Nimmt er brav seine Tabletten und bekommt seine Depotspritzen, kann der 52-jährige Wiener sogar alleine in seiner Wohnung leben. Lediglich einen täglichen Besuch durch eine Pflegekraft hätte es die letzten Jahre gebraucht. Ohne seine Medikamente ging er jedoch auf solch einen Pfleger los.
„An dem Tag war mir nicht gut“, gibt der Wiener vor der Richterin zu. Normalerweise sei er überhaupt nicht aggressiv. Normalerweise nimmt er aber auch seine Tabletten und holt sich Depotspritzen ab. Eine chronische paranoide Schizophrenie begleitet den Beschuldigten im LG Wien seit dem Jugendalter.
Pfleger besuchte ihn täglich
2003 wurde er bereits für acht Jahre in eine Anstalt eingewiesen, war auf dem Weg der Besserung. Ein Pflegedienst stellte sicher, dass er zu Hause seine Medikamente regelmäßig nahm - was an diesem Tag nicht der Fall war. In einem akuten psychotischen Anfall ging er mit dem Küchenmesser auf den Pfleger los. Der zum Glück nur Schnittwunden an den Händen hatte. Auslöser: Zuwenig Taggeld.
Opfer machte Kampfsport
Anfangs hätte der Pfleger noch versucht, beruhigend auf ihn einzureden und ihm das Messer aus der Hand zu nehmen. „Die Situation hat sich immer mehr zugespitzt“, sagte das 31-jährige Opfer im Zeugenstand. Zu dem Zeitpunkt trainierte er seit einem halben Jahr Martial Arts und blieb so fast unverletzt: „Ich bin kein Profi, aber ich wusste ungefähr, wie ich das abwehren kann.“
Ohne Medikamente sind solche Taten wieder zu erwarten.
Psychiatrischer Gutachter im Wiener Landesgericht
Gutachter empfiehlt stationäre Behandlung
Die Staatsanwaltschaft fordert eine erneute Einweisung - mit Mordversuch als Anlasstat. Der 52-jährige Beschuldigte weiß zwar, dass er krank ist, aber: „Ich wollte ihn nicht töten. Ich weiß, dass ich einen Fehler gemacht hab.“ Der psychiatrische Gutachter ist sich sicher: „Ohne Medikamente sind solche Taten wieder zu erwarten“ und empfiehlt eine stationäre Behandlung. Die bekommt er in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.
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