Experten-Forderung

Hundezucht künftig nur noch mit Bewilligung?

In der aktuellen Diskussion über ein verschärftes Vorgehen gegen Qualzucht melden sich nun Experten zu Wort: Ein umfassendes Gutachten zeigt, welche konkreten Anforderungen der Gesetzgeber an die Hundezucht stellen sollte, damit das geltende Qualzuchtverbot endlich konsequent in die Praxis umgesetzt werden kann. Die Empfehlungen reichen von einem verpflichtenden Sachkundenachweis und einer Bewilligungspflicht für Züchter bis hin zu Zuchtverboten für einzelne Rassen.

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Erst im Oktober hatten die Tierschutzlandesräte der neun Bundesländer mit Tierschutzminister Wolfgang Mückstein über Konkretisierungen des Qualzuchtverbots diskutiert. Das Ministerium wurde aufgefordert, „aktiv an Maßnahmen für einen einheitlichen Vollzug des Qualzuchtverbotes mitzuwirken und neue Leitlinien zu einem bundesweiten einheitlichen Vollzug zu erstellen“.

Fakten

  • Qualzucht bedeutet, dass Tiere vermehrt werden, deren Rassemerkmale so ausgeprägt sind, dass dies gesundheitliche Folgen hat
  • Es gibt zwar ein Qualzucht-Verbot im österreichischen Tierschutzgesetz. Die genauen Vorgaben, ab wann eine Nase zu platt, Hautfalten zu tief oder Beine zu krumm sind, fehlen jedoch.
  • Von Seiten der Bundesländer wurde begrüßt, dass ein „Zertifizierungssystem für Zuchttiere“ (eine „Plakette“) etabliert wird

Gutachten liefert konkrete Vorschläge
Das nun von der Tierschutzrechts-Expertin Regina Binder und den Veterinärmedizinern Sonja Chvala-Mannsberger und Rudolf Winkelmayer verfasste Gutachten liefert konkrete Vorschläge, mit denen „eine übersichtliche und vollziehbare Rechtslage“ geschaffen sowie „ein generelles Umdenken sämtlicher an der Hundezucht beteiligten Akteure“ eingeleitet werden soll. Dies wäre ein konkreter erster Schritt, der auch zu Fortschritten bei der Qualzucht-Problematik anderer betroffener Heim- und Nutztierrassen beitragen kann.

Zu Lasten von Tier und Konsumenten
Die Wiener Tierschutzombudsfrau Eva Persy, die das Gutachten in Auftrag gegeben hatte, erwartet, dass die Bestimmungen in Bezug auf Qualzucht im Bundestierschutzgesetz ehestmöglich präzisiert und verschärft werden. „Leider ist der Trend zu Hunderassen, die aufgrund ihrer Optik unter schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden, ungebrochen. Jeder Wurf, bei dem davon auszugehen ist, dass die Tiere von Schmerzen, Leiden und Schäden betroffen sind, ist einer zu viel!“

Die derzeitige Unsicherheit bei Auslegung und Vollzug des Qualzuchtverbots gehe vor allem zu Lasten der betroffenen Tiere, aber auch der Konsumenten, die in gutem Glauben bei inländischen Züchtern um viel Geld einen Rassehund kaufen - und möglicherweise ein krankes Tier bekommen. Alleine in Wien hat sich die Anzahl der angemeldeten Französischen Bulldoggen, einer wegen ihres verkürzten Kopfes unter schweren gesundheitlichen Problemen leidenden Rasse, seit 2012 verdreifacht.

Wie das Gutachten zeigt, sind auch „neue“ gesundheitsgefährdete Rassen im Entstehen: Sollten die Zuchtziele nicht angepasst werden, könnte etwa der Schädel des Berner Sennenhundes in rund 50 Jahren so verkürzt sein, dass er ebenfalls als „Qualzucht“ gilt. „Das zeigt, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln“, betont Persy.

Thema Qualzucht am "Tier&Recht-Tag"
Zwei Autoren des Gutachtens, Regina Binder und Rudolf Winkelmayer, gehören übrigens zu den Vortragenden am “Tier&Recht-Tag“, der juristischen Fachtagung der Tierschutzombudsstelle Wien, die sich am Donnerstag, 2. Dezember, dem Thema Qualzucht widmet. Unter dem Titel „Vererbtes Leid - Wege aus der Qualzucht“ erläutern Experten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz den Status quo und rechtliche Möglichkeiten. Die Teilnahme an der Online-Veranstaltung ist kostenlos. Programm und Anmeldung finden Sie hier.

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Täglich erreichen uns Anrufe von besorgten Hundehaltern!

Maggie Entenfellner, "Krone"-Tierexpertin

Entenfellner: „Wir unterstützen keine Qualzucht!“
„Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner kennt die Thematik von einer anderen Seite: „Täglich erreichen uns mehrere Anfragen von Tierbesitzern, die angesichts der hohen Tierarztkosten für Gaumensegel-, Nasen- oder Hüftoperationen verzweifelt sind. Wir arbeiten mit Spendengeldern und das seit Jahren am Limit, weil der Mensch ständig kranke Hunde hervorbringt. Das kann eigentlich nicht sein!“ Um auch die Tierhalter in die Pflicht zu nehmen, werden schon länger keine Kosten nach Fensterstürzen von Katzen oder Welpenmafia-Käufen von Hunden mehr übernommen. „Das können und dürfen wir nicht. Und wir handhaben das bei Problemen, die nachweislich durch Qualzucht entstehen, ebenso.“

 Tierecke
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