11.04.2021 06:00 |

Series 7

100 Jahre Braun: Der Jubiläums-Rasierer im Test

krone.at-Redakteur Sebastian Räuchle feiert heuer sein 40-jähriges Bestehen, der Elektrorasierer seinen 90. und die deutsche Traditionsmarke Braun ihren 100. Geburtstag. Drei gute Gründe, um Brauns zum runden Jubiläum herausgebrachte Design-Edition des Series-7-Elektrorasierers genauer unter die Lupe zu nehmen und über eine haarige Angelegenheit zu sprechen: die männliche Rasur.

Wann genau ich meinen ersten Elektrorasierer geschenkt bekam, lässt sich nicht mehr eruieren. Ich weiß allerdings, dass er damals noch nicht dringend benötigt wurde. Und als sich der zarte Flaum im Gesicht schließlich in kratzigere „Borsten“ verwandelt hatte, riss der Rasierer diese mehr aus als das er sie präzise schnitt. Zurück blieb eine beleidigte und nicht gerade gründlich rasierte Haut. Ich wechselte daraufhin zur Nassrasur, die teils zwar auch ihre Spuren im Gesicht hinterließ, abgesehen davon jedoch wesentlich gründlichere Ergebnisse erzielte.

Die hohen Kosten für Ersatzklingen und der erhöhte Zeitbedarf (oder war es Bequemlichkeit?), trieben mich schließlich aber doch wieder zum Elektrorasierer - einem Philishave mit drei Scherköpfen, der über Jahre zuverlässig seine Dienste verrichte und selbst eine im Nachhinein nicht mehr ganz so cool wirkende Ziegenbart-Phase überdauerte. Auf ihn folgte dank Cosmos-Totalabverkauf im Jahr 2010 ein besseres Modell mit einzel gelagerten Scherköpfen, das noch dazu abwaschbar war und dadurch die Reinigung erleichterte.

Es würde noch bis heute rasieren, hätte ich mich nicht vor gut zwei Jahren entschlossen, das Rasieren weitgehend einzustellen und mir einen Vollbart wachsen zu lassen, um „endlich etwas gleichzuschauen“, wie Kollege Ronny, sonst eher wortkarg, kommentierte. Die Folge: Ein Bartschneider musste her. Ich entschied mich für ein Modell von Panasonic und habe die Wahl bislang nicht bereut. Ein Problem konnte allerdings auch er nicht lösen: Für wirklich „saubere Schnittflächen“, insbesondere am Hals, greife ich bis heute auf einen Nassrasierer zurück.

Anpassungsfähig
Nun habe ich anlässlich des 100-jährigen Firmenbestehens von Braun den Series 7 70 in der Design-Edition zum Testen erhalten und muss ernüchtert feststellen: Er hätte mir die vielen Einzelkäufe in der Vergangenheit ersparen können. Der einfache Grund: Der trocken wie nass verwendbare Rasierer ist dank austauschbarer „EasyClick“-Aufsätze überaus anpassungsfähig und damit für Bartträger ebenso geeignet wie für jene, die nur wenige bis gar keine Haare im Gesicht (oder sonstwo) haben wollen.

Davon profitiert nicht nur der Kunde, sondern wohl auch Braun: Mit Preisen von um die 20 Euro pro Set lässt sich der Hersteller die Aufsätze durchaus fürstlich entlohnen. Bedenkt man, dass diese laut Verpackung aus China stammen, überwiegend aus vergleichsweise günstigem Kunststoff gefertigt sind und auch auf Rasierer der Serien 5 und 6 passen, also in dementsprechend hohen Stückzahlen hergestellt werden können, dürfte die Gewinnmarge durchaus beträchtlich sein.

Zumal Braun beispielsweise die „Beard Trimmer“- und die „Body Groomer“-Aufsätze als zwei separate Sets anbietet, obwohl die Kammaufsätze untereinander kompatibel wären und daher problemlos auch als ein Set verkauft werden könnten.

Wenig Platz im Jubiläums-Täschchen
Zu Gute halten muss man dem Hersteller, dass wohl kaum ein Konsument wirklich jeden Aufsatz benötigt, sich die zusätzlichen Investitionen also in Grenzen halten. Vollbartträger brauchen schließlich keinen „Stubble Beard“-Trimmer und 3-Tage-Bartträger keinen „Beard Trimmer“. So ist dann auch zu verkraften, dass das spezielle Reise-Etui mit eingeprägter „100“, das Braun anlässlich des Firmenjubiläums seiner Design-Edition beilegt, längst nicht Platz für alle zum Testen mitgelieferten Aufsätze bietet. Insbesondere die Gesichtsreinigungsbürste („Cleansing Brush“), deren Sinnhaftigkeit sich mir zugegebenermaßen ohnehin nicht erschließt, erweist sich als sehr platzbedürftig.

