27.07.2022 09:01 |

Über 1000 Betroffene

Kinder-Hepatitis: Forscher entdeckten Auslöser

Ein bislang für harmlos gehaltenes Adenovirus (AAV2) dürfte hinter den bisher mysteriösen akuten Hepatitis-Erkrankungen stecken, die in den vergangenen Monaten bei weltweit rund 1000 Kindern beobachtet wurden. In mehreren Fällen wurden sogar Lebertransplantationen notwendig. Es gab auch einige Todesfälle.

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Erstmals war im April dieses Jahres aus Schottland von akuten Leberentzündungen bei Kindern ungeklärter Ursache berichtet worden. Schwere Hepatitis-Erkrankungen sind bei Kindern extrem selten. Mittlerweile sind weltweit bereits 1010 solcher Fälle aus 35 Staaten gemeldet worden.

Wie das Deutsche Ärzteblatt am Dienstag unter Berufung auf eine Studie britischer Wissenschaftler (diese wurde von nicht von unabhängigen Experten überprüft) berichten, dürfte nun der Auslöser der Krankheit feststehen. Untersucht wurden Blut- und Gewebeproben von insgesamt 25 Kindern mit dieser Hepatitis. Dabei sequenzierten sie die DNA aller in den Proben gefundenen Gene und überprüften, ob sie von Viren stammen könnten. Dadurch stießen sie auf das sogenannte adeono-assoziierte Virus 2, also AAV2.

AAV2 braucht „Helferviren“
Das Ergebnis, so das Deutsche Ärzteblatt (Online): „Die AAV2-Gene waren in allen Leberbiopsien und in zehn der elf Plasmaproben enthalten.“
Das kleine DNA-Virus AAV2 mit einem nur 4675 „Buchstaben“ umfassenden Genom gehört zu den sogenannten Dependoparvoviren. Sie brauchen für ihre Vermehrung die Hilfe von anderen Viren, zum Beispiel von HAdV oder von einer Herpesvirusart (HHV-6B). Die „Helfer“ vermitteln AAV2 die Möglichkeit, Leberzellen zu infizieren.

Auch wenn die Erreger bisher nicht im Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden konnten und ein experimenteller Beweis einer Übertragung aussteht, sprechen offenbar einige Indizien dafür, dass AAV2 der Auslöser für die Erkrankungen ist. Die Wissenschaftler belegten nämlich bei neun Kindern Doppelinfektionen von AAV2 und dem Herpes-Virus bzw. HAdV. Das bereits 1965 entdeckte AAV2 ist weit verbreitet. Bei etwa 80 Prozent aller Erwachsenen lässt sich ein früherer Kontakt mit dem Virus nachweisen. Die Infektion erfolgt zumeist im frühen Kindesalter. 

Einfluss der Corona-Pandemie
Noch nicht ganz geklärt werden konnte, warum die Problematik mit AAV2 und den bisher mysteriösen Leberentzündungen bei Kindern jetzt akut geworden ist. Die britischen Wissenschafter vermuten, dass sich mit der Corona-Pandemie normalerweise jahreszeitlich getrennt vermehrt auftretende Infektionen mit AAV2 bzw. seinen „Helfern“ verschoben und überlappt haben. Dadurch gab es mehr der problematischen Erkrankungen.

Auch genetische Faktoren könnten manche Kinder empfänglicher machen. In Österreich wurden bis zum Mai dieses Jahres zwei derartige Erkrankungen registriert. Einen direkten Zusammenhang mit Covid-19 dürften die neuen Forschungsergebnisse ausschließen.

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