27.09.2020 06:00 |

Oral-B-Zahnbürste

iO Series 9: Wie clever ist das smarte Putzen?

Sie begrüßt Nutzer mit einem „Guten Morgen“ und schenkt ihnen ein Lächeln, wenn sie mit ihrer Arbeit zufrieden ist. Sie ist die neueste elektrische Zahnbürste von Oral-B, die iO Series 9, und verspricht dank „3D-Zahnflächenanalyse mit künstlicher Intelligenz“ eine optimale Reinigung aller Zahnflächen. krone.at hat getestet, wie intelligent die Bürste wirklich ist.

Eine elektrische Zahnbürste zu kaufen, zählt zweifelsohne zu den intelligentesten Dingen, die man für sich und das Wohl seiner Zähne tun kann. Aber wie intelligent ist es, sich eine „künstlich intelligente“ Zahnbürste zu kaufen, noch dazu, wenn diese aktuell günstigstenfalls rund 310 Euro kostet und damit ein Vielfaches einer konventionellen, also „dummen“ elektrischen Zahnbürste?

Skepsis ist bei der Oral-B iO Series 9 demnach durchaus angebracht, zumal es in der Vergangenheit bereits hinreichend schlechte Beispiele für die „Smartisierung“ bis dato gewöhnlicher Alltagsgegenstände gegeben hat. Nur weil es technisch machbar ist, muss es eben noch lange nicht sinnvoll sein, Dinge direkt oder via App mit dem Internet zu verbinden und sie „intelligent“ zu machen. Zugutehalten muss man der neuesten elektrischen Zahnbürste des Herstellers mit Magnetantrieb jedoch, so viel sei bereits verraten, dass die Integration der intelligenten Features gelungen ist - auch deshalb, weil sie optional nutzbar sind.

LED-Ring und OLED-Display
Charakteristisch und bereits ziemlich clever sind der schon vom Vorgängermodell bekannte LED-Ring und das interaktive OLED-Farbdisplay. Erster leuchtet rot auf, wenn zu fest aufgedrückt wird, bzw. grün, wenn der Putzdruck optimal ist. Letzteres gibt, u.a. abhängig vom Druck und der Dauer des Putzvorgangs, per Smiley Auskunft darüber, wie gut oder schlecht das Putzen war: Funkeln die Augen des Smileys wie kleine Sterne, könnte es besser nicht gewesen sein. Geht der Mundwinkel indes nach unten, besteht Verbesserungsbedarf.

Insgesamt sieben verschiedene Putzmodi stehen über das Display zur Auswahl. Im Vergleich zum Vorgängermodell neu hinzugekommen ist ein spezieller Modus zur Reinigung der Zunge. Die Auswahl erfolgt zwar nicht sonderlich intelligent, aber zumindest sehr intuitiv über die beiden Tasten der Zahnbürste.

Putz-Verfolgung in nahezu Echtzeit
Eine wirkliche Neuerung gegenüber der vorangegangenen Series 8 soll jedoch das „3D-Zahn-Tracking“ darstellen: Erst einmal via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, zeigt die dazugehörige App nahezu in Echtzeit an, welche Bereiche im Mund noch einer genaueren Zuwendung mit der Bürste bedürfen. Erst wenn Innen- und Außen- sowie Kaufläche der Zähne in der App strahlend weiß funkeln, wurde der Pflicht Genüge getan.

Ein bisschen Spaß muss sein
Damit der Spaß dabei nicht zu kurz kommt, setzt die Oral-B iO Series 9 im großen Stil auf Gamification und verteilt für jede Zahnputzsession Punkte. Darüber hinaus gibt es, wie von Videospielen bekannt, spezielle Achievements, also virtuelle Auszeichnungen für das Erreichen bestimmter Ziele. So werden mit der „Frühaufsteher“-Plakette etwa jene geadelt, die fünf Tage lang zwischen 3:30 und 6 Uhr ihre Zähne putzen. Umgekehrt wird man als „Mitternachtsputzer“ ausgezeichnet, wenn man über die gleiche Dauer von Tagen zwischen Mitternacht und 3 Uhr putzt. Plaque schläft schließlich nie, weiß die App. Dass Nutzer allein der virtuellen Auszeichnung wegen länger wach bleiben, um sich dann die Zähne zu schrubben, darf allerdings bezweifelt werden.

