Nach dem zweiten Prozesstag im Fall der tödlichen Schießerei in einem Lokal in Wien-Ottakring gibt es eine überraschende Wende: Zwei der drei Angeklagten wurden am Montag aus der Untersuchungshaft entlassen. Zeugen hatten den Hauptangeklagten schwer belastet – und die beiden anderen Männer entlastet.
Es war eine blutige Auseinandersetzung, die im November 2025 in einem Lokal in Wien-Ottakring eskalierte. Ein Mann wurde tödlich getroffen, ein weiterer überlebte nur knapp. Seit Freitag müssen sich drei Männer wegen Mordes, Mordversuchs bzw. Beitragstäterschaft vor Gericht verantworten. Alle drei bekannten sich nicht schuldig.
Waren nicht einmal in der Nähe der Schüsse
Am Ende des zweiten Verhandlungstages am Montag wurden die beiden Mitangeklagten im Alter von 36 und 39 Jahren aus der Untersuchungshaft entlassen. Die bisher gehörten Zeugen belasteten demnach allein den 34-jährigen Hauptangeklagten. Die beiden anderen Angeklagten seien zum entscheidenden Zeitpunkt nicht einmal in der Nähe der Schüsse gewesen.
Die Verteidiger Astrid Wagner, Michael Dohr und Farid Rifaat argumentierten deshalb, ihre Mandanten hätten keinen psychischen Tatbeitrag geleistet. Das Gericht folgte den Enthaftungsanträgen. Der 36-Jährige und der 39-Jährige konnten das Gefängnis noch am Montag verlassen.
Streit um Geld war Auslöser
Der 34-Jährige bleibt hingegen in Haft. Er hält weiterhin daran fest, dass der tödliche Schuss vom Drittangeklagten abgegeben worden sei.
Auslöser des Dramas soll ein Streit um Geld gewesen sein. Im Mittelpunkt stand ein Kreditgeschäft zwischen dem 34-Jährigen, dem 36-Jährigen und einem serbischen Kreditvermittler.
Kreditkarten bestellt und Rolex gekauft
Für rund 50.000 Euro sollte der Vermittler eine Provision von 50 Prozent erhalten. Nachdem der Hauptangeklagte erfahren hatte, dass der Mann in ihrem Namen Kreditkarten bestellt und damit unter anderem eine Rolex gekauft haben soll, sollen die beiden Angeklagten die gesamte Kreditsumme behoben und für sich behalten haben.
Am 6. November 2025 sollte bei einem Treffen in dem Lokal eine Aussprache stattfinden. Der Kreditvermittler erschien mit seinem Vater und drei Begleitern. Der Hauptangeklagte soll wiederum den Drittangeklagten mitgenommen haben. Laut Anklage hatte der 34-Jährige eine illegal erworbene Beretta dabei. Auch der Drittangeklagte soll eine Glock mitgeführt haben.
Die Stimmung eskalierte rasch. Ein Begleiter des Kreditvermittlers führte den 34-Jährigen in Richtung Notausgang, um die Situation zu beruhigen. Dort soll der Angeklagte plötzlich eine Waffe gezogen, repetiert und auf den Mann gezielt haben. „Dann hat er sofort geschossen“, schilderte der Zeuge.
Die Kugel traf einen Türrahmen, ein Abpraller verletzte den Mann leicht an der Brust. Auf die Frage der Richterin, ob er den Schützen eindeutig erkannt habe, antwortete der 38-Jährige: „Ich weiß es ganz genau und er weiß es selber auch.“
Im Lokal brach Panik aus
Nach dem ersten Schuss brach im Lokal Panik aus. Kurz darauf soll der 34-Jährige auf den Vater des Kreditvermittlers zugegangen sein, die Waffe gezogen und erneut abgedrückt haben. Der 56-Jährige wurde im Bauchbereich getroffen. Nur eine Notoperation rettete ihm das Leben.
Der dritte Schuss traf einen 33-jährigen Begleiter. Das Geschoss verletzte seine Körperhauptschlagader schwer. Der Mann schaffte es noch, sich aus dem Lokal zu schleppen, brach dort zusammen und starb.
Zeuge wurde zur Fahndung ausgeschrieben
Für die weiteren Verhandlungstage fehlt allerdings ein wichtiger Zeuge: Der Kreditvermittler selbst erschien am Montag nicht vor Gericht. Er hätte von der Polizei vorgeführt werden sollen, wurde an seiner Wohnadresse jedoch nicht angetroffen. Er wurde zur Fahndung ausgeschrieben. Das Verfahren wird fortgesetzt. Das Urteil soll am 30. November fallen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.