26.04.2021 10:37 |

„Besorgniserregend“

Deepfake: Falscher Nawalny-Stabschef narrt Politik

Dass von künstlich generierten Bildern eine ganz reale Gefahr ausgehen kann, zeigt ein aktueller Fall aus den Niederlanden. Dort wähnten sich mehrere Abgeordnete in einer Videokonferenz mit dem Stabschef des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny, Leonid Wolkow. Tatsächlich erwies sich dieser jedoch als Deepfake, also als eine mittels künstlicher Intelligenz erzeugte Fälschung. Experten sprechen von einem „besorgniserregenden“ Schritt.

Wie unter anderem die „NL Times“ und „deVolkskrant“ berichten, waren mehrere Mitglieder des ständigen parlamentarischen Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten in den Niederlanden am vergangenen Mittwoch der Einladung des mutmaßlichen Wolkow zu einem Video-Gespräch mit „privatem Charakter“ gefolgt. Am Freitagabend dann die offizielle Erklärung: „Das Komitee hat nun die Bestätigung erhalten, dass das Gespräch nicht mit Wolkow selbst geführt wurde, sondern mit jemandem, der sich als er ausgibt“, zitierte „deVolkskrant“ aus einer Mitteilung des Ausschusses, der sich über die Täuschung „empört“ zeigte. Man werde prüfen, wie solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden können, hieß es.

Dem Tech-Experten Jarno Duursma zufolge dürfte das allerdings schwer werden: „Wir alle wussten, dass dies eines Tages passieren würde, und jetzt stellen wir fest, dass wir mittendrin sind. Dies wurde sehr überzeugend getan.“ Duursma vermutet hinter der Täuschung das Werk von Experten: „Das muss lange gedauert haben. Vielleicht von staatlichen Akteuren.“ Man könne daher in einer „Welt der Videokonferenzen“ nicht länger davon ausgehen, „dass die Person in einer Besprechung auch die Person ist, die sie vorgibt zu sein.“

Weitere Politiker genarrt
Das hatte bereits im März auch der lettische Parlamentarier Rihard Kols erfahren müssen. Auch er glaubte, mit Wokow ein Videogespräch über die Annexion der Krim und russische politische Gefangenschaft zu führen. Erst Wochen später stellte der Politiker fest, dass er Opfer einer Täuschung geworden war, nachdem er von ukrainischen Kollegen von einem „offen provokativen“ Videotreffen mit einem falschen Wolkow gehört hatte. Gesprächsangebote mit dem vermeintlichen Stabschef Nawalnys soll es demnach auch an Politiker in Estland, Litauen und Großbritannien gegeben haben.

Brite vermutet Kreml hinter Deepfakes 
Tom Tugenhat, Vorsitzender der britischen Kommission für auswärtige Angelegenheiten, glaubt die Urheber zu kennen: „Putins Kreml hat solche Angst vor Nawalny, dass sie jetzt gefälschte Treffen organisieren, um das Nawalny-Team zu diskreditieren“, twitterte er kürzlich. Kols wiederum spricht von einer „schmerzhaften Lektion“. Aber er schreibt auch: „Vielleicht sollten wir diesem falschen Wolkow für diese Lektion danken.“

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