Wichtiger als das Etui dürfte aus Konsumentensicht aber ohnehin sein, dass Braun allen Käufern der Design-Edition eine verlängerte Garantie von bis zu fünf Jahren gewährt. Davon abgesehen unterscheidet sich die Edition nur in Sachen Lieferumfang von den anderen Modellen der Serie. Neben dem Etui und einem Netzteil liegen ihr eine kleine Reinigungsbürste sowie ein „Präzisionstrimmer-Aufsatz“ für das Trimmen von Schnurrbart und Koteletten bei. Was dagegen durchaus fehlt, wäre ein kleiner Beutel, mit dem sich der Rasierer separat einpacken ließe. Der würde nämlich verhindern, dass sich die Haare großflächig im gesamten Etui verteilen.

Saubere Ergebnisse
Doch zur entscheidenden Frage: Wie rasiert es sich mit dem Braun Series 7? Antwort: sehr gut - zumindest im Vergleich zu meinen bisherigen Rasierern. Zwar bedarf es mitunter etwas Übung, die Aufsätze „einzuklicken“, ist das jedoch geglückt, leistet der Rasierer dank des flexiblen Scherkopfs beim Bartschneiden deutlich gründlichere Arbeit als mein Panasonic-Schneider mit „starrem“ Scherkopf. Dies gilt insbesondere für Bereiche, in denen sonst gerne längere Haare übrig bleiben, wie beim Übergang vom Hals zum Kinn und Wangenknochen.

Falsch aufstecken kann man die Aufsätze übrigens nicht. Sie sind beidseitig verwendbar und erlauben somit unterschiedlichste Handhaltungen. Was allerdings auffällt: Aufgrund des im Vergleichs zum Bartschneider kleineren Kammes bzw. Auffangkorbes beim Bart-Trimmer fliegen die Haare beim Series 7 verstärkt in alle Richtungen. Ein häufigeres Putzen des Bades ist die Folge, was allerdings auch von Vorteil sein kann.

Besonders angetan war ich vom „Stubble Beard“-Trimmer, der, ähnlich einer Ausdünnschere beim Friseur, die Stoppeln im Gesicht lichtet und, abhängig von der Kammstärke, für den Drei-Tage-oder-länger-Bart-Look sorgt. Einziger Kritikpunkt: Die kleinen Plastik-Kämme sitzen sehr locker und können sich daher entsprechend leicht lösen. Auch der „Body Groomer“, gedacht für Brusthaar und andere sensiblere oder gar intime Stellen, hält was er verspricht. Als passionierter Rennradfahrer habe ich ihn an den Beinen ausprobiert und dank des besonders „sensitiven“ Kammes keinerlei Verletzungen davongetragen.

Die ganz klassische Rasur mit dem Standard-Aufsatz wusste ebenfalls zu überzeugen. Der Braun Series 7 erwischt in meinem kritischen Bereich rund um den Adamsapfel deutlich mehr Haare, als dies mit dem Philishave und seinen drei individuell gelagerten Scherköpfen in der Vergangenheit der Fall war. Allerdings gilt auch hier: Wenn es wirklich gründlich sein soll, ist der Griff zum Nassrasierer unvermeidlich.

Nur ohne Kabel
Der kommt eventuell auch zum Einsatz, wenn man vergessen hat, den Braun rechtzeitig aufzuladen und es eilig hat. Denn anders als all meine bisherigen Rasierer lässt sich der Series 7 nicht per Netzteil betreiben - aus Sicherheitsgründen, wie der Hersteller in der Anleitung betont. Heißt: Ist der Akku leer, muss der Rasierer erst für zumindest fünf Minuten an die Steckdose. Solange braucht der Series 7 nämlich, um wieder genügend Saft für eine Rasur zu haben. Das tut nicht weh, nur sollte man sich entsprechend umstellen und den Series 7 entsprechend vorher laden. Voll geladen reicht der Akku dann für etwa 50 Minuten, was nach der Rechnung von Braun bei einer täglichen Rasur einer Laufzeit von zehn Tagen entspricht.

Abhängig ist die Laufleistung allerdings auch von der Bartdichte, passt sich der Motor an diese mittels sogenannter AutoSense-Technologie doch in seiner Leistung an. Das ist praktisch, sorgt mitunter aber dafür, dass der ohnehin schon nicht sehr leise Rasierer noch lauter tönt.

Fazit: Ob das Reise-Etui mit der „100“ darauf dem runden Geburtstag der Traditionsmarke Braun wirklich Rechnung trägt und Konsumenten zum Kauf der speziellen „Design Edition“ veranlasst, sei dahingestellt. Der Rasierer selbst wusste im Test jedoch zu überzeugen. Sieht man von der zusätzlichen Unordnung, die sie im Badezimmerschrank verursachen, einmal ab, erweisen sich die verschiedenen Aufsätze im Zusammenspiel mit dem flexiblen Scherkopf als gelungene Kombination, die gründliche Ergebnisse liefert und darüber hinaus gewährleistet, dass der Rasierer über Jahre „mitwachsen“ und sich ganz unterschiedlichen Bart-Moden bzw. -Anforderungen anpassen kann. Der derzeitige Preis von rund 220 Euro scheint dann allerdings doch etwas happig zu sein, gibt es Modellvarianten ohne Jubiläums-Etui und erweiterte Garantie, dafür zum Beispiel jedoch mit Reinigungsstation doch bis zu 70 Euro günstiger.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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