10.04.2021 05:00 |

Allergien im Vormarsch

Das wird ja immer reizender!

Zunehmend mehr Menschen reagieren allergisch: Jeder Dritte ist mittlerweile davon betroffen. Es gibt heutzutage jedoch Abhilfe. Zunächst muss aber der Auslöser gefunden werden.

Tatsächlich sind Heuschnupfen und Co. im Steigen begriffen. Warum ist das aber so? „Das hängt damit zusammen, dass Pflanzen durch Umweltverschmutzung und Ozon gestresst werden und mehr Pollen mit höherem Allergengehalt abgeben“, erklärt Dr. Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (ÖGAI) in der Fachzeitschrift „Ärzte Krone“. „Urbanisierung und moderner Lebensstil verstärken außerdem die pro-allergischen Gefahrensignale für das Immunsystem: Autoabgase, darin besonders jene von Diesel (,diesel exhaust particles‘), verbinden sich mit Pollen und machen sie aggressiver.“ Weitere Probleme: Industrielle, hochprozessierte Nahrung, übertriebene Hygiene und Antibiotika schädigen das Mikrobiom (Gesamtheit aller Mikroorganismen) im Darm. Das resultiert in einer gestörten Haut- und Schleimhautbarriere, was dazu führt, dass Allergene nicht mehr abgewehrt werden.

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Urbanisierung und moderner Lebensstil verstärken die pro-allergischen Gefahrensignale für das Immunsystem.

Dr. Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie

Ein Leben auf dem Bauernhof wäre positiv
Prof. Jensen-Jarolim: „Für das Mikrobiom wäre es von Vorteil, mit vielen unterschiedlichen Tieren zu leben, im Sinne des sogenannten Bauernhofschutzes. Stattdessen wohnen unsere Patienten in sauberen Wohnungen, meist mit nur einer Tierspezies zusammen. Es kommt zu hoher Allergenmenge vom ,Katzenkisterl‘ im Badezimmer bis hin zum Kopfpolster.“ Reaktionen bis hin zum allergischen Asthma drohen. Nicht alle Menschen reagieren naturgemäß gleich stark auf die Auslöser. Es kommt darauf an, wie viel Allergen auftrifft und wie sehr der Allergiker darauf anspricht. Manche haben mit kleinsten Mengen davon zu kämpfen und zeigen schwere Anzeichen. Meist kann Anstrengung die Symptome rascher hervorrufen. Das Phänomen ist beim ,Exercise-induced Asthma‘ bekannt. Hier verstärken sich Beschwerden bei Bewegung. „Denn bei physischer Aktivität wird die Schleimhaut besser durchblutet und durchlässiger. Auch die Aufnahme von Allergenen kann dann leichter erfolgen und somit auch die Reaktion stärker ausfallen“, erklärt Prof. Jensen-Jarolim. „Diesen Patienten hilft die App des Österreichischen Pollenwarndienstes, um Sport bei hohem Pollenflug und Umweltverschmutzung zu vermeiden.“

Wie zeigt sich eine Allergie zumeist?
Da die Pollen von windblühenden Pflanzen (Gräser oder Bäume) eingeatmet werden, zeigt sich zuerst die allergische Rhinitis, mit rinnender Nase und Niesreiz. Oft reagieren auch die Augen mit, weil dort ebenfalls Pollen auftreffen. Brillen und die derzeit obligatorischen FFP2-Masken schützen übrigens davor. Bestehen diese Symptome länger, verstopfen weiters Nasenneben- und Stirnhöhlen dauerhaft. Diese chronische allergische Entzündung fördert das Wachstum von Nasenpolypen. Die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit sinkt im Beruf, aber auch in der Schule. „Eigentlich erkennt man einen Betroffenen schon beim Betreten der Ordination: Die Sprache ist nasal, er hat ein fahles Aussehen und dunklere Augenringe. Tatsächlich zeigen Allergiker häufiger einen Eisenmangel, was wenig bekannt ist. Bei Allergenkontakt kommt es sogar zu einem Abfall der Erythrozyten (roten Blutkörperchen)“, erläutert Prof. Jensen-Jarolim.

Der ganze Körper ist in Mitleidenschaft gezogen
Für die Behandlung wichtig ist eine frühe Diagnose beim Facharzt. Dann kann man eine maßgeschneiderte Therapie einleiten. Dazu zählen etwa spezifische Anti-Allergie-Maßnahmen, wie eine gezielte Vermeidung der Auslöser (z. B. Pollen oder Tierhaare), aber auch eine Allergenimmuntherapie. Diese De- oder Hyposensibilisierung („Allergie-Impfung“) ist eine 3-5-jährige Behandlungsmethode, welche das Immunsystem anregt, die Ursache der Allergie bekämpft sowie die allergischen Symptome lindert. Sie kann den Erkrankungsverlauf günstig beeinflussen und dem Übergang der Allergie zu Asthma („Etagenwechsel“) entgegenwirken. Für die symptomatische Behandlung stehen sowohl nicht rezeptpflichtige bei schwachen als auch rezeptpflichtige Medikamente bei stärkeren Beschwerden zur Verfügung. Da oft etliche Organe in Mitleidenschaft gezogen sind, müssen manchmal viele Arzneien gleichzeitig eingenommen werden.

Broschüre „Allergien und Unversträglichkeiten verstehen“ - derzeit in Apotheken und online!
Wenn Beschwerden wie Augenrötung oder Niesanfälle jedes Jahr zur selben Zeit auftreten, ist es höchste Zeit, einen Allergiespezialisten aufzusuchen. Auch Intoleranzen, d.h. Reaktionen auf Nahrungsmittel, die eigentlich harmlos sind, betreffen immer mehr Menschen. In der Broschüre„Allergien und Unverträglichkeiten verstehen“ finden Sie Informationen und Tipps zur Behandlung dieser Probleme. Die Broschüre wurde gemeinsam mit Experten erstellt und ist momentan kostenlos in der Apotheke erhältlich. Zudem steht der Ratgeber gratis zum Download bereit.

Daten & Fakten

  • 1000e Substanzen können eine „Soforttyp-Allergie“ (z. B. Pollen oder Tierhaare) auslösen, bis zu 300 kann man gleichzeitig testen.
  • Über 4000 verschiedene Stoffe führen mitunter zu einer Kontaktallergie.
  • 3 bis 5 Jahre muss eine allergenspezifische Immuntherapie durchgeführt werden, damit sich der Körper daran gewöhnt.
  • Nach 10 Minuten geht bei geschlossenen Fenstern der Pollenwert auf 1 Prozent der Außenluft zurück.

Interview auf krone.tv

Facharzt für Immunologie, Univ.-Prof. Dr. Erika Jensen-Jarolim beantwortet am 12.04. um 17.35 und 19:30 sowie am 13.4. um 11.10 im Interview mit Moderatorin Raphaela Scharf Fragen zum Thema Symptome, Allergenimmuntherapie uvm. Nähere Informationen zum Empfang finden Sie hier.

Eva Greil-Schähs
Eva Greil-Schähs
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