07.11.2020 12:00 |

Apfelsorten

Geschmacksfrage: Alter Adel trifft neue Sehnsüchte

Wie muss ein Apfel schmecken? Und warum schaffen es nur wenige Sorten in den Supermarkt? Spurensuche bei Familie Giner in Thaur bei Innsbruck. Dort wächst Neues und landet ohne Umschweife beim Kunden.

Freiherr von Hallberg ist von edlem Stammbaum. Ein Bayer, der mittlerweile auch in Tirol Wurzeln geschlagen hat – im Obstgarten von Barbara und Thomas Giner in Thaur. Frisch, mit ausgesprochen feiner Säure – eine gelungene Mischung aus Topaz und Pinova.

Thomas Giner lacht und hält den schönen Rotkopf mit dem aristokratischen Namen ins Licht: „Der passt zu unserer Zeit, trifft den Geschmack der Kunden – und unseren auch.“ Der Freiherr von und zu ist nicht der einzige Neuzugang im Sortiment der Thaurer Obstbaufamilie. Betriebsleiterin und Ehefrau Barbara nennt einen weiteren klingenden Namen: „Rubinella“. Aromatisch und mit Genen einer alten Sorte. „Ein hervorragendes Lagerobst“, spricht die Bäuerin eine wichtige Eigenschaft an.

„Die Idee der Clubsorten hat uns ermutigt“
Die Giners experimentieren gerne und möchten den traditionsbewussten Tirolern Neues schmackhaft machen. „In Südtirol sind sogenannte Clubsorten mit besonderen Geschmackseigenschaften der Renner. Das hat uns ermutigt“, sagt die Chefin. Sie glaubt, dass auch Nordtirol ein guter Nährboden für exklusive Sorten ist. Doch die Vielfalt hat es heute schwer. 2000 bis 5000 Apfelsorten gedeihen in Österreich. Aber nur rund 500 werden laut Artenschützern vom Verein „Arche Noah“ in nennenswerten Mengen angebaut. Und nur eine Handvoll Sorten schafft es in die Regale der Supermärkte. Die Kunden greifen immer zu den gleichen Sorten. Weil allen das Gleiche schmeckt? Oder, weil es an Alternativen mangelt? Das ist die Kernfrage!

Ein Apfel soll nach Kindheit schmecken
Fast jeder hat einen nostalgischen Blick auf den Apfel. Er soll nach Kindheit schmecken. Wenn über alte Sorten gesprochen wird, dann ist die Begeisterung groß. Die Giners wissen aber um die Tücken mit Althergebrachtem: „Manche alten Sorten tragen nicht jedes Jahr. Im Erwerbsobstbau eine schwierige Sache. Auch bei Form oder Farbe können diese nicht immer mit den Ansprüchen mithalten“, zählt Thomas Giner auf. Er und seine Frau haben aber die Botschaft der Obstliebhaber verstanden und nutzen die Kleinheit ihres Betriebs mit 2,5 Hektar für ihre Geschmacksforschung. Dass sie dafür bayerische Züchtungen verwenden, liegt an einem einzigen Satz, den die Thaurer bei einem Vortrag des Obstzentrums Hallbergmoos gehört haben. „Wir züchten Geschmack“, zitiert Thomas den Marketingslogan und legt nach einigen Sekunden Pause nach: „Letztlich geht es ja immer um den Geschmack.“

Direkte Vermarktung als Teil des Konzepts
Der Obstbetrieb der Giners – 2021 wird 20-Jahr-Jubiläum gefeiert – ist typisch für Tirols Landwirtschaft. Eigentlich zu klein für Handelsriesen, aber zu groß für ein Hobby – aus diesem Dilemma haben die Giners einfach ein Geschäftsmodell entwickelt. Sie vermarkten die gesamte Ernte – im Schnitt 80 Tonnen im Jahr – direkt. Ab Hof, bei der Tiroler Gemüsekiste, über einen Gastrozulieferer. Die Töchter haben nun eine weitere Schiene ins Spiel gebracht. „Wir waren selbst überrascht, wie gut die Selbstbedienung funktioniert“, zeigt Barbara auf die appetitlich arrangierten Apfelsteigen und Flaschen mit Saft und Essig, die man bei den Giners am Hof einfach entnehmen kann und das Geld dafür in eine Box schmeißt.

Noch greifen die meisten Kunden zu dem, was sie kennen. Doch nach einem Gespräch mit den Giners hat schon so mancher eine neue Apfelsorte für sich entdeckt.

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

 Tiroler Krone
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