16.03.2021 05:00 |

Jahr für Jahr

25.000 Österreicher erleiden einen Schlaganfall

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in westlichen Ländern. Etwa 15 Prozent der Betroffenen versterben innerhalb der ersten drei Monate, ein Viertel der Patienten überlebt mit schwerer Behinderung. Mit rasch einsetzender und richtiger Behandlung können aber auch viele Menschenleben gerettet sowie Folgeleiden vermieden werden.

„Die häufigsten Symptome sind eine plötzlich auftretende halbseitige Schwäche und/oder Gefühlsstörung bzw. Sprach-,Seh-,Gleichgewichts- oder Bewusstseinsstörungen“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Tim von Oertzen, Vorstand der Abteilung für Neurologie 1, Kepler Universitätsklinikum, Linz. Dann heißt es nicht zögern, sondern die Rettung rufen! „Durch rasches Handeln lassen sich Folgeerscheinungen oft mindern oder gänzlich vermeiden“, betont Priv.-Doz. Dr. Judith Wagner, Leiterin der Stroke Unit, Abteilung für Neurologie 1.

80-85 Prozent der Schlaganfälle sind auf eine Durchblutungsstörung, der Rest auf eine Blutung im Gehirn zurückzuführen. In der Frühphase kann bei einem Teil der Patienten die „systemische Thrombolyse“, eine akute Blutverdünnung zur Wiederherstellung des Blutflusses, durchgeführt werden. Sind große Hirngefäße verschlossen, ist die bestmögliche Therapie eine rasche Entfernung des ursächlichen Blutgerinnsels mittels eines Katheters durch erfahrene interventionelle Neuroradiologen. Bei dieser „Thrombektomie“ kommen hochentwickelte, miniaturisierte Katheter-Vorrichtungen zum Absaugen oder Einfangen („Mikro-Stentretriever“) der Blutgerinnsel zum Einsatz, welche über eine Arterie in der Leiste oder am Arm minimal-invasiv in die Hirngefäße eingeführt werden. Studien belegen, dass Betoffene mit sehr schweren Schlaganfällen von dieser Therapie profitieren und vor einer erheblichen Behinderung bewahrt werden können. Das bestätigt auch Prim. Univ.-Prof. Dr. Stephan Meckel, Vorstand des Instituts für Neuroradiologie am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums: „Bei etwa 40 Prozent der Patienten wird nach einer Thrombektomie-Behandlung eine entscheidende Verbesserung der neurologischen Behinderung erzielt. 25 Prozent benötigen dadurch keine Unterstützung im Alltag.“

Kürzlich zeigten weitere internationale Studien, dass mit Hilfe der Thrombektomie nicht nur in der Frühphase des Schlaganfalls (bis ca. sechs Stunden nach Beginn der Symptome) Erfolge erzielt werden können. Bei einzelnen Patienten mit besonders starker Kollateralblutversorgung des Gehirns werden diese Resultate sogar noch bis zu 24 Stunden nach Einsetzen der Symptome erreicht. „In solchen Fällen ist allerdings eine spezielle bildgebende Notfallabklärung mit einer Kontrastmittel-Blutflussmessung des Gehirns mittels Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) notwendig“, erläutert Prim. Meckel.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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