Di, 16. Oktober 2018

"Vermeidbar gewesen"

05.03.2012 13:38

Graz: Baby mit HIV infiziert - 14 Monate bedingt für Mutter

Zu 14 Monaten bedingter Haft ist eine 41-jährige Frau am Montag in Graz in einem neu aufgerollten Prozess verurteilt worden, weil sie ihr Baby während der Geburt mit dem HI-Virus infiziert haben soll. Sie hatte das Kind trotz der Vorbehalte der Ärzte nicht per Kaiserschnitt zur Welt gebracht und es entgegen den medizinischen Empfehlungen auch noch gestillt. Laut Gutachter hätte die Ansteckung weitgehend vermieden werden können. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Angeklagte, die erklärte, dass bei ihr bereits mit 18 Jahren HIV diagnostiziert worden war, leugnet nach wie vor die Existenz der Krankheit. Sie hatte ihr viertes Kind durch eine natürliche Geburt zur Welt gebracht und es auch gestillt - eine begleitende Therapie mit Medikamenten lehnte sie ab. Seitens der Behörden wurde ihr das Sorgerecht für das kleine Mädchen entzogen, bei dem die Infektion bald nach der Geburt festgestellt wurde.

Experte: "Ansteckung hätte sich vermeiden lassen"
Mittlerweile soll es dem Kind einigermaßen gut gehen. Der medizinische Sachverständige sprach zwar von einer "schweren Dauerfolge", trotzdem könne das Kind ein einigermaßen normales Leben führen. Ob sich das Kind vor oder während der Geburt oder durch das Stillen angesteckt habe, könne man im Nachhinein nicht feststellen, erklärte der Gutachter. Die Ansteckung hätte sich aber bei entsprechender Therapie durch Medikamente während des Geburtsvorganges "weitgehend vermeiden lassen".

Die Mutter wurde bereits 2010 wegen schwerer Körperverletzung zu zehn Monaten bedingter Haft verurteilt, doch das Urteil wurde aufgehoben. Der Frau wurde damals wie auch jetzt wieder u.a. vorgeworfen, die Hebamme bei der Hausgeburt gefährdet zu haben, weil sie ihr nichts von der HIV-Infektion gesagt hatte.

"Sie ist auch heute wenig einsichtig und hat damals die Hebamme ganz bewusst nicht informiert, weil die dann nie die Geburt durchgeführt hätte", so der Staatsanwalt. Daraufhin empörte sich die Angeklagte: "Ich finde das diskriminierend, was der Herr Staatsanwalt sagt. Mich dauernd schlecht zu machen, finde ich einfach unmenschlich."

Mutter: "Mich schlecht zu machen, finde ich unmenschlich"
Die Frau wurde wegen schwerer Körperverletzung, Verbreitung einer übertragbaren Krankheit und Verleumdung zu 14 Monaten Haft verurteilt. Ihre drei älteren Kinder leben wieder bei ihr, der Ehemann, der ebenfalls an Aids erkrankt war, war im Mai 2010 gestorben.

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