27.06.2022 11:05 |

In Rheinland-Pfalz

Microsoft Teams fliegt aus deutschen Schulen

Die Corona-Pandemie hat nicht nur Unternehmen zu mehr Telearbeit gezwungen, sondern in Schulen auch den Fernunterricht boomen lassen. Die gängigste Software dafür ist Microsoft Teams: Die Kommunikationslösung des Windows-Konzerns ist im Bildungswesen weit verbreitet. Im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz soll damit allerdings bald Schluss sein: Wegen Datenschutzbedenken fliegt Teams dort aus den Schulen.

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Diese Entscheidung hat das zuständige Bildungsministerium in Abstimmung mit dem Datenschutzbeauftragten des Bundeslandes getroffen, berichtet das IT-Portal Heise.de. Die Mehrzahl der Schulen verwende demnach bereits andere Lösungen - etwa einen 2021 eingeführten digitalen Schulcampus und die Open-Source-Kommunikationslösung BigBlueButton. Ab dem nächsten Schuljahr sollen nun auch die übrigen 228 Schulen auf Teams verzichten.

Grund für das Teams-Verbot sind Datenschutzbedenken: Microsoft Teams und das Büropaket Office 365 senden Nutzerdaten in die USA. Dem Datenschutzbeauftragten Dieter Kugelmann zufolge mache Microsoft auch keine Anstalten, daran etwas zu ändern. „Konkrete Zusagen von Microsoft, die neue Überlegungen möglich machen würden, sind keine ersichtlich.“

Daten von Kindern besonders schützenswert
Dabei werde dem Schutz personenbezogener Daten von Kindern in der Datenschutz-Grundverordnung ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt. Und da in den USA keine europäischen Standards Anwendung finden, ist aus Sicht des Ministeriums und des Datenschutzexperten von der Nutzung von Microsoft Teams in den Schulen abzusehen.

Die Entscheidung ist umstritten: Teams habe sich in den vergangenen Jahren bewährt, die anderen Lösungen seien unerprobt, kritisiert die CDU SPD-Bildungsministerin Stefanie Hubig. Kugelmann hält entgegen, dass freie Software kommerziellen Angeboten im Funktionsumfang um nichts nachstehe. In einzelnen Bezirken sei längst Open-Source-Software im Einsatz, ohne dass die Qualität des Unterrichts leide.

Experten geißeln Microsoft-Dominanz an Schulen
Die Nutzung von Microsoft-Produkten wie Office 365 und Teams im schulischen Umfeld wird nicht nur in Deutschland kritisch gesehen: Auch die heimische Datenschutz-NGO epicenter.works warnt vor dem Abfluss von Schülerdaten in die USA und einer zu großen Dominanz US-amerikanischer IT-Konzerne in europäischen Schulen.

Experten der deutschen Gesellschaft für Informatik warnten zudem bereits im Herbst 2020: „Die Marktstrategie dieses in der Schule beginnenden Lock-in-Effekts, mit dem Ziel einer engen Kundenbindung, impliziert eine Stärkung des Microsoft-Monopols und einer schon jetzt gefährlichen technologischen Abhängigkeit Europas von einem amerikanischen Unternehmen. Mit Linux und Open-Source-Programmen europäischen Ursprungs kann dieser Abhängigkeit begegnet werden.“

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