26.10.2020 06:00 |

Smartwatch im Test

„Huawei Watch GT 2 Pro“: Aus dem Osten wenig Neues

Gleichermaßen elegant wie sportiv soll die neue „Watch GT 2 Pro“ sein, mit der Huawei sein Angebot an Smartwatches für den sport- und fitnessbegeisterten Nutzer erweitert. Was die Uhr unter ihrem Titangehäuse zu bieten hat und in welchen Bereichen sie ihrer Vorgängerin voraus ist, verrät der Test.

Huaweis Watch GT 2 Pro kommt in zwei verschiedenen Versionen: als „Classic“-Variante mit grauem Lederarmband oder in der von uns getesteten „Sport“-Variante mit schwarzem Kunststoffarmband. Gegenüber den Vorgängermodellen GT 2 und GT 2e schränkt der Hersteller die Farbpalette damit deutlich ein. Eine schmalere 42-mm-Version, wie noch bei der ersten Watch GT, gibt es diesmal nicht - Zielgruppe für die Watch GT 2 Pro dürften demnach vornehmlich Männer sein, die in der Regel breitere Uhren bevorzugen.

Beiden Versionen der neuen Huawei-Smartwatch gemein ist das Titangehäuse und die laut Hersteller „hautfreundliche“ Keramikrückseite. Das unverändert 1,39 Zoll große und mit 454 x 454 auflösende OLED-Touchdisplay wird von kratzfestem Saphirglas umfasst. Das Design der ohne Armband 52 Gramm leichten Swartwatch ist dadurch ebenso elegant wie zeitlos und somit wohl auch für Liebhaber klassischer (analoger) Armbanduhren ansprechend.

Nicht mehr ganz so neu ist das Darunter: Huawei verbaut wie schon bei der GT 2 und GT 2e seinen hauseigenen Kirin-A1-Prozessor, wodurch es sich zwar gewohnt flüssig, aber eben auch nicht schneller durch die Menüs und einzelnen Anwendungen der Uhr wischen lässt. Gleichgeblieben ist auch der 455 Milliamperestunde fassende Akku, sodass die Laufzeit de facto unverändert bleibt.

Akkulaufzeit
Huawei verspricht „bis zu 14 Tage bei typischer Nutzung“, bei sportlich aktiven Nutzern, die regelmäßig ihre Aktivitäten tracken, liegt die Laufzeit dementsprechend darunter, wer das Display dagegen deaktiviert und die Smartwatch vornehmlich als Uhr nutzt, kann deutlich mehr Tage herauskitzeln. Wir kamen im Test mit ausgeschaltetem Bildschirm, aber aktivierter Puls-, Schlaf- und Stressmessung plus diversen Spielereien wie Messung der Blutsauerstoffsättigung auf um die sieben Tage - ein durchaus guter Wert.

Kabelloses Laden
Neu ist dagegen in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, die Uhr dank Unterstützung des Qi-Standards kabellos zu laden. Ein entsprechendes Gerät vorausgesetzt, klappt das Aufladen dann sogar umgekehrt über ein kompatibles Smartphone. Schneller laden lässt sich das Wearable allerdings über die beiliegende und neuerdings ohne zwei Ladepins auskommende USB-C-Ladeschale. Sie verspricht, die Uhr binnen fünf Minuten mit weiteren zehn Stunden Laufzeit zu versorgen, sollte man es mal besonders eilig haben.

Vergleichsweise „unsmart“
Nicht neu ist hingegen die Möglichkeit, eigene Songs auf dem vier Gigabyte großen internen Speicher (in der Praxis stehen nur rund zwei Gigabyte zur Verfügung) der Smartwatch zu speichern, um diese wahlweise über den integrierten Lautsprecher oder - ratsamer - via Bluetooth über Drahtlos-Kopfhörer wiederzugeben, sodass das Smartphone bei sportlichen Aktivitäten getrost zu Hause bleiben kann. Als praktisch erweisen sich die Lautsprecher jedoch bei eingehenden Telefonaten, die, eine stabile Bluetooth-Verbindung vorausgesetzt, bequem per Uhr angenommen und dank sehr guter Sprachqualität auch über diese geführt werden können. Falls gewünscht, wird über den Lautsprecher zudem während Aktivitäten per (englischer) Sprachausgabe über den Trainingsfortschritt informiert.

