23.10.2021 17:55 |

Wanderrouten

Eine „kaiserliche“ Wanderung durch das Klostertal

„Krone Vorarlberg“-Autori Rubina Bergauer war wieder unterwegs. Dieses mal im Klostertal: In Klösterle führt ein aussichtsreicher Themenweg entlang der alten Bahnstrecke. Dabei lässt sich viel Geschichtliches erfahren und die wilde Wäldletobelschlucht erkunden.

Wer heutzutage nach Innsbruck reisen möchte, kann dies problemlos per Bahn tun: Man steigt an einem der größeren Bahnhöfe des Landes in den Zug und dieser fährt in knapp zwei Stunden über den Arlbergpass bis in die Tiroler Landeshauptstadt. Die Errichtung der Arlbergbahn, die 1880 begann, war eine bauliche Meisterleistung, deren Planung Jahre in Anspruch nahm. Auf der gesamten Strecke waren während zu Hochzeiten über 15.000 Mann im Einsatz, ein Arbeiter verdiente damals rund 1,70 Gulden am Tag (für einen Gulden bekam man rund zwei Kilo Brot).

Ein Arbeitstag dauerte mindestens zwölf Stunden. Allein in der Gemeinde Klösterle im Klostertal hatten sich über 6000 Gastarbeiter, teilweise mit ihren Familien, niedergelassen. Die meisten davon waren italienischer Herkunft und stammten aus dem Trentin, Familiennamen wie Battisti oder Nikolussi sind noch heute in den entsprechenden Gebieten in Vorarlberg und Tirol verbreitet. Die Eröffnungsfahrt der Bahn erfolgte schließlich im September 1884.

Wer auf historischen Pfaden wandern möchte, kann dies entlang der alten Bahntrasse in Klösterle tun. Direkt beim Tourismusbüro folgt man zunächst ein Stück der Hauptstraße talauswärts. Dann zweigt der Pfad rechts über eine Wiese ab und führt hinauf zum Ortsteil „Gisel“. Oder aber man folgt der Hauptstraße bis zum Wirtshaus Engel und marschiert vor der Brücke links die Gasse hoch, danach folgt man dem markierten Wanderweg. Beide Varianten sind möglich, um auf die alte Bahntrasse zu kommen.

Fakten

Tipps & Infos
Typ: ausgedehnte Spazierrunde
Dauer: cirka 1,5 Stunden (je nach Route, siehe Wegweiser)
Ausgangspunkt: Tourismusbüro Klösterle
Ausrüstung: Schuhe mit guter Profilsohle, dem Wetter angepasste Kleidung, eventuell Getränk
öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 90 ab dem Bludenzer Bahnhof
Einkehrmöglichkeit: u.a. Wirtshaus-Restaurant Engel, Albrecht‘s Brotwerkstatt

Heute ersetzt der über 2400 Meter lange Blisadonatunnel die bei der Fertigstellung oberirdisch geführte und später mit zwei Tunneln teilweise unterirdisch verlegte alte Bahnstrecke zwischen Langen am Arlberg und Klösterle. Dieser Abschnitt musste bereits ab 1893 verlegt beziehungsweise untertunnelt werden, nachdem ein massiver Bergsturz die offene Strecke stellenweise bis zu sechs Meter hoch verschüttet hatte. Der aufgelassene Streckenteil ist nahezu auf seiner Gesamtlänge begehbar und stellenweise sogar asphaltiert. Bei einem ausgedehnten Herbstspaziergang kann man der Geschichte entlang dieser Route nachspüren. Dabei werden auch die ehemalige Haltestelle Klösterle, das alte Bahnwärterhäuschen sowie die Wäldletobelbrücke passiert.

