Weitere Mobilisierung?

Das steht in Putins geheimem Kriegspapier

Ausland
05.06.2023 09:42

Tiefe Einblicke in Moskaus zahlreiche Probleme und Pannen im Ukraine-Krieg bietet ein Bericht, der kürzlich von einem Mitarbeiter der russischen Streitkräfte veröffentlicht wurde. Das Dokument wurde kurz nach seiner Publikation umgehend gelöscht - es liegt daher die Vermutung nahe, dass es nie an die Öffentlichkeit gelangen sollte. Allerdings ist es nach wie vor im Internet-Archiv abrufbar.

Das Hauptaugenmerk liegt in dem Schriftstück auf der Einberufung neuer Soldaten und der Bildung neuer Einheiten. Die russische unabhängige Internetzeitung „The Insider“ hat den Bericht genau unter die Lupe genommen und eine Übersicht erstellt.

Es bringt nichts mehr, die Augen zu verschließen - denn mittlerweile ist der Krieg tief in der russischen Gesellschaft angekommen. (Bild: APA/AFP/Alexander NEMENOV)
Es bringt nichts mehr, die Augen zu verschließen - denn mittlerweile ist der Krieg tief in der russischen Gesellschaft angekommen.

Opposition findet teilweise Gehör 
Demnach soll die russische Armee mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, da ein Teil der Gesellschaft nicht in den Krieg ziehen wolle. Dafür seien Internetblogger verantwortlich, die einen „Informationsdruck“ ausüben würden.

Vor dem Hintergrund der ohnehin bereits angespannten Lage ist es für den Kreml natürlich unbequem, dass trotz aller Abwehrversuche hin und wieder kritische Stimmen und Informationen beim Volk ankommen und Gehör finden - und die passen so gar nicht zu den verdrehten und geschönten Mitteilungen, die die offizielle Seite zur Verfügung stellt. Daher will Moskau künftig mehr Register ziehen und Razzien bei Wehrpflichtigen durchführen.

Erst am Sonntag gingen Polizisten in Russland wieder brutal gegen Unterstützer des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny vor. (Bild: ASSOCIATED PRESS)
Erst am Sonntag gingen Polizisten in Russland wieder brutal gegen Unterstützer des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny vor.

Alle Wehrpflichtigen sollen erfasst werden 
In seinem Kontrollwahn habe das russische Kriegsministerium nun eine Datenbank mit 31,6 Millionen Menschen erstellt, heißt es weiter. 2,9 Millionen davon seien im wehrpflichtigen Alter. Von ihnen würden die Behörden derzeit die Handynummern und E-Mail-Adressen erheben. Nach derzeitigem Stand wird Russland allerdings wohl kaum alle einberufen können, denn der Kreml hat große Schwierigkeiten, seine Soldaten mit Waffen und anderer Ausrüstung zu versorgen. Vorausgeschickt, um an der Front zu kämpfen, werden jetzt einmal Mitarbeiter von Sicherheitsfirmen.

Experten gehen davon aus, dass sich der Kreml auf weitere Mobilisierungswellen vorbereitet. Solche Schritte sind jedoch eine Gratwanderung, da im Land ein Umsturz droht, wenn der Bogen überspannt wird. Die Elite ist daher bemüht, die Generalmobilmachung so lange wie möglich hinauszuzögern oder unter dem Deckmantel der „Teilmobilmachung“ durchzuführen.

Große Pläne
Um den Schein zu wahren, dass eh alles in Ordnung ist, hat Russland dennoch große Pläne für das Jahr 2023. Der Generalstab will eine neue Armee, einen Armeekorps, fünf Divisionen und 26 Brigaden in die Welt setzen. Ein neuer Militärbezirk am Asowschen Meer soll zusätzliche Vorteile bringen.

Teilmobilmachung nie beendet
Die am 21. September in Russland verkündete Teilmobilmachung wurde nie offiziell beendet. Mittlerweile kann der Einberufungsbescheid auch auf elektronischem Wege übermittelt werden und gilt, egal ob er bei seinem Empfänger angekommen ist oder nicht, als zugestellt. In der russischen Hauptstadt Moskau sind zudem Videoüberwachungssysteme im Einsatz, die jene aufspüren, die sich der Einberufung entziehen. Sie sind derart ausgeklügelt, dass sie sogar Personen mit Motorradhelmen erkennen können.

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