Damit wie uns nicht falsch verstehen: Die Karosserie ist nicht downgesized, man sucht noch immer eher ein kleines Grundstück als einen Parkplatz und wuchtet 2,1 Tonnen Leergewicht durch die Gegend, das aber unerwartet behände.
Zu diesem Eindruck trägt die serienmäßige Siebengang-Automatik mit der ebensolchen Stopp-Start-Automatik bei. Steigt man bei rot-gelber Ampel aufs Gas, überfährt man die Haltelinie schon, bevor sie auf Grün umschaltet, so blitzschnell startet der Motor und sorgt die Automatik für Kraftschluss.
Desselbigengleitens
Weil sich die M-Klasse zwar M-Klasse nennen lassen, aber das M nicht alleinstehend im Namen tragen darf (das darf nur BMW), stellt man dem M seit je ein L zur Seite. Passender wäre ein S, denn in die Richtung dieser Klasse geht es in Sachen Komfort. Mit der optionalen Luftfederung samt adaptiven Dämpfern gleitet der ML 350 im Komfortmodus höchst elegant über Bodenunebenheiten hinweg, in der Sport-Stellung wird es beinahe schon zu straff, da es keine Zwischenstellung gibt. Obwohl: L passt auch nicht so schlecht, wenn man es mit "leise" übersetzt, denn so geht es zu in diesem edlen Innenraum, auch bei zügiger Fahrt.
Und mit zügig meine ich tatsächlich zügig, denn der Dreiliter-V6-Diesel leistet 258 PS und drückt ab 1.600/min. mit 620 Nm an, da geht ordentlich was weiter. Gelassen streicht die Tachonadel nach 7,4 Sekunden über den Hunderter (das ist sogar zwei Zehntel schneller als beim 306-PS-Benziner), maximal sind 224 km/h drin. Dabei braucht die M-Klasse im Schnitt ein Viertel weniger als ihr Vorgänger, im Test waren es um die zehn statt der normverbräuchlichen 6,8 bis 7,4 Liter auf 100 km. Auf Wunsch fasst der Tank 93 statt 70 Liter, dann sind weitreichende Reichweiten drin. Vorbildlich ist die Abgasreinigung per Harnstoff, dank der die ab 2014 geltende EU-6-Norm eingehalten wird. Das Ding unter dem Ladeboden ist übrigens keine Bombe, sondern der Harnstofftank.
S-Klasse für richtiges Gelände
Allradantrieb ist serienmäßig, ebenso ein Offroad-Fahrprogramm, Bergabfahrassistent und Hillholder. Gegen Aufpreis wäre ein zusätzliches On-/Offroad-Paket mit weiteren Fahrprogrammen zu haben, das unter anderem ein zweistufiges Verteilergetriebe mit Untersetzung und eine Längsdifferentialsperre beinhaltet. Dann kann die bereits genannte Airmatic, also die Luftfederung, das Fahrzeug auch noch weiter als ohnehin schon anheben, sodass eine Bodenfreiheit von 28,5 Zentimeter und eine Wattiefe von 60 Zentimeter möglich ist. Wer eher erweiterten Spaß auf der Straße anstrebt, der befasse sich hingegen mit der aktiven Wankbewegungsunterbindung, dem Activ Curve System (ACS) genannt.
Die Einstiegspreise beginnen bei 61.710 Euro für den Vierzylinder-Diesel mit 204 PS und reichen bis 135.900 Euro für den ML 63 AMG. Der ML 350 BluTEC ist ab 65.710 zu haben, wobei der Testwagen auf über 90.000 Euro kommt. Und da würde sich in der Aufpreisliste durchaus noch was finden lassen. Etwa eine Anhängerkupplung, es gehen sich bis zu 3,5 Tonnen schwere Anhänger aus.
Der ML 350 Bluetec ist ein Auto zum Wohlfühlen. Schöner Körper außen, edles Ambiente innen, leicht geänderte Bedienung – der Blinkerhebel ist jetzt da, wo Nicht-Mercedesfahrer ihn erwarten. Der Kofferraum bietet Platz für ausgedehnte Reisen (680 bis 2010 Liter bei 800 kg Zuladung). Die Insassen fühlen sich opulent untergebracht – selbst wenn der Nachwuchs auf der Rückbank sich schon aus dem Babyspeck geschält hat und die Eltern um einen Kopf überragt.
Warum?
Warum nicht?
Oder vielleicht …
… Audi Q7, BMW X5, Land Rover Discovery.
Besuche krone.at/Auto & Motorrad auf Facebook und werde Fan!
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.