22.03.2021 12:57 |

„Tut mir leid für ihn“

Neue „Schumi“-Generation debütiert nach 30 Jahren

30 Jahre nach seinem berühmten Vater fährt nun der 22-jährige Mick Schumacher in der Königsklasse. Ex-F1-Boss Bernie Ecclestone rechnet aber mit harten Anfangsjahren beim Nachzügler-Team Haas: „Es tut mir leid für ihn“, soll der 90-Jährige gesagt haben.

Bei seinem ersten Formel-1-Grand-Prix am Sonntag in Bahrain (live auf ServusTV) ist im Rennwagen von Mick Schumacher kein Platz für große Gefühle. Es werde sicher den ein oder anderen emotionalen Moment geben. „Aber bestimmt nicht in der Aufwärmrunde oder direkt vor dem Start“, sagte Schumacher der Deutschen Presse-Agentur: „Da ist man schon so konzentriert, da kommen solche Gedanken nicht. Spätestens wenn man den Helm aufsetzt, dreht sich alles nur noch um das Rennen, das vor einem liegt.“

Mick 22
Als Papa Michael vor elf Jahren am 14. März 2010 in der Wüste von Sakhir sein Aufsehen erregendes Comeback gegeben hatte und im Mercedes auf den sechsten Platz gerast war, war auch ein Zehnjähriger namens Mick Schumacher vor Ort, „aber ich habe eigentlich keine besonderen Erinnerungen daran. Was dieser Moment damals bedeutete, war mir absolut nicht bewusst“, erinnerte sich der Deutsche, der am Montag 22 Jahre alt wurde.

Nun ist er selbst an der Reihe. 30 Jahre nach dem Formel-1-Einstieg von Michael Schumacher (oben im Bild und im Storybild) - eine weitere Zahl, die das Debüt des Rekordweltmeister-Sohnes noch spezieller macht. „Es hat etwas von einem Happy End, auch wenn es natürlich für Mick jetzt erst richtig los geht“, sagte seine Managerin Sabine Kehm. Die ehemalige Journalistin begann Ende 1999 als Sprecherin von Vater Michael Schumacher, ehe sie rund zehn Jahre später auch seine Managerin wurde und sich nun um Mick kümmert.

PR-Beschleuniger
Die Rückkehr des Namens Schumacher in die Motorsport-Königsklasse wirkt wie ein PR-Beschleuniger in der Coronakrise. „Eine Bereicherung“, nannte der neue Formel-1-Boss Stefano Domenicali (oben im Bild) Mick Schumacher bereits - der 55-jährige Italiener war zu den Titelzeiten von Michael Schumacher bei Ferrari. „Das ist der Name, der in der Formel 1 sein muss“, betonte der ehemalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bei Sport1 am Sonntagabend.

Mick Schumacher stehe wie kaum ein anderer für die neue Generation der Formel 1, sagte Sportchef Charly Classen vom Bezahlsender Sky, der in Deutschland die alleinigen Übertragungsrechte in diesem Jahr hat: „In der kommenden Saison steht der Motorsport mehr denn je im Fokus der Sportfans und sorgt gerade in der Formel 1 für eine Aufbruchsstimmung, wie sie die Formel 1 seit dem Aufstieg seines Vaters Michael Schumacher nicht erlebt hat.“

Aber was können Fans von Mick Schumacher wirklich erwarten?
Ecclestone meint, er habe viel vom Genie von Vater Michael geerbt. Viel Eingewöhnungszeit an sein neues Team und Auto hatte er bei drei Testtagen nicht, die er sich auch noch mit seinem russischen Teamkollegen Nikita Masepin oben im Bild in weiß) teilen musste. Die weltweiten Corona-Maßnahmen erschwerten den Kennenlern-Prozess mit seiner Crew. Und sein Haas-Bolide zählt zudem zu den schwächsten im Feld. Der Blick ist schon auf 2022 gerichtet, 2021 muss irgendwie überstanden werden.

Experten mahnen schon unisono, Mick Schumacher einmal fahren zu lassen und ihm Zeit zu geben. Zeit, die er auch schon bei seinen vorherigen Stationen brauchte. In der Formel 3 holte er sich nach einem mäßigen Debütjahr mit Endrang zwölf dann 2018 den Titel, genauso war es in der Formel 2, die er 2020 gewann.

Lehrjahr 2021?, „Es tut mir leid für ihn“
„Es wird ein reines Lehrjahr für ihn. Dementsprechend sollten wir alle nicht zu viel erwarten“, sagte jüngst Micks Onkel Ralf Schumacher Sport1.de. „Es tut mir leid für ihn, denn er hat großartige Qualitäten, mit denen er mehr erreichen könnte, als bei den Leuten, wo er jetzt ist“, befand der 90-jährige Brite Ecclestone und wünscht sich Mick Schumacher bei einem siegfähigen Team wie Red Bull.

Spätestens seit der Aufnahme von Mick Schumacher Anfang 2019 in die Nachwuchsakademie von Ferrari erwarten viele aber schon, dass der Weg den Sohn des siebenfachen Champions und einstigen Ferrari-Superstars früher oder später auch zur berühmten Scuderia nach Maranello führen wird. Schumacher zu heißen wird allein nicht reichen. So wie es auch nicht reichte, um die Titel in der Formel 2 und Formel 3 zu gewinnen.

„Der Name Schumacher ist natürlich von Vorteil in der Welt des Rennsports. Die Türen öffnen sich schneller. Gleichzeitig ist er auch von Nachteil: die Beobachtung und Beurteilung von außen, der Druck und die Erwartungshaltung sind viel höher“, versicherte Managerin Kehm (unten im Bild bei Günther Jauch) mit Blick auf die Beschaffung des ersten Stammcockpits für Mick Schumacher in der Formel 1 beim Ferrari-Partner Haas.

Fahrstil des Vaters nicht kopiert
Den Fahrstil seines Vaters will Mick nicht kopieren. Welche Eigenschaften der 22-Jährige von seinem mittlerweile 53-jährigen Vater Michael hat, der seit seinem Skifunfall Ende 2013 aus der Öffentlichkeit verschwunden ist, zählte Kehm auf: „Den Spaß am Rennfahren, und den Spaß an der Freude anderer. Das Wissen, dass Talent vergeudet ist, wenn man nicht daran feilt und es permanent verfeinert. Die Bereitschaft, hart auch an sich selbst zu arbeiten und sich ständig zu verbessern.“

Diese Tugenden wird er auch brauchen, denn Ecclestone rechnet mit harten Anfangsjahren für Mick Schumacher in der Königsklasse. Das US-Team Haas war im Vorjahr bekanntlich nur Vorletzter der Konstrukteurswertung und hatte auch bei den jüngsten Testfahrten in Bahrain keinen besseren Eindruck hinterlassen. „Er wird niemanden haben, der ihm groß etwas beibringen kann“, betonte Ecclestone, der sich aber sicher ist, dass Mick Schumacher das Zeug zum Champion hat: „Wir müssen einfach abwarten.“

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