10.09.2020 15:41 |

Politischer Druck

IOC-Boss will Ringer vor Todesstrafe bewahren

Eine internationale Solidaritätswelle soll im Fall des zum Tode verurteilten iranischen Ringers Navid Afkari politischen Druck aufbauen. IOC-Präsident Thomas Bach sprach davon, sich Afkari „nahe“ zu fühlen. Man sei „überaus besorgt“.

Afkari hat nach Angaben der iranischen Justiz bei einer Demonstration 2018 in der südiranischen Stadt Shiraz einen Sicherheitsbeamten getötet. Er habe die Tat gestanden, hieß es. Der Sportler, seine Familie und Menschenrechtsorganisationen führen dagegen an, das Geständnis sei durch Folter erzwungen worden.

Das Geständnis sowie Aufnahmen der angeblichen Tat wurden im iranischen Staatsfernsehen sowie im Videoportal Aparat gezeigt. Afkari wurde daraufhin zu Tode verurteilt. Seine beiden Brüder, die mit ihm zusammen an den Protesten gegen das islamische Regime teilgenommen hatten, erhielten hohe Gefängnisstrafen. Das Urteil ist vom obersten Gerichtshof des Landes bestätigt worden und somit rechtskräftig. Es soll aber erst in sechs Jahren vollstreckt werden.

IOC-Präsident Bach erklärte, dass man zum Olympischen Komitee des Landes und dem nationalen Ringerverband Kontakt aufgenommen habe. Diese würden ihr „Äußerstes“ tun, um eine Lösung im Fall Afkari zu fördern. Der deutsche Spitzenfunktionär wies allerdings auch darauf hin, dass das IOC die Souveränität und das Justizsystem eines souveränen Landes respektiere.

Die iranische Justiz wies Kritik am Todesurteil gegen Afkari zurück. „Viele mischen sich einfach in Angelegenheiten ein, von denen sie weder genaue Informationen haben noch die notwendige juristische Kompetenz besitzen“, sagte Justizsprecher Gholam-Hussein Ismaili am Mittwoch. Afkari habe einen Menschen ermordet und das Urteil gegen ihn im Iran laute nicht Todesstrafe, sondern „Ghisas“, so der Sprecher laut Nachrichtenportal Alef. „Ghisas“ ist im islamischen Recht das Prinzip der „gleichwertigen Vergeltung“, also Blutrache oder Auge um Auge.

Die Kampagne „Rettet Navid Afkari“ läuft aber längst. Sogar US-Präsident Donald Trump forderte die iranische Führung auf, den Ringer nicht hinzurichten.

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