Anhand von Schautafeln lässt sich viel Wissenswertes über die Stationen entlang des Weges erfahren: So stattete beispielsweise Kaiser Franz Josef I. im Rahmen der Eröffnungsfeierlichkeiten der Arlbergbahn der Gemeinde Klösterle einen Besuch ab. Bei dieser Gelegenheit nahm er auch das Wälditobel-Viadukt persönlich in Augenschein. Der halbkreisförmige Brückenbau überspannt eine 114 Meter breite und 56 Meter tiefe Schlucht und wurde mit heimischen Bruchstein-Mauerwerk errichtet. Die steinernen Stufen, die das Staatsoberhaupt damals erklommen hat, sind teilweise heute noch begehbar und als Franz-Josef-Stiege bekannt. Dort, direkt unter dem Bogen des Viadukts, bietet sich ein schöner Ausblick hinunter auf die Ortschaft Klösterle über der sich der wuchtige Burtschakopf (2244 Meter) erhebt. Diesen Ausblick soll auch der Kaiser bewundert haben.

Fakten

Wiesensalbei
Der Wiesensalbei gehört zur Familie der Lippenblütler und wird bis zu 60 cm groß. Die Pflanze bevorzugt kalkhaltige, nährstoffreiche Böden in trockener, sonniger Lage. Sie ist in weiten Teilen Europas bis auf 1600 Meter Seehöhe verbreitet, ihre ursprüngliche Heimat liegt im Mittelmeergebiet. Der Wiesensalbei hat lange, breite Blätter mit einer runzligen Oberfläche, die aufrechten Stängel sind mit zahlreichen blauen Blüten besetzt. Die Bestäubung erfolgt hauptsächlich durch die Hummel im typischen Salbei -Mechanismus: das Insekt steckt seinen Rüssel durch eine Öse in die Blüte, dabei löst sie den Hebelmechanismus aus, wobei der Blütenstaub am haarigen Körper der Hummel abgestreift wird. Der Pollen wird auf diese Weise zur nächsten Blüte weitergetragen. Die Blütezeit reicht von Mai bis August, bei günstigen Bedingungen auch bis in den Herbst hinein. Eine Salbeipflanze kann mehrere Jahre alt werden.

Von der Brücke empfiehlt sich ein Abstecher in die Wäldletobelschlucht, welche ein Teil des Lechquellgebirges ist. Über einen gut gewarteten Holzsteg geht es durch das steile Tobel bis man vor einer senkrechten Felswand steht. Hier stürzen die Wassermassen, die rund 1000 Meter höher im Blisadonagebiet entspringen, talwärts. Anhand einer Infotafel ist zu erfahren, dass auf diese Weise jährlich rund 3,15 Milliarden Liter Wasser das Bachbett hinabfließen. Eine schier unvorstellbare Zahl.

Die sonnigen Südhänge des Klostertals sind geprägt von tiefen Schluchten, schroffen Felsen, Lawinenschneisen sowie steilen Bergwäldern. In diesem Europaschutzgebiet gedeiht eine vielfältige Vegetation, die unter anderem artenreiche Blumenwiesen, Ahorn- und Lindenmischwälder sowie seltene Orchideen mit einschließt. Von diesen Lebensbedingungen profitieren rund 70 verschiedene Vogelarten, ganz besonders Eulen und Spechte, deren Lebensraum anderswo zunehmend knapper wird. Dem Wanderer bieten die Wälder zu dieser Jahreszeit zudem ein herrliches Farbenspiel, wenn die Blätter der Bäume in Gold-, Rot-, und Brauntönen leuchten.

Der Weg entlang der alten Eisenbahnstrecke ist nicht beschwerlich und so hat man genug Muße die verschiedenen Eindrücke auf sich wirken zu lassen. Retour geht es entweder denselben Weg oder aber man wandert weiter taleinwärts bis zur Parzelle „Hof“ und von dort zurück ins Ortszentrum von Klösterle. Wer die Wegweiser beachtet, findet verschiedene Möglichkeiten die Runde entsprechend auszuweiten oder abzukürzen.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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