12.12.2020 16:40 |

Migranten auf Kanaren

„Wissen nicht, was sie mit Menschen machen sollen“

Die Corona-Pandemie verschlimmert in vielen westafrikanischen Ländern die Armutssituation. Die Folge: Seit den Sommermonaten erreichen auch immer mehr Flüchtlinge die spanischen Kanaren. Die Aufnahmelager sind hier jedoch längst heillos überfüllt. Ein krone.at-Leser berichtet nun von den dramatischen Zuständen auf der kleinen Insel El Hierro.

„Ich sitze in einem kleinen Straßencafé und die Leute reden über alles Mögliche, aber komischerweise redet keiner über diese Flüchtlingsthematik. Als wollten das alle verstecken, oder es ist für diese kleine Ortschaft schon selbstverständlich geworden“, so Walter M. im Gespräch mit krone.at. Der in Barcelona lebende Deutsche befindet sich derzeit in La Restinga auf El Hierro - und erlebt dort den längst außer Kontrolle geratenen Flüchtlingsansturm hautnah mit.

Kanaren mit Flüchtlingen überfordert
Da die Mittelmeer-Routen derzeit gut überwacht werden, versuchen Tausende Flüchtlinge - die meisten kommen aus Marokko, Mali, Mauretanien und dem Senegal - stattdessen über den Atlantik nach Europa zu gelangen. Erstes Ziel sind dabei die Kanaren. Doch die spanische Inselgruppe ist mit dem Ansturm überfordert, die Zustände in den Aufnahmelagern sind katastrophal.

Ende November wurde bereits das als „Camp der Schande“ bekannte Lager auf Gran Canaria aufgelöst - doch das führte nur zu einer Verschiebung der Problematik.

So legten alleine in den vergangenen Tagen drei Boote am Hafen von La Restinga - der kleine Fischerort zählt gerade einmal 547 Einwohner - an. An Bord befanden sich zwischen 41 und 65 Flüchtlinge - unter ihnen auch Frauen und Kinder. „Zuletzt wurden die Flüchtlinge nach El Pinar gebracht, das ist die nächste größere Ortschaft hier“, berichtet Walter M.

„Gefängnisinseln“
Da die spanische Regierung eine Sogwirkung für weitere Flüchtlinge befürchtet, werden die ankommenden Migranten nicht aufs Festland gebracht. „Man will die Kanaren zu einem zweiten Lesbos machen, zu Gefängnisinseln, damit die Flüchtlinge fernbleiben“, ärgerte sich Antonio Morales, Regierungschef von Gran Canaria, bereits Ende November im Gespräch mit der APA.

Und so kommt es, dass kleine Ortschaften wie La Restinga mit der Flüchtlingsproblematik mehr oder weniger auf sich alleine gestellt sind. „Die wissen hier ja gar nicht, was sie mit den ganzen Menschen machen sollen“, so Walter M. bestürzt.

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Charlotte Sequard-Base
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Annie Müller Martinez
Annie Müller Martinez