03.03.2021 12:00 |

Corona-Auswirkungen

„Bei vielen wird es sehr, sehr eng mit der Miete!“

In der Wohnrechtsberatung rufen täglich verzweifelte Mieter an. Die Mietschulden für rund 48.800 österreichische Haushalte könnten heuer auf mehr als 83 Millionen Euro ansteigen. Schätzungsweise könnten 48.800 Kündigungen und Räumungsklagen drohen, 17.000 könnten aus ihrer Wohnung fliegen. Ein Hilfsfonds muss her, so die Arbeiterkammer.

Viele stehen mit ihrer Miete in der Kreide
Herr E. etwa rief in der Wohnrechtsberatung an, weil er eine Räumungsklage für seine Mietwohnung erhalten hat. Er kann sich das nicht erklären. Er ist in Kurzarbeit, hat weniger Einkommen und sollte eine gesetzlich gestundete Miete vom April 2020 im Jänner zahlen - so die Forderung des Vermieters. Obwohl die gestundeten Mieten per Gesetz erst im April 2021 zu zahlen sind.

Anderer Fall: Herr A. hat im Oktober 2020 Corona-bedingt seine Arbeit verloren und muss nun mit 1100 Euro die Miete (760 Euro), Strom (90 Euro) und weitere Kosten zahlen. Er konnte sich die Wohnung nicht mehr leisten, wollte zu einem Freund ziehen und die teure Wohnung Ende 2020 kündigen. Das teilte er dem Vermieter mit. Die Antwort: Die Wohnung darf er erst im April 2021 kündigen, bis dahin muss er die Mieten voll zahlen.

Vier Prozent Zinsen
„Die Fälle zeigen, es wird bei vielen sehr, sehr eng mit der Miete“, so Thomas Ritt von der AK. „Die Corona-Mietstundungen laufen Ende März aus. Im April kommt die Keule - dann müssen Mieter bis zu vier Monatsmieten zahlen. Und stunden heißt auch, zu den gestundeten Monatsmieten kommen vier Prozent Zinsen dazu, plus die laufende Miete.“

Die Mietzinsrückstände sind alleine in Wien bis zum Jahresende 2020 im Vergleich zum Vorjahr um mindestens 20 Prozent gestiegen. Im Schnitt sind betroffene Mieter mit über drei Monatsmieten im Rückstand - heuer könnten österreichweit über 83 Millionen Euro nicht an Mieten bezahlt werden. So könnten schätzungsweise 48.800 Kündigungen und Räumungsklagen drohen.

Die Anzahl der Delogierungen 2021 könnte sich im Vergleich zu 2020 mehr als verdoppeln - 17.000 Haushalte könnten ihr Wohnung verlieren. „Die ohnehin schon zahlungsschwachen Mieter werden in die Schuldenfalle getrieben“, warnt Ritt. Unternehmen bekommen Fixkostenzuschüsse und Umsatzersatz. Wohnkosten sind auch Fixkosten." Daher verlangt er für Mieter einen Hilfsfonds: unkomplizierte Anträge auf Übernahme des ganzen oder teilweisen Mietzinses.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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