21.04.2022 11:05 |

„Krone“-Reisereportage

Brda in Slowenien: Eine Quelle der Inspiration

Das wahrlich ist die slowenische Brda: Wer jetzt kommt, bevor die saftigen Kirschen reif sind, wird belohnt mit Hängen voller duftender Blüten und gedeihender Natur. Die gesamte Region blüht

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Man braucht sich gar nicht anzustrengen oder besonders genau hinzuhören – wenn man mitten unter den unzähligen Kirschbäumen steht, dann hört man die Bienen summen!

In der Brda ist das einfach: Die hügelige Landschaft zwischen Alpen und Mittelmeer, unweit des Soča-Tals, erstreckt sich über 72 Quadratkilometer und ist eine so naturbelassene Region, wie man sie selten findet. Gekennzeichnet durch eine turbulente Geschichte – einst war das Gebiet Teil Österreichs, nach dem Ersten Weltkrieg fiel es Italien zu, später gehörte es zu Jugoslawien –, verläuft heute noch eine Staatsgrenze zwischen Obst- und Weingärten: die slowenische Seite heißt Brda, die italienische Collio.

Dass man sogar beim Spazierengehen und Wandern – es gibt acht gekennzeichnete Wege, die nach alten einheimischen Kirschsorten benannt sind – das Land wechselt, fällt nicht auf. Vielmehr fühlt sich ein Besuch in der Brda an wie ein Ausflug in ein eigenständiges Land: Die Bewohner sprechen eine Mischung aus Slowenisch und Italienisch, sogar deutsche Worte kommen vor. Und das mediterrane Lebensgefühl haben sie perfektioniert, obwohl man das Meer nur riechen, bei klarem Wetter hinter den letzten Hügeln erspähen kann

Vordergründig ist hier die Erde, nicht das Wasser: Die sogenannte Flysch-Erde besteht aus sich abwechselnden Schichten von Mergel und Sandstein, sie ist Ursprung aller lokalen Produkte. Den Olivenbäumen ist die Erde luftig genug, den Kirschbäumen liefert sie zahlreiche Nährstoffe. Und den aromatischen Wein verfeinert der teils 35 Millionen Jahre alte Mischboden mit wichtigen Mineralien – die Brda ist weltbekannt für die autochthone Rebsorte Rebola, die von beinahe allen Familien angebaut wird. Rund 400 von ihnen bringen ihre Ernte jeden Herbst zum Gemeinschaftsweinkeller „Klet Brda“, der den Bauern die Weiterverarbeitung der Trauben erleichtert: Man hilft zusammen.

Von der Gemeinschaft profitieren nicht nur die Menschen der Brda: Weil die Familien eng nebeneinander leben und sich die Gärten abwechseln, stehen neben alten Oliven junge Kirschbäume, neben duftenden Lavendelfeldern wachsen geordnet die Weinreben, zwischen ihnen blühen Gänseblümchen, Löwenzahn und andere Blumen – und mittendrin stehen immer wieder kleinere Wäldchen. Sie bergen Pilze, Kräuter und wildes Gemüse: Aus frisch gesammeltem echtem Hopfen, den ungiftigen Trieben der Mäusedorne, der kletternden Schmerwurz, den Blüten des blau leuchtenden Lungenkrautes, jungem Taubenkropf-Leimkraut und wildem Spargel wissen die Großmütter, Hausfrauen und Köchinnen der Brda manche Köstlichkeit zuzubereiten

Diese natürliche Abwechslung der bewirtschafteten Hügel gefällt nicht nur dem Magen, auch dem Auge, das über die Landschaft streift. Und den Millionen von kleinen und größeren Tieren, den Bestäubern, freilich auch den Pflanzen selbst. Die Brda ist ein wahrer Ort der Ruhe und Kraft, eine Quelle der Inspiration – für neue Ideen und den wortwörtlich frischen Wind, der den Duft des nahen Meeres mit sich bringt.

Diese Einflüsse von außen wirkten auch auf Nobelpreisträger Peter Handke eindrucksvoll, wie er in „Europa Erlesen Collio/Brda“ (Wieser Verlag) treffend beschreibt: „Ich bin mit meiner Schreibmaschine täglich hinaus, gepilgert zu einem winzigen Wäldchen inmitten der Weinfelder.“ Auch an diesem Ort ist in den 1980er-Jahren sein Theaterstück „Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land“ entstanden.

Sonor, also klangvoll, ist die Brda tatsächlich: Das fängt bei den Bienen in den Kirschbäumen an, geht weiter mit dem Plätschern des Wassers unter der Natursteinbrücke Krčnik und hört beim „cin cin“ der anstoßenden Weingläser noch lange nicht auf. Auch das weiß Handke: „Zum Hain pilgere ich heute noch gerneund den Wein der Gegend kann ich, in Maßen, empfehlen.“

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