15.12.2021 07:29 |

OÖC-Boss im Interview

Karl Stoss: „Halte nichts von Olympia-Boykott“

Als Chef des Österreichischen Olympischen Komitees (OÖC) führt Karl Stoss die rot-weiß-roten Wintersport-Helden Richtung Peking. Es ist aufgrund von Corona eine logistisch und auch finanziell gigantische Mission geworden. Und noch dazu angesichts der politischen Begleiterscheinungen rund um China eine höchst heikle. „Klar ist, dass Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Gleichbehandlung essenziell wichtig sind! Aber von einem Olympia-Boykott halte ich persönlich nichts“, sagt Stoss.

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„Krone: Nur noch sieben Wochen bis zur Eröffnung, mit welchen Gefühlen blicken Sie Peking 2022 entgegen?
Karl Stoss: Mit großer Vorfreude, aber auch mit Anspannung. Olympische Winterspiele sind für Österreich etwas ganz Besonderes. Wir sind ein Wintersportland, haben es im Schnitt die letzten zehn Spiele immer in die Top Ten des Medaillenspiegels geschafft. Das erhoffe ich mir auch diesmal.

Es sind Ihre siebenten Spiele als ÖOC-Boss, sind es aufgrund der Umstände die herausforderndsten?
Ja, aus mehreren Gründen. Nach den Sommerspielen in Tokio sind es die zweiten Covid-Spiele. Auflagen sind zu erfüllen, Impfen, Testen. Was aber besonders dazu kommt: das Thema Logistik! Inklusive Sportler, Trainer, Serviceleute müssen wir trotz dieser widrigen Bedingungen 450 Leute nach China bringen. Und das Thema Kosten ist explodiert. Zwei Beispiele. Der Transport des Rodel- und Bobmaterials kostete 2018 noch 38.000 Euro, diesmal sind es 250.000 Euro. Und ein Flugticket in der Economy Class wird - wenn man das ganze Übergepäck berücksichtigt - zwischen 3000 und 5000 Euro kosten. Das geht gewaltig ins Geld. Deshalb auch ein großes Danke an unsere Partner und die heimische Politik.

Apropos Politik: Was halten Sie von einem - zumindest diplomatischen - Boykott der China-Spiele?
Das ist Aufgabe und Verantwortung der Politik und der Diplomatie. Unsere Auffassung lautet: Wir reisen zu sportlichen Wettkämpfen. Gerade Olympische Spiele haben immer gezeigt, dass sie ein freundschaftliches Miteinander sind. Da sitzen Araber, Israeli, Asiaten, Europäer im olympischen Dorf an einem Tisch. Klar ist, dass Menschenrechte, Meinungsfreiheit und Gleichbehandlung essenziell wichtig sind! Aber von einem Olympia-Boykott halte ich persönlich nichts.

Thema Impfung: Kündigen sich in unserem Team „Problemfälle“ an?
Nein, alle unsere Spitzenathleten sind mehrfach geimpft. Ich kenne keinen normalen Menschen, der sagen würde: ,Hurra, ich werde geimpft!‘ Aber wenn wir die Pandemie in den Griff bekommen wollen, hilft eben nichts anderes.

Alexander Hofstetter
Alexander Hofstetter
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