12.05.2021 12:00 |

krone.at-Kolumne

Warum will die EU das Bargeld beschränken?

Es ist schon irgendwie absurd, dass sich die EU-Kommission ausgerechnet jetzt Gedanken zur Bargeldbeschränkung macht. Der Vorschlag kommt inmitten einer Pandemie zur Unzeit. Aber nicht nur das: Er ist auch im Kern völlig abgehoben.

Die Pläne der Kommission sind ja nicht ganz neu. Reichlich unsensibel ist es dennoch, dass sie ausgerechnet jetzt wieder aufs Tapet kommen. In Zeiten, in denen Unsicherheiten, Zukunftsängste und ein Negativzinssatz um sich greifen, ist die Diskussion der Union, Bargeldzahlungen von mehr als 10.000 Euro verbieten zu wollen, schon ein wenig deplatziert. Etwas mehr G’spür für den richtigen Zeitpunkt hätte nicht geschadet.

Generalverdacht gegenüber Bargeld
Immerhin schwingt mit dieser Diskussion stets ein leichter Generalverdacht gegenüber Bargeld mit. Dass die Finanzmarktkommissarin Mairead McGuinness den Vorstoß zur Beschränkung damit begründet, dass „die meisten Menschen“ das ohnehin „nicht machen“, erhärtet nur den Argwohn der pauschalen Kriminalisierung. Es suggeriert: Wer über 10.000 Euro in bar bei sich hat, ist nicht ganz koscher. Und das ist nicht richtig.

Sicherheit und Unabhängigkeit - das soll uns genommen werden?
Denn die Gründe, warum sich Bargeld gerade in Österreich besonderer Beliebtheit erfreut, sind divers. Ob es nun schlicht das Gefühl von Sicherheit, Unabhängigkeit oder auch die mögliche Anonymität ist - all diese Überlegungen sind noch lange nicht schmuddelig und schon gar nicht kriminell. Und überhaupt: Großganoven mit Sporttaschen voller Geld lassen sich wohl auch von einer lieben Beschränkung nicht beeindrucken. Sie finden in Zeiten von Kryptowährungen bequemere Wege für ihre Geschäfte.

Commerzialbank-Skandal: Das schürt kein Vertrauen!
Auch die Vorkommnisse rund um die Bank Mattersburg sind nur ein Beispiel, warum die Erzählung, dass das Geld auf der Bank sicher ist, nicht auf uneingeschränktes Vertrauen in der Bevölkerung stößt. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um hier skeptisch zu werden. Wenn Beispiele wie diese jemanden dazu veranlassen, sein Geld lieber unter dem Kopfkissen zu bunkern, ist das vielleicht beim Schlafen unbequem. Aber völlig legitim.

Worum sich die Kommission wirklich kümmern sollte
Unterm Strich hat die Diskussion um die kleinen Sparer etwas Abgehobenes - sie sind nicht das Hauptproblem. Wenn die Kommission tatsächlich etwas gegen unkontrollierte Geldflüsse tun möchte, sollte sie sich vielmehr um die großen Fische kümmern. Dass Großkonzerne mitten in Europa mit geschickten Tricks und völlig legalen Steueroasen weniger Abgaben zahlen als jeder Kleinunternehmer, ist beschämend. Hier lohnt es sich viel mehr, hinzusehen. Wenn man denn nur wollen würde.

Katia Wagner
Katia Wagner
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