12.03.2021 19:05 |

Virus mutiert ständig:

„Werden mit Sicherheit jährliche Impfung brauchen“

Viren mutieren eigentlich ständig. Die meisten dieser Mutationen machen keinen Unterschied für das Virus, manche aber helfen ihm tatsächlich, mehr Menschen zu infizieren. Warum Viren mutieren, was es mit den verschiedenen Varianten auf sich hat und was das für die Pandemiebewältigung bedeutet, das bespricht Damita Pressl diese Woche bei „Moment Mal“ mit Prof. Dorothee von Laer, Leiterin der Virologie an der medizinischen Universität Innsbruck, sowie mit Prof. Franz Allerberger, Leiter der Abteilung für Öffentliche Gesundheit bei der AGES.  

Coronaviren gelten eigentlich nicht als mutationsfreudig, deutlich weniger etwa als das Grippe- oder das AIDS-Virus, erklärt von Laer. Aber je mehr sich das Virus ausbreitet, desto eher häufen sich Mutationen an. Das war vorhersehbar: „Dass sich bei den hohen Vermehrungsraten das Virus irgendwann optimiert, war wahrscheinlich. Ganz überrascht hat es uns als Virologen nicht.“

Mutationen sind Abschreibfehler
In den einfachsten Worten funktionieren Mutationen wie folgt, erklärt die Medizinerin: Viren haben eine Buchstabenfolge als Erbgut, die bestimmt, wie das Virus sich verhält, „wie gut es infizieren kann, wie schnell es sich vermehrt, ob das Immunsystem es hemmen kann. Wenn das Virus sich vermehrt, muss es auch das Erbgut abschreiben. Da passiert es natürlich gelegentlich, dass man einen falschen Buchstaben abschreibt. Das nennt man dann Mutation.“ Manche Mutationen ändern gar nichts, manche verhindern sogar, dass das Virus sich vermehren könne. „Aber ganz selten macht es das Virus besser. Und diese besseren Viren setzen sich durch.“

„Wuhan-Stamm nur mehr im Kühlschrank“
Tatsächlich sind die meisten Coronaviren, die derzeit im Umlauf sind, Mutationen, sagt Allerberger: „Der Wuhan-Stamm, der vor über einem Jahr in China aufgetreten ist, den finden wir derzeit so gut wie gar nicht mehr. Den kennen wir aus den Datenbanken, den haben wir noch im Kühlschrank, aber schon die Viren, die sich im März 2020 in Österreich verbreitet haben, haben sich deutlich vom ursprünglichen Stamm unterschieden.“ Mutation sei ein ganz normales Phänomen. Es gebe Dutzende Varianten, aber die seien für den Normalbürger irrelevant.

Besorgniserregend seien nur drei: die britische Variante, die in Österreich inzwischen überhandgenommen hat, die südafrikanische und die brasilianische Variante. Letztere wurde bis dato in Österreich zum Glück noch nicht identifiziert. „Die Varianten ‚of concern‘ sind Varianten, bei denen sich das Verhalten des Virus durch die Mutation ändert“, ergänzt von Laer. „Die anderen sind einfach nur, als hätte sich das Virus ein anderes Kleid angezogen. Aber wenn es anfängt, Boxhandschuhe anzuziehen, dann ist das besorgniserregend.“

Diese Varianten gelte es, möglichst bald einzukesseln, vor allem durch stetige Überwachung und Sequenzierung. EU-weit müsse man dafür fünf Prozent der Isolate sequenzieren, sagt Allerberger - das heißt also, bei fünf Prozent der Neuinfektionen das Erbgut des Virus näher betrachten.

Die britische Variante habe in Österreich eindeutig gewonnen, so Allerberger, und sie werde sich auch weiter ausbreiten. Sie breite sich viel schneller aus und sei leichter übertragbar. Die Sterblichkeit dürfte auch höher sein, nämlich um rund 60 Prozent. Aber Allerberger gibt zu bedenken: Die Sterblichkeit der Ursprungsvariante liege nur bei rund 0,25 Prozent. Die britische Variante dürfte damit eine Sterblichkeit von etwa 0,4 Prozent aufweisen. Was nicht heißen soll, dass das Virus nicht ernst zu nehmen sei, betont Allerberger, denn auf die Gesamtbevölkerung gerechnet seien auch 0,4 Prozent sehr hoch.

„Werden jährliche Impfung brauchen“
Allgemein deuten die Daten darauf hin, dass mRNA-Impfungen wie jene von Pfizer und Moderna besser gegen Mutationen wirken dürften, als Vektorimpfstoffe wie jene von Astra Zeneca oder Johnson & Johnson, erklärt von Laer. Schwere Verläufe von Covid-19 würden aber höchstwahrscheinlich von allen Impfstoffen verhindert, auch bei einer Infektion mit den Varianten. Und das Virus werde weiterhin mutieren: „Wir werden mit Sicherheit jährlich eine Auffrischungsimpfung brauchen“, sagt Allerberger. Diese sei allerdings deutlich wirksamer als die jährliche Grippeimpfung, die weniger als ein Zehntel der Menschen in Österreich in Anspruch nimmt. Entsprechend hoffe er auch auf eine höhere Teilnahme.

Damita Pressl
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