04.10.2020 06:00 |

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Sony Xperia 1 II: 5G-Geheimtipp mit alten Tugenden

Der japanische Sony-Konzern hat am Smartphone-Markt in den letzten Jahren drastisch Marktanteile eingebüßt, liefert aber nach wie vor regelmäßig neue Android-Flaggschiffe ab. Das jüngste heißt Sony Xperia 1 II und bringt als erstes Sony-Handy 5G-Mobilfunk mit, ohne sich von anderswo vergessenen alten Tugenden wie der Kopfhörerklinke und einer Benachrichtigungs-LED zu verabschieden. Wir haben es getestet.

Das Xperia 1 II ist mit seinem Seitenverhältnis von 21:9 ein äußerst lang gezogenes Smartphone - noch einmal länglicher als manch Rivale. Das gewährleistet trotz 6,5 Zoll Diagonale eine schmale Erscheinung und erlaubt auch Besitzern kleinerer Hände, das knapp über sieben Zentimeter breite Gerät sicher in der Hand zu halten. Andererseits wandert der Schwerpunkt ein wenig nach oben, was nicht jedem gefällt.

Die kompletten Spezifikationen sehen Sie hier:

Sony Xperia 1 II

CPU

Qualcomm Snapdragon 865:
2,84 + 3 x 2,42 + 4 x 1,8 GHz

RAM

8 GB

Diagonale

6,5 Zoll

Auflösung

3840 x 1644 (OLED HDR)

Speicher

256 GB

Speicherkarten-Slot

bis 1 TB

Hauptkamera

12 MP (F/1.7): Phase-Detection-Autofokus (PDAF), Farbspektrumsensor, OIS
12 MP (F/2.2): Weitwinkelobjektiv, PDAF
12 MP (F/2.4): Zoomobjektiv, PDAF, OIS

Frontkamera

8 MP (F/2.0)

Funk

5G, LTE, .ax-WLAN, Bluetooth 5.1, NFC, GPS, GLONASS

Maße

166 x 72 x 7,9 Millimeter, 181 Gramm

Akku

4000 mAh

Extras

Wasserfest (IP65/68)
Stereo-Speaker
Fingerscanner (seitlich)
3,5-Millimeter-Klinkenanschluss

Software

Android 10

Preis

ab ca. 1100 Euro

Die Leistungstabelle zeigt es schon: Sony verbaut in seinem 1100-Euro-Flaggschiff das Beste, was der Komponentenmarkt derzeit hergibt. Qualcomms schnellster Prozessor inklusive 5G-Datenturbo ist an Bord, die Kamera ist zwar nicht so auflösungsstark wie manch Rivale, dafür aber besonders lichtstark. Das Display ist schärfer, als man es auf 6,5 Zoll Diagonale wahrzunehmen vermag.

Mehr Rechenkraft, als man benötigt
Aber der Reihe nach, zunächst zur Rechenleistung: Hier wird dank Snapdragon 865, einem der aktuell schnellsten Mobilprozessoren, einiges geboten. Im Test wäre uns keine App untergekommen, die diesen Chip ausreizt. Selbst hardwarehungrige Spiele wie „PUBG“ in der Mobilvariante laufen sauber. Die acht Gigabyte Arbeitsspeicher wirken im Vergleich zu den teils mit zwölf ausgestatteten Konkurrenzgeräten etwas altbacken, sind in der Praxis aber völlig ausreichend und genügen auch höheren Multitasking-Ansprüchen.

Tolles, scharfes OLED-Display ohne Loch
Das Display, das einen Großteil der Gerätefront einnimmt, ist ebenfalls höchst überzeugend: Es bietet überragende Schärfe, eine auch für den Außeneinsatz ausreichende Helligkeit, dank OLED-Technologie und HDR reichlich Kontrast und strahlende Farben. Die seitliche Ablesbarkeit ist gegeben, der Verzicht auf ein Loch im Display für die stattdessen oberhalb verbaute Frontkamera ist aus unserer Sicht kein Nachteil.

Manch einer könnte bemängeln, dass die Bildwiederholrate „nur“ 60 Hertz beträgt, während anderswo mitunter 120 Hertz geboten werden. Bedenkt man, dass davon im Grunde nur Spieler profitieren und eine höhere Bildwiederholrate zulasten der Akkulaufzeit ginge, wird das für viele User aber verschmerzbar sein.

