Autor im Gespräch

Slim-Fit, Sneaker, Tracht: Mode-Codes der Politik

Politik
02.03.2023 15:43

Wolfgang Mückstein hat in weißen Sneaker bei seiner Angelobung für Diskussionen gesorgt, Angela Merkel setzte in Gruppenbildern als „Farbfleck“ Akzente und Slim-Fit-Anzüge, lassen den Träger „leistungsfähiger“ wirken. „Mit Bildern ist es leichter Politik zu machen, als mit Worten“, sagt Daniel Kalt, Modejournalist und Autor im Gespräch mit Jana Pasching. Deshalb sei die Bildsprache über die Kleidung auch in der Politik ein sehr beliebtes Mittel der Kommunikation. Auf zu viel Luxus sollte man als Politiker dennoch lieber verzichten.

Autor Daniel Kalt beschreibt in seinem Buch „Staat tragen“ die politischen Mode-Codes und entschlüsselt Botschaften von Active Wear bis Statement Dresses und seziert modische Fehlgriffe. Als letzteres sahen Kritiker die weißen Turnschuhe von Ex-Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein bei dessen Angelobung im Jahr 2021. Dürfen Politiker Sneaker tragen?

(Bild: APA/APA-POOL/ROLAND SCHLAGER)

„Dürfen tut man ja tatsächlich alles“, sagt Kalt. „Ich fand das mit Wolfgang Mückstein besonders interessant, weil es keinen Präzedenzfall gesetzt hat. Den großen Turnschuh-Moment hat Joschka Fischer verursacht, als er 1985 als Umweltminister von Hessen angelobt wurde.“ Wenn Wolfgang Mückstein weiße Turnschuhe trägt, sei das ganz bewusst als ein spielerischer Rückverweis auf Joschka Fischer gemeint. „Hier wollte man bewusst eine Verbindung herstellen, mit jemanden, der vorangegangen ist.“

Daniel Kalt, Modejournalist und Autor (Bild: krone.tv)
Daniel Kalt, Modejournalist und Autor

Politiker sollten lieber auf Luxusmarken verzichten
Während die weißen Turnschuhe von Mückstein durchaus polarisierten, sollten Politiker lieber auf zu viel Luxus verzichten. Gerade in Krisenzeiten würde das kein gutes Signal senden. „Wenn man in Zeiten drohender Wirtschaftskrisen als Notenbankchefin seine Vorliebe für eine Luxusmarke weiter auslebt - und das für alle erkennbar ist - dann ist das schon eher heikel.“

Angela Merkel sei laut Daniel Kalt kleidertechnisch ein Sonderfall. Als Politikerin sprach sie sich in einem Interview sogar dezidiert gegen das „Aufgestylte“ aus. „Im Laufe ihrer Kanzlerinnenschaft hat sie einen sehr markanten Look für sich herausgearbeitet, geradezu eine Personaluniform.“ Ihre sehr ähnlich geschnittenen Kostüme trug sie in allen möglichen Farben. Auf Gruppenbildern war sie als „Farbfleck“ immer gut erkennbar.

Ursula von der Leyen, Angela Merkel und Alice Schwarzer auf einer Veranstaltung im Jahr 2009 (Bild: AFP)
Ursula von der Leyen, Angela Merkel und Alice Schwarzer auf einer Veranstaltung im Jahr 2009

Slimfit zieht Rückschluss auf Lebensstil
Während Bierpartei-Chef Dominik Wlazny in Lederjacken zwar durchaus polarisiert und damit das Rebellische verkörpert, setzen Vertreter der „Slim-Fit-Truppe“ auf ein anderes Statement: Sebastian Kurz und seine Mitstreiter standen damit vor allem für einen Generationswechsel und Verjüngung. Aber auch Altkanzler Christian Kern setzte auf die schmalen Anzüge. „Der weitgehende Verzicht auf Krawatte und Verschmälerung der Silhouette wirkt jugendlicher. Andererseits ist es eine Silhouette, die man sich leisten können muss.“ Das lasse auch wieder Rückschlüsse auf den Lebensstil zu. „Man gibt sich leistungsfähiger.“

Sebastian Kurz und Lebensgefährtin Susanne Thier im Sommer 2021 (Bild: APA/Georg Hochmuth)
Sebastian Kurz und Lebensgefährtin Susanne Thier im Sommer 2021

Das ganze Interview mit Daniel Kalt sehen Sie im Video oben.

 krone.at
krone.at
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.



Kostenlose Spiele