Davon abgesehen erweist sich die Watch GT 2 Pro wie ihre Vorgänger als relativ „unsmart“. Eingegangene SMS und andere Nachrichten werden zwar angezeigt, darauf reagieren, und sei es nur mittels vorgefertigter Antworten wie „Bin in einer Besprechung, melde mich in Kürze“, kann man aber nicht. Zudem bietet Huaweis speziell für Wearables entwickeltes Betriebssystem LiteOS weiterhin keine Möglichkeit, um Apps von Drittanbietern wie zum Beispiel die bei Sportlern beliebte Anwendung Strava erweitert zu werden.

Das Nachsehen hat zum Teil zudem, wer die Uhr mit Apples iPhone oder Android-Smartphones anderer Hersteller nutzen möchte: Das Nutzen der Uhr als Fernauslöser für die Smartphone-Kamera sowie das Individualisieren des Ziffernblattes mittels eigener Fotos steht exklusiv Huawei-Anwendern ab Version 8.1 bzw. 11 der hauseigenen EMUI-Benutzeroberfläche zur Verfügung.

Neue Sportarten
Allen Anwendern offen stehen dagegen die Neuerungen, die die Huawei Watch GT 2 Pro im Bereich Fitness zu bieten hat. Sie sind zugleich das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zu den Vorgängermodellen. Da wäre zum einen die Rückweg-Funktion, die es Nutzern bei Aufzeichnung einer Outdoor-Aktivität erlaubt, sich auf der zuvor zurückgelegten Route wieder nach Hause lotsen zu lassen. Zum anderen erkennt die GT 2 Pro automatisch, wenn sich der Nutzer bewegt, um dann die Aufzeichnung eines entsprechenden Trainings vorzuschlagen. Das klappt allerdings mal mehr, mal weniger schnell. Wir waren mitunter im Test bereits 30 Minuten und länger zu Fuß unterwegs, ehe die Uhr uns fragte, ob wir eine Aktivität starten bzw. aufzeichnen wollen. Die Funktion wird zudem bislang nur für sechs Sportarten, nämlich Laufen und Gehen (jeweils drinnen und draußen), Crosstrainer und Rudern unterstützt.

Apropos Sportarten: Neu hinzugekommen sind Langlauf, Skifahren und Snowboarden, zu denen die Uhr laut Huawei Angaben zu unter anderem Durchschnittsgeschwindigkeit, maximale Steigung, Spur und Distanz liefert und gegebenenfalls per Sprache davor warnt, sollte einer der Werte die Norm überschreiten. Mit ins Repertoire aufgenommen wurde zudem ein Golf-Modus, der die Schwunghaltung analysieren und Tipps zur Verbesserung von Schwunggeschwindigkeit und -frequenz liefern soll.

In Summe unterstützt die GT 2 Pro damit laut Huawei nun mehr Trainingsmodi, inkludiert sind zudem mehr als zehn Laufkurse mit durchgehender (englischer Sprachführung). Alle Daten werden wie gewohnt in der dazugehörigen Health-App gesammelt und übersichtlich und informativ aufbereitet. Wer übrigens gerne mit den ersten (oder auch letzten) Sonnenstrahlen des Tages laufen geht, kann sich zu guter Letzt über die Integration der genauen Auf- und Untergangszeiten für Sonne und auch Mond freuen.

Fazit: Mit der Watch GT 2 Pro hat Huawei eine ebenso elegante wie sportive Smartwatch vorgestellt, die nebst Verarbeitung und Design mit umfangreichen Fitness-Funktionen und einer guten Akkulaufzeit punkten kann. Abgesehen von der Möglichkeit, die Uhr kabellos zu laden, und einigen Verbesserungen im Bereich der Software (unterstützte Wintersportarten, Golf-Modus, Nach-Hause-lotsen-Funktion) halten sich die Neuerungen im Vergleich zur „normalen“ GT-Version jedoch in Grenzen. Wer mit Wintersport nichts am Hut hat, kann also nach wie vor getrost zu dieser greifen. Mit einem Preis von rund 130 Euro kostet sie auch nur knapp die Hälfte des neuen Pro-Modells (rund 255 Euro).

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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