Sehr gute Kamera mit Zeiss-Linse
Die Kamera des Xperia 1 II mit Zeiss-Linse ist ebenfalls gelungen: Sie bietet zwar „nur“ zwölf Megapixel Auflösung, liefert dank sehr schnellem Autofokus, hoher Lichtstärke und optischer Bildstabilisierung aber selbst unter widrigen Lichtbedingungen rauscharme und scharfe Ergebnisse. Bei gutem Licht gelingen ohnedies Aufnahmen, die eine Kompaktkamera für viele Menschen überflüssig machen werden.

Die Zusatz-Linsen für Weitwinkel- und Zoomaufnahmen erhöhen die Flexibilität, stoßen bei schlechtem Licht aber schneller an ihre Grenzen als die Hauptkamera. Für besonders dunkle Szenen gibt es einen Nachtmodus. Die Frontkamera machte im Test einen guten Job und sollte Selfie-Bedürfnisse problemlos befriedigen.

Extra-Kamera-Apps für Profis
Erwähnenswert: Sony spendiert seinem Xperia 1 II gleich drei Kamera-Apps: Die ganz „normale“ Kamera-App sowie je eine Profi-App für Fotografie und Filmerei, die eine Fülle von Einstellmöglichkeiten bieten - Filter, manuellen Fokus, Verschlusszeiten, Belichtung, Weißabgleich und andere Optionen, die man sonst eher bei klassischen Kameras und nicht bei Smartphones findet. Die Apps könnten für unseren Geschmack noch etwas flotter starten, sind aber gut gemacht und für Profis sicher nützlich.

Alte Tugenden: Klinke, Kamera-Auslöser, Info-LED
Apropos nützlich: Sony hält beim Xperia 1 II trotz moderner 5G-Technik, für die es momentan noch an erschwinglichen Tarifen und ausgebauten Netzen mangelt, an bewährten Features fest, die man bei den Oberklassegeräten anderer Hersteller kaum mehr findet. Dazu zählen eine 3,5-Millimeter-Klinke zum Anschluss verkabelter Kopfhörer, ein physischer Kamera-Auslöser und eine Benachrichtigungs-LED. Auch der Speicherkarten-Slot sei positiv hervorgehoben.

Griffige Haptik, saubere Verarbeitung
Haptisch macht das Sony-Smartphone eine gute Figur: Das Chassis aus Metall und Glas fühlt sich hochwertig an, sollte ob der ein wenig aus dem Gehäuse hervorstehenden Kamera aber mit einer Hülle geschützt werden. Die Gehäusesteifigkeit stimmt, das Gerät liegt griffig in der Hand, obendrein ist das neue Sony-Smartphone wasserdicht.

Der Fingerscanner an der Geräteseite arbeitet zuverlässig. Die Stereo-Speaker klingen für Smartphone-Verhältnisse exzellent und werden auf Wunsch vom Vibrationsmotor unterstützt - interessant etwa für Gamer. Kurzum: Ausstattung, Haptik und Handling sind eines Oberklasse-Smartphones würdig.

Erstaunlich gute Akkulaufzeit
Die Akkulaufzeit hat uns im Test positiv überrascht, immerhin beherbergt das Gerät ein extrem scharfes und somit entsprechend stromhungriges Display. Trotzdem kamen wir im Test auch bei intensiver Nutzung problemlos durch den Tag, viele Nutzer werden auch einen zweiten herausschinden können. Strom tanken klappt mit dem beiliegenden Schnellladegerät - nach einer Stunde ist der Akku wieder zu zwei Dritteln voll - oder kabellos über den Qi-Standard.

Gut gemachte Sony-Apps, aber auch Bloatware
Vorinstalliert am Xperia 1 II ist Android 10: An der Benutzerführung hat Sony kaum etwas verändert, die Japaner legen aber gut gemachte selbst entwickelte Anwendungen bei. Neben den Profi-Apps für Fotos und Videos zählen dazu etwa ein netzwerkfähiger Musik-Player und eine App, die den Spielemodus startet. Etwas Bloatware ist ebenfalls vorinstalliert: Soziale Netzwerke, ein Handyspiel und zwei Streaming-Dienste, die sich deaktivieren, aber nicht komplett deinstallieren lassen.

Fazit: Sony legt mit dem Xperia 1 II ein starkes Android-Flaggschiff vor, mit dem Freunde verkabelter Kopfhörer, Benachrichtigungs-LEDs, physischer Kamera-Auslöser und Feinde von Frontkamera-Löchern im Display viel Freude haben werden. Hier hebt sich die Sony-Neuheit wohltuend von der Konkurrenz ab. In allen anderen Belangen - Rechenkraft, Display, Kamera, Funkausstattung - zeigt sich das Gerät höchst konkurrenzfähig. Das darf man bei einem Preis jenseits der 1000 Euro aber auch erwarten …

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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