13.04.2021 18:00 |

Brenner-Archiv Online

Georg Trakl: Leben und Werk als Allgemeingut

Das Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck beherbergt einen bedeutenden Bestand an Dokumenten des Dichters Georg Trakl. Nun wurde dieser Schatz aus dem Archiv gehoben und online frei zugänglich gemacht. In virtuellen Führungen werden zudem das Werk und Leben des Dichters näher gebracht.

In seinen Erinnerungen schrieb der Verleger Ludwig von Ficker über die Abreise seines Freundes Georg Trakl am 24. August 1914 an die Front nach Galizien: „Es war eine zauberhaft erhellte, traumhaft stille Mondmitternacht Ende August, als auf dem Hauptbahnhof von Innsbruck, Trakl, eine rote und bei jedem Abschiedsnicken fast gespenstisch mitnickende Nelke auf der Mütze, den Viehwaggon bestieg, der ihn, den Lebenden und in dieser Stunde Heiteren, für immer entführte.“

Ludwig von Ficker, der große Förderer und Wegbegleiter des 1887 in gutbürgerlichen Verhältnissen in Salzburg geborenen Lyrikers Georg Trakl, konnte in dieser romantisch anmutenden Sommernacht nicht ahnen, dass er seinen Freund zum letzten Mal lebend sah. Am 3. November des Jahres 1914 fand man den Militärmedikamentenakzessist (k. u. k. Militärbeamter im Leutnantsrang) Georg Trakl in seiner Unterkunft im Garnisonspital Krakau tot auf. Offiziell lautete die Todesursache „Herzlähmung“, laut Obduktion verstarb er jedoch an einer Kokainvergiftung. Bis zum heutigen Tag ist unklar, ob der seelisch schwer erkrankte Dichter Suizid begangen hatte.

Nachlass des Lyrikers wurde digitalisiert
Trakl wurde zunächst auf dem Krakauer Friedhof Rakowicki begraben. Als einziger war sein Offiziersbursche Mathias Roth beim Begräbnis anwesend. 1925 ließ dann Ludwig von Ficker die sterblichen Überreste von Georg Trakl auf den Mühlauer Friedhof in Innsbruck zu ihrer ewigen Ruhe überführen. Fakt ist, dass Trakl, die Ausnahme-Erscheinung des Expressionismus, mit seinen träumerisch-morbiden, immer an den Herbst gemahnenden Gedichten zu einer Leitfigur der literarischen Moderne geworden ist. Der Bestand von Georg Trakl im Brenner-Archiv ist Urgestein – er befindet sich im Nachlass von Trakls „Entdecker“ Ludwig von Ficker, dessen Redaktionsarchiv der Zeitschrift „Der Brenner“ den Grundstock des Brenner-Archivs an der Universität Innsbruck bildete. Die Trakl-Forschung aber ist lebendig: Im Forschungsinstitut Brenner-Archiv wurde von Eberhard Sauermann und Hermann Zwerschina die neue, viel beachtete, achtbändige historisch-kritische Ausgabe der Schriften und Briefe Trakls, die so genannte Innsbrucker Trakl-Ausgabe, vorgelegt. Ab nun können die umfassenden Trakl-Dokumente in der digitalen Bibliothek der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol zur Gänze kostenlos online abgerufen werden – Manuskripte, Briefe und Lebensdokumente wie zum Beispiel etliche Fotos. „Jeder Interessierte kann ohne Beschränkungen Georg Trakl aus der Nähe sehen“, freut sich Ulrike Tanzer, die Leiterin des Brenner-Archivs.

Zudem wurde eine dreiteilige Video-Serie gedreht, in der man spannende Einblicke in das Leben und Arbeiten Georg Trakls erhält.

Hubert Berger
Hubert Berger
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