16.03.2011 13:38 |

Wut, Frust und Leere

Schweinsteiger geht nach CL-Aus auf Materazzi los

Einige Bayern-Profis lagen nach dem 2:3 gegen Inter Mailand niedergeschlagen auf dem Rasen, andere stapften frustriert in die Kabine - aber Bastian Schweinsteiger war hellwach und ging auf Marco Materazzi los. "Jetzt kann ich Zidane verstehen", erklärte der deutsche Mittelfeldspieler nach dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League, warum er so besonders erbost gewesen war.

"Der hat mich schon vor dem Spiel im Kabinengang provoziert und nach dem Spiel nochmals", berichtete Schweinsteiger im Sky-TV-Studio. Erst mit vereinten Kräften von Leuten aus beiden Lagern war er von einem Angriff auf den italienischen Weltmeister von 2006 abgehalten worden (siehe Bild oben).

Materazzi, der WM-Bösewicht des "Sommermärchens", hatte vor fünf Jahren den Franzosen Zinedine Zidane im Finale von Berlin so lange provoziert, bis dieser die Nerven verlor und nach einem Kopfstoß gegen den Italiener die Rote Karte sah. Nach dem Erfolg in der Allianz-Arena tanzte Tattoo-Mann Materazzi, der bei Inter nur noch Reservist ist, ausgelassen auf dem Platz herum. Irgendwas - bestimmt nicht Nettes - rief er dann in Richtung Schweinsteiger, der prompt die Beherrschung verlor. Welche Worte ihm der Italiener entgegengeschleudert hatte, verriet der Bayern-Profi nicht.

"Ein brutaler Stich ins bayrische Herz"
Die Niederlage gegen Inter traf Bayern natürlich hart, Vorstandchef Karl-Heinz Rummenigge fasste es so zusammen: "Was da am Ende passiert ist, war ein brutaler Stich ins bayrische Herz!" Ein Jahr nach dem verlorenen Madrider Finale (0:2) gegen die Italiener und wenige Wochen nach dem doppelten Aus auf nationaler Ebene (Liga und Cup) stehen die Bayern nun schon zum fünften Mal seit 2002 ohne Titel da. Wut, Frust, Leere - nach dem bitteren Ende herrschte an der Isar fassungsloses Entsetzen über die eigene Dummheit. "Das ist eine schwer verdauliche Niederlage. Jetzt müssen wir in der Bundesliga retten, was noch zu retten ist. Den dritten Platz zu erreichen, wird nicht leicht", meinte Rummenigge.

Der Ex-Teamspieler bekräftige, dass Louis van Gaal wie vereinbart bis Saisonende im Amt bleibt und die Qualifikation für die nächste Champions League schaffen soll. Auch der Trainer dachte nach dem Schlusspfiff nicht an Aufgabe. "Ich werde versuchen, die Mannschaft aus dem Loch zu holen", sagte der Niederländer. Seine Spieler hätten den Aufstieg deshalb verspielt, weil sie zu viel gewollt hätten. "Wir hätten das Spiel früher entscheiden müssen, aber wie schon so oft haben wir den Sieg vergeben."

Gegenseitige Schuldzuweisungen bei den Bayern
Der Ärger entlud sich auch in gegenseitigen Schuldzuweisungen. "Alle sind enttäuscht, alle sind sauer, alle sind böse", erzählte Arjen Robben. Er empfand das Scheitern als "unglaublich" und fand dafür "keine Worte". "In der ersten Hälfte hätten wir 4:1 führen müssen, aber unser Defensive ist momentan für höhere Aufgaben nicht geeignet", befand der Flügelflitzer. Für Schweinsteiger war es "unfassbar", ausgeschieden zu sein. "Wir haben taktisch nicht gut gespielt, waren nicht kompakt genug", resümierte er.

Nach Meinung des DFB-Teamkickers lag es an fehlender Balance zwischen Abwehr und Angriff. Der K.-o.-Schlag passe irgendwie in die Saison, gab Schweinsteiger zu. Als Sündebock musste am Ende Innenverteidiger Breno herhalten, der mit seinem amateurhaften Verhalten Goran Pandev in der 88. Minute den Siegestreffer des Titelverteidigers, des einzigen noch im Europacup-Rennen befindlichen italienischen Vertreters, ermöglich hatte.

Inters Pandev jubelt über "wichtigstes Tor" der Karriere
"Das war das wichtigste Tor meiner Karriere", gestand der 27-jährige Mazedonier, dessen Trainer Leonardo den Patzer von Torhüter Julio Cesar vor dem 1:1 schnell vergessen hatte und mit Freudentränen im Gesicht von einer "historischen Nacht" und einem "Treffer für die Madonna" sprach. Neben Pandev lobten Italiens Zeitungen auch Samuel Eto'o, der das 1:0 mit seinem achten CL-Streich (40 Saisonspiele, 32 Tore) selbst erzielt und die zwei anderen Treffer vorbereitet hatte.

"Wie im Märchen", schrieb der "Corriere dello Sport", "Mamma, was für ein Inter! Du bis einzigartig", gratulierte die "Gazzetta dello Sport", "Tuttosport" führte an: "Champions geben eben nie auf" und und "La Repubblica" stellte fest: "Das war Leonardos erstes Finale." Erst im Dezember hatte der Brasilianer von Rafael Benitez das Traineramt übernommen. Jetzt sind die Nerazzurri wieder obenauf. "Inter ist zu Großem imstande", behauptete Mittelfeldmann Esteban Cambiasso europhisch.

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