15.04.2021 07:31 |

Gesetze „zu lasch“

Nur wenige Verurteilungen nach „Hacker-Paragraf“

Kreditkartenbetrug, Phishing, gefälschte Honorarnoten: Cyberkriminalität hat sich längst den Weg von den Leinwänden Hollywoods ins reale Leben gebahnt. Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der online verübten Delikte in die Höhe geschnellt. „Zu Verurteilungen kommt es aber selten“, moniert Thomas Hrdinka. Der Cyberforensiker analysiert digitale Beweise, die vor Gericht zu Frei- oder Schuldsprüchen führen und fordert Nachbesserungen bei Gesetzen und Rechtsprechung.

„In rund 300 Verfahren kommt es im Schnitt lediglich zu einer einzigen Verurteilung“, so Hrdinka am Mittwoch bei einem Pressegespräch der Bundeskammer der Ziviltechnikerinnen. Grund dafür sei der lasche Paragraf 118a des Strafgesetzbuches, der eine „Überwindung einer speziellen Sicherheitseinrichtung“ für einen Schuldspruch voraussetzt. „Wenn der Täter aber zum Beispiel das Passwort kennt, oder eine im System an sich vorhandene Schwachstelle ausnützt, dann ist der Tatbestand nicht gegeben“. Der Täter könnte dann straffrei ausgehen.

Eine Lösung für eine effizientere rechtliche Handhabe könnte laut Sicherheitsexperten das Kombinieren mehrerer Tatbestände sein - „wenn der Täter zum Beispiel einschlägige Hackersoftware besitzt und Teil einer kriminellen Organisation ist“. Es müsse jedenfalls möglichst bald nachgebessert werden, drängte Hrdinka, denn für das Jahr 2021 schätzte das Weltwirtschaftsforum den durch Cyberkriminalität global verursachten Schaden auf sechs Billionen US-Dollar.

Die rasanten Entwicklungen im digitalen Bereich machen es aber nicht nur der Legislative schwer Schritt zu halten, sondern auch den Spezialisten, die sich täglich mit dem Thema Cyberkriminalität auseinandersetzen. „Die Zeit des simplen Analysierens von lokalen Datenträgern ist vorbei“, sagte Hrdinka. Er sieht nun auch die EU gefordert, eine einheitliche Gesetzgebung nach Vorbild der USA zu erlassen.

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