03.03.2021 06:00 |

Wirbel am Klöchberg

Südsteirer wehren sich gegen drohenden Ausverkauf

Interessenskonflikte zwischen Anrainern und Investoren spitzen sich immer mehr zu. Am Klöchberg machen Bewohner gegen geplanten Bau von Ferienwohnungen mobil.

Für Steirer wird diese Erkenntnis wenig überraschend kommen: Aber der Herrgott hat’s mit dem Süden des Landes eben schon auffallend gut gemeint. Die landschaftlichen Reize der Südsteiermark sind weit über die Grenzen hinaus bekannt. Eine zweifellos besondere Perle ist dabei der Klöchberg in der namensgebenden 1200-Seelen-Gemeinde.

Dort passiert gerade das, wovon man etwa einige Kilometer weiter westlich in der Region um Gamlitz bereits ein Lied singen kann. Nämlich, dass die Interessen der Bevölkerung vor Ort nicht unbedingt mit den Ideen und Absichten von Investoren harmonieren müssen. Ganz im Gegenteil.

Investor will Ferienwohnungen bauen
Am Klöchberg regt sich seit geraumer Zeit Widerstand gegen Pläne eines Investors aus Zell am See, auf diesem landschaftlichen Kleinod Ferienwohnungen zu errichten. „Die Kulturlandschaft hier mit den alten Kellerstöckln ist einmalig in Österreich. Ferienwohnungen würden diese Landschaft unwiederbringlich zerstören“, mahnt Heinrich Giessauf, Besitzer eines Stöckls , beim „Steirerkrone“-Lokalaugenschein.

Mehrere Baubescheide wurden von den Anwohnern bereits erfolgreich juristisch bekämpft. „Die Fläche darf laut Gesetz maximal verdoppelt werden - bei gleicher Nutzung“, erklärt Norbert Sorger. Er besitzt ein vor 30 Jahren durch seine Schwiegereltern liebevoll restauriertes Kellerstöckl.

Strittige Umwidmung in Bauland
Nun will die Gemeinde Teile des Klöchbergs zum Auffüllungsgebiet erklären und so die Umwidmung in Bauland erreichen - damit würde auch die Begrenzung der Baufläche wegfallen. „Auf einmal will man alles umwidmen, obwohl wir uns hier mitten im Landschaftsschutzgebiet befinden“, schüttelt Marlene Palz den Kopf.

Hausbegehung durch Bürgermeister
Doch im vergangenen Herbst sprach die Abteilung 13 (Umwelt- und Raumordnung) des Landes einen Genehmigungsvorbehalt aus, weil es sich eben um eine besonders schützenswerte Kulturlandschaft handle. Vergangene Woche kam es schließlich zu kurzfristig angekündigten Hausbegehungen durch den Bürgermeister und einen Sachverständigen. „Wir wurden dazu von der Raumordnungsbehörde aufgefordert, um die Wohnnutzung der Gebäude zu erheben“, stellt der Klöcher Bürgermeister Josef Doupona klar.

Bereit für Gespräche
Der ÖVP-Ortschef versucht auch zu kalmieren: „Wir haben von der ursprünglich geplanten Fläche für die Umwidmung nun rund zwei Drittel zurückgenommen - es geht also nur mehr um einen kleinen Bereich. Wir wollen nichts Großes zulassen, der Berg ist ja das Juwel unserer Gemeinde - nur geht es eben auch um die Weiterentwicklung des Ortes.“ Er will jedenfalls das Gespräch mit den Anrainern suchen - auch die sind dafür bereit. „Aber bisher wollte uns der Herr Bürgermeister ja nie wirklich zuhören.“

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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