gerade noch aus dem Zelt geschafft und sei dann, nur mit einem T-Shirt bekleidet, rund 200 Meter von den Schneemassen mitgerissen worden.
Ein amerikanischer Expeditionsteilnehmer berichtete, die Lawine hätte alle 25 Zelte im oberen Lager zerstört und sogar im Lager darunter Bergsteiger in ihren Zelten verschoben. Er selbst verlor bei einem 300 Meter weiten "Ritt" auf der Lawine mehrere Vorderzähne.
Tagebucheintrag: "Ständig Lawinen, die donnernd abgehen"
Die Expeditions-Gruppe mit den Österreichern dürfte sich zum Zeitpunkt des Unglücks am frühen Sonntagmorgen im Lager 2 befunden haben, als die Lawine abging. Ein 42-jähriger Bayer aus der Gruppe starb, zwei weitere Deutsche wurden verletzt, hieß es in einer Stellungnahme von Amica Alpin. Man sei "durch die Ereignisse tief betroffen und bedauert, dass es trotz intensiver Sicherheitsvorkehrungen zu diesem Ereignis kommen konnte". In ihrem Expeditionstagebuch berichteten die Teilnehmer beim letzten Eintrag am 18. September, man höre "ständig Lawinen, die donnernd rings um Basislager und Hochlager abgehen".
Ein amerikanisches Team, das den vom Lawinenabgang betroffenen Kollegen Sonntag früh zu Hilfe eilte, berichtet auf seinem Blog von insgesamt zehn Helikopterflügen, mit denen Überlebende ins Basislager geflogen wurden. Bilder der Unglücksstelle zeigen, dass von einem der Lager nur mehr ein Schneefeld übrig geblieben war.
Drei Überlebende setzen Bergtour fort
Drei Überlebende wollen ihre Bergtour trotz des Dramas nicht abbrechen. Drei Ecuadorianer würden die Expedition im Himalaya fortsetzen, teilte ihr Trainer Ivan Vallejo am Montag auf seiner Internetseite mit. Die Bedingungen am Berg Manaslu seien gut, und die drei Teilnehmer Oswaldo Freire, Carla Perez und Esteban Mena seien "guten Mutes". Sie hatten sich zum Zeitpunkt des Unglücks im Basislager an dem achthöchsten Berg der Welt befunden und waren nicht verletzt worden.
Manaslu auch als "Todesberg" bekannt
Der Manaslu ist mit 8.163 Metern Höhe der achthöchste Berg der Welt und gilt als einer der gefährlichsten. "Der Berg ist wegen seiner steilen Hänge und des schwierigen Wetters als Todesberg bekannt", erklärte am Montag Dipendra Paudel, Mitarbeiter des nepalesischen Tourismusministeriums. Die Erstbesteigung des Manaslu liegt mehr als 50 Jahre zurück: Am 9. Mai 1956 standen der Japaner Toshio Imanishi und der Einheimische Gyalzen Norbu als erste Menschen auf dem Gipfel des Manaslu, dessen Name aus dem Sanskrit kommt und "Berg der Seele" bedeutet. Eine Tiroler Expedition unter der Leitung von Wolfgang Nairz gelang 1972 die Durchsteigung der Südwand, die bis dahin als unbezwingbar gegolten hatte. Der Südtiroler Reinhold Messner erreichte den Gipfel als Erster ohne zusätzlichen Sauerstoff. Zwei Kameraden fanden den Tod: Andi Schlick und Franz Jäger starben beim Abstieg in 7.000 Metern Höhe im Schneesturm.
Am 4. Mai 1985 kam der Tiroler Thomas Juen am Manaslu ums Leben, als sein Lager von einer Lawine erfasst wurde. Die Expedition unter der Leitung von Wilfried Studer brach daraufhin ihr Unternehmen ab. 1981 war zwei Österreichern ein Husarenritt gelungen: Sepp Millinger und Peter Wörgötter waren die Ersten, die vom Gipfel des Achttausenders mit Skiern bis ins Basislager fuhren. Österreichs Rekord-Bergsteigerin Gerline Kaltenbrunner bezwang den Manaslu im Mai 2002.
231 Bergsteiger für Herbstsaison gemeldet
Jedes Jahr kommt es während der Klettersaison in Nepal zu Unfällen. Die Saison dauert von April bis Mai und nach einer Unterbrechung während der Monsunmonate wieder von September bis Oktober. Laut dem nepalesischen Tourismusministerium haben sich heuer mit 231 ausländischen Expeditionsteilnehmern in insgesamt 25 Teams besonders viele Bergsteiger am Manaslu gemeldet.
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