Sehr gute Putzleistung, Schwächen im Detail
So bleibt am Ende mehrerer Wochen des Putzens mit der Oral-B iO Series 9 ein zwiespältiger Eindruck. Unbestritten ist, dass sie eine hervorragende elektrische Zahnbürste ist. Das spürt und sieht man nach dem Putzen. Dass der Magnetantrieb deutlich mehr Power hat, dabei gleichzeitig jedoch leiser arbeitet als gewöhnliche elektrische Zahnbürsten, ist ebenfalls ebenso wenig von der Hand zu weisen wie die Tatsache, dass die Designer ein für eine elektrische Zahnbürste durchaus „elegantes“ Produkt entwickelt haben.

Verbesserungspotenzial gibt es dennoch. So fällt zum Beispiel negativ auf, dass es keinerlei Möglichkeit gibt, für verschiedene Benutzer der Bürste auch verschiedene Profile in der App anzulegen, was gerade für Familien, die sich die Bürste teilen, praktisch wäre. Hinzu kommt, dass sich die neuen Bürstenköpfe nicht mehr so gut voneinander unterscheiden lassen wie bei früheren Modellen, wo jeder Nutzer sein Exemplar mit einem farblichen Plastikring kennzeichnen konnte. Zwar gibt es auf jedem Bürstenkopf unterschiedliche Symbole, diese sind jedoch sehr klein und nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Verbesserungsfähig wäre auch die Standfestigkeit der Zahnbürste. Dass diese nur relativ leicht per Magnet mit der elektrischen Ladestation gekoppelt wird, ist durchaus funktional, macht sie aber auch anfälliger für Stürze. Ein stärkerer Magnet oder ein größeres Auflagemaß am Bürstenfuß könnten hier Abhilfe schaffen. Die Bürstenköpfe lassen sich aufgrund der schrägen Neigung gleich gar nicht mehr aufstellen - es braucht also zwingend einen Zahnputzbecher oder eine andere Form der Aufbewahrung.

Smart, aber letztlich sinnlos?
Nichts zu bekritteln gibt es indes an der Integration der intelligenten Funktionen und ihrem Zusammenspiel mit der App. Das funktioniert problemlos und darf als gelungen bezeichnet werden. Aber braucht es diese Features, die letztlich für den hohen Preis verantwortlich zeichnen? Wohl nur die wenigsten Nutzer dürften schließlich nach den ersten Tagen des Ausprobierens noch die Zeit und Muße finden, zum Zähneputzen morgens, eventuell auch mittags und abends zusätzlich das Smartphone zu zücken, um ihren Putzvorgang zu „tracken“.

Das muss man glücklicherweise auch gar nicht. Hat man nämlich erst einmal begriffen, dass man die Zahnbürste einfach nur gemächlich entlang der Vorder-, Hinter- und Oberseite der Zähne fahren lassen muss, kann man sich den Aufpreis für das intelligente Tracking sparen und beispielsweise zur rund 100 Euro günstigeren Series 7 greifen. Den gesparten Betrag könnte man dann etwa in einen Jahresvorrat an Zahnpasta investieren.

Noch billiger geht es freilich mit einer elektrischen Zahnbürste mit „altem“ Antrieb. Dazu noch für wenige Euro eine Eieruhr, um beim Putzen die Zeit zu stoppen, fertig. Das mag vielleicht nicht „intelligent“ sein, scheint angesichts der Ersparnis aber relativ clever zu sein.

Fazit: Der große Vorteil der Oral-B-iO-Series liegt im leisen und dennoch leistungsstarken Magnetantrieb. Auch der LED-Leuchtring und das OLED-Display samt Timer-Funktion erweisen sich als praktische Helfer im Zahnputz-Alltag. Features wie das 3D-Zahn-Tracking oder die Achievements erweisen sich dagegen recht bald trotz gelungener Implementierung als zwar nettes, aber letztlich überflüssiges Gimmick. Dankenswerterweise ist deren Nutzung optional, der Griff zum Smartphone daher keine Voraussetzung. So ist zumindest gewährleistet, dass sich die Zahnbürste weiterhin nutzen lässt, sollten etwaige Oral-B-Server einmal abgeschaltet werden. Bezahlen muss man für die Features am Ende aber trotzdem, ob man sienun nutzt oder nicht, und zwar nicht wenig.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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