30.05.2021 09:50 |

Verheerende Unfälle

Altschneefelder - die unterschätzte Gefahr am Berg

Ein Toter und ein Schwerverletzter: Abstürze forderten am Freitag einen hohen Blutzoll in den Tiroler Bergen. Laut Experten stellen Altschneefelder im Frühjahr, wie sie den Verunglückten zum Verhängnis wurden, eine unterschätzte Gefahr dar. Sie wird die Wanderer in dieser Sommersaison noch bis in den Juli hinein begleiten.

Grenzen, viele Hütten und Almen offen, Menschen, die nach dem Lockdown in Scharen in die Natur strömen, und dazu noch besonders viel Altschnee im Gebirge: Diese aktuelle Kombination ist sehr unfallträchtig. Der Freitag schon lieferte den ersten Beweis dafür.

Querungen von Schneefeldern in steilen Hängen oder von mit Schnee gefüllten Rinnen bergen ein enormes Risikopotenzial in sich. „Besonders in den Morgen- bzw. frühen Vormittagsstunden können solche Stellen noch gefroren und damit besonders gefährlich sein“, erklärt Hermann Spiegl, Landesleiter der Tiroler Bergrettung. Grundsätzlich müsse man versuchen, vorhandene Tritte auszunützen.

Auch auf die richtige Schuhwahl komme es an. „Einfache Wanderschuhe sind sehr gefährlich“, warnt der Experte inständig.

Wer auf einem gefrorenen Schneefeld ausrutscht, rast regelrecht abwärts. „Ab einer Neigung von 50 Grad ist der Sturz vergleichbar mit dem freien Fall“, vergleicht Spiegl. Oft endet ein Schneefeld im Geröll und ein Ausrutscher mit fürchterlichen Verletzungen.

Gefahrensituation wird noch lange andauern
„Dieses brisante Thema wird uns wegen der Schneelage zu Beginn dieser Saison noch außergewöhnlich lange beschäftigen“, betont Bergsportexperte Michael Larcher vom Österreichischen Alpenverein. Er setzt unter anderem auf die richtige Ausrüstung im Kampf gegen verhängnisvolle Ausrutscher. „Snowspikes“, eine Art Schneeketten für Schuhe, heißt laut Larcher das geeignete Mittel der Wahl.

„Diese lassen sich ganz einfach über jeden Turnschuh ziehen, haben wenig Gewicht und sollten daher um diese Jahreszeit immer im Rucksack drinnen sein.“ Der Sportartikelhandel bietet solche „Ketten“ an. „Auch auf gefrorener Erde geben sie ausgezeichneten Halt.“ Larcher rät außerdem zur Verwendung von Wanderstöcken für das Gleichgewicht und zum Tragen von Handschuhen.

Auf den Bauch drehen und sofort mit den Händen bremsen, stellt laut Bergretter Spiegl die richtige Reaktion bei einem Ausrutscher dar. „Freilich“, schränkt er ein, „da ist schon sehr viel Theorie mit dabei.“

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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