75 Jahre alt ist die Frau mit dem eleganten französischen Zopf, die im Wiener Landesgericht auf der Anklagebank Platz nehmen muss. Sie soll eine Betrügerin sein, nimmt aber die Opferrolle ein, nicht nur krankheitshalber. Laut Anklage hat sie 40 Geschädigte um rund 900.000 Euro gebracht.
Reden über das, was ihr die Staatsanwaltschaft vorwirft - nämlich schweren gewerbsmäßigen Betrug - wird die Frau nicht: Sie sei krank, wegen der Medikamente habe sie Konzentrationsschwierigkeiten. Sie überreicht durch ihren Anwalt Lukas Kollmann eine schriftliche Erklärung, die Richter Tolstiuk verliest.
Es ging um Milliarden
Begonnen hatte alles mit einem Kredit, den sie nicht bekommen hatte. Also suchte sie im Internet nach Geldgebern und kam auf eine „international agierende Firma“. Es ging um die Finanzierung von Großprojekten - von einer Kfz-Werkstatt über Edelstein-Großhandel bis zu Bauvorhaben. Es ging um Milliardenkredite, man hatte „Büros“ in Wien, Köln, Mallorca und einen Notar in Buenos Aires. Ihr gefiel das Geschäftsmodell, also gründete sie eine Firma und wurde Partnerin.
Von den Projektwerbern verlangte man „Vorfinanzierungskosten“ - und spätestens jetzt ahnt man, wohin die Reise ging: Die Kreditbank ausgerechnet in der Schweiz (!) sei pleite, alles Geld war weg. Dass auch sie nicht haben will - sie habe es weiter überwiesen an die Geschäftspartner, die entweder verurteilt oder untergetaucht sind. „Im Nachhinein hätte mir früher auffallen müssen, dass ich selbst Betrügern aufgesessen bin“, schreibt sie in ihrer Erklärung. Vertagt.
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