20.01.2021 11:55 |

krone.at-Kolumne

Wir brauchen mehr Härte!

Wir gehen mit diesem Lockdown also in eine Verlängerung. Die Zahlen machen weitere Verschärfungen notwendig. Aber bei allem Verständnis für die schwierige Situation der Bundesregierung: Solange wir nur auf liebe Wischi-Waschi-Maßnahmen setzen und die nicht einmal rigoros kontrollieren, wird sich an unserer Lage kaum etwas ändern. Es braucht mehr Härte.

Klar, der Status quo ist unerfreulich. Trotz Wochen des Verzichts und des Zu-Hause-Bleibens ist nur wenig Erleichterung bei den Neuinfektionen zu spüren, im Gegenteil: Die Laissez-faire-Haltung so mancher zu Weihnachten und zu Silvester hat uns zeitweise sogar erneut Werte weit über der 2000er-Marke beschert. Das macht weitere Maßnahmen notwendig. Da hilft auch kein Jammern und Sudern.

Das Wischi-Waschi ist typisch österreichisch
Dennoch hat die Nachspielzeit des Lockdowns einen Schönheitsfehler. Schier unverständlich ist es, warum die Politik auch angesichts der britischen Mutation einmal mehr auf die Weiterführung der Wischi-Waschi-Regeln samt multipler Willkür-Ausnahmen setzt. Weshalb sich Türkis-Grün nicht dazu durchringen kann, Arbeit im Homeoffice - wie von den eigenen Experten dringend empfohlen - zu verpflichten und das Skifahren zu verbieten, ist ein unlösbares Rätsel. Und so typisch österreichisch.

Nicht-Fisch-und-nicht-Fleisch-Regeln sind bequem, aber frustrieren
Nach altbekannter Manier gehen wir nämlich nun den bequemen Weg des „A bisserls“. Alles ist a bisserl erlaubt und verboten. So spricht man zum Beispiel zwar von einem Kontaktverbot, Personen aus einem anderen Haushalt darf man dennoch sehen. So herrscht zwar einerseits Lockdown, andererseits darf man aber zum Eislaufplatz. Diese Nicht-Fisch-und-nicht-Fleisch-Regeln frustrieren, verwirren und verleiten in Folge zur Nachlässigkeit. Und das kann nicht im Sinne der Verantwortungsträger sein.

Wir sollten vielleicht weniger über Chinas Autokratie spotten
Viel besser wäre ein Blick über die Landesgrenzen. China, das Ursprungsland des Virus, hat die Pandemie mit strenger Kontaktverfolgung, ausnahmslosen Ausgangssperren und rigoroser Härte unter Kontrolle gebracht. Dass wir hierzulande für die Teilnahme bei den Massentests über Anreizsysteme diskutieren, lässt die Menschen im Reich der Mitte nur müde lächeln - sie werden dort einfach verordnet. Während so mancher über Chinas Autokratie spottet, kann sich ihr Erfolg sehen lassen: Es werden nur noch vereinzelte Cluster verzeichnet.

Bitte härtere Regeln, aber kürzere Dauer
Natürlich bedeutet auch eine Pandemie nicht, dass man nun zu einem autoritären Staat werden muss. Aber ein bisschen mehr Härte samt Homeoffice-Pflicht und Ski-Verbot im Abtausch mit einer kürzeren Dauer wäre für die allermeisten weit besser zu verkraften als das ewig lange, halbgare Herumwurschteln. Bei mehr als 7000 Corona-Toten und einer frustrierten Gesellschaft könnten wir doch einmal über unseren österreichischen Schatten springen.

Katia Wagner

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