29.09.2020 06:00 |

„Krone“-Reportage

Landwirte: Ein Alltag zwischen Licht und Schatten

Harte Arbeit, viel Risiko und Verantwortung: Die steirischen Bauern haben es nicht immer leicht. Aber die Leidenschaft treibt sie an. Ein Besuch bei der Familie Hofstätter in Jagerberg.

Gleich neben der Einfahrt zum Hof, in der alten Küche der Großeltern, passiert die Magie: Ursula Hofstätter schüttet frische Milch in eine große, stählerne Maschine. „Da wird sie pasteurisiert und dann machen wir sie zu Joghurt“, sagt die Bäurin. Daneben packt sie Topfen in kleinere Packungen, die dann später in einer Bauernecke im Nachbarort stehen werden – gleich wie Fruchtjoghurts, Käse und andere Produkte.

Seit 1995 gibt es die Direktvermarktung vom Hof. Der Großteil der Ware ist vorbestellt. Wer bei den Hofstätters kauft, der weiß: Regionaler geht es kaum. „Uns gibt niemand den Preis vor“ – einer der Gründe, wieso Ursula die Direktvermarktung schätzt. In dem kleinen Verkaufsraum vakuumiert sie Käse. Die Wände sind voll mit Auszeichnungen . „Gute Qualität ist das wichtigste“, sagt sie. 

Die Hofstätters in Jagerberg sind als Haupterwerbsbauern mittlerweile die Ausnahme. Ursula und Franz leben von der Landwirtschaft mit derzeit 54 Rindern, ein Teil davon sind eine spezielle Rinderrasse, die Sohn Florian züchtet. Er arbeitet zusätzlich noch beim Maschinenring.

Die Hofstätters arbeiten hier gut zusammen, halten als Familie zusammen – aber so leicht wie früher ist es nicht mehr. „Als Bauer wirst du abhängig gemacht. Die Bürokratie wird immer mehr“, sagt Franz Hofstätter. „Du musst alles festhalten und dokumentieren“, für alles bräuchte man eigene Scheine und Kurse - trotz jahrelanger Ausbildung. Und natürlich das ewig leidige Thema: der Milchpreis. „Vor 40 Jahren war der Preis höher als jetzt, aber alle Kosten sind gestiegen“, klagt der Bauer. Auch der vielbeschworenen Digitalisierung in der Landwirtschaft steht Franz kritisch gegenüber: „Mit Technik machst du dich abhängig.“

Das gesellschaftliche Bild hängt schief
Für große Investitionen über Generationen hinweg sei das Risiko viel zu hoch. Durch die Nebenerwerbsbauern wird das Bild oft getrübt, ist Franz sicher: „Die stecken aus Leidenschaft Geld in die Landwirtschaft – aber bei uns muss sie sich alleine finanzieren.“

Andererseits ist es aber auch das gesellschaftliche Bild, das den Bauern zu schaffen macht. Das Grundwissen bei den Konsumenten sei verloren gegangen, meint Florian. „Das romantische Bild in der Werbung – das gehört weg.“ Er erzählt eine Anekdote dazu: Durch den Regen im Sommer ist eine dreckige Lacke in der Wiese entstanden, auf der die Rinder waren. Kurz darauf sei ein Tierschützer da gewesen und hätte sich empört. „Aber was soll ich denn tun, wenn’s Viech im Regen stehen will? Soll ich’s reintragen?“

Die Zukunft soll die Wagyu-Rinder-Rasse, ähnlich dem Kobe-Rind, sichern. „Die Spezialisierung ist eine Chance“, ist Florian Hofstätter überzeugt. Vier Jahre hat es gedauert, bis er verkaufen konnte. Seine Eltern unterstützen ihn. „Wenn ein Junger eine Landwirtschaft angeht, hat er Respekt verdient“, sagt Franz. Das Wichtigste an der Arbeit aber bleibt: „Man muss sich damit identifizieren, dass man etwas Gutes für die Leute macht.“

Hannah Michaeler
Hannah Michaeler
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