21.08.2020 08:00 |

Schöner alter Brauch

Wenn noch der Brautführer den Hochzeitszug anführt

Er braucht Nerven aus Drahtseilen, resolutes Auftreten, viel Selbstbewusstsein und einen Stecken aus Haselnuss: der Brautführer nach alter Tradition - wie etwa Albin Wiesenhofer aus Deutschfeistritz.

Der Deutschfeistritzer ist in Sachen Brautführer ein absoluter Profi, sicher 50 Damen hat er schon vom Anfang bis zum End’ durch die Zeremonie geführt. Das Wissen um diese ehrenhafte Aufgabe gibt der Steirer auch gern weiter.

Und er weiß, wie sich das Bild des Brautführers verändert hat: „Regional hatte dieser immer verschiedene Aufgaben. Im Oberland zum Beispiel hat er G’stanzl gesungen, bei uns nie.“ Aber: Einst musste der Brautführer auch noch „schussfest sein“, grinst er, „weil rund um die Hochzeit viel mehr geschossen wurde!“ Schon allein, weil der Brautführer gleichzeitig der Hochzeitseinlader war/ist: „Früher hat er vor dem Haus der Eingeladenen in die Luft geschossen, von der Anzahl der Schüsse her konnten die Hausbewohner gleich ableiten, wie viele von ihnen willkommen sind beim Fest.“

Die große Arbeit beginnt für den Brautführer dann am Hochzeitstag - denn da ist er der Zeremonienmeister. „Der Brautführer begleitet die Braut durch den Tag und führt den Hochzeitszug an. Er muss sich durchsetzen können.“ Vor allem beim „Zusammentrommeln“ aller hat er das Sagen, oder wenn es zum Beispiel ums Posieren für die Fotos geht.

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Man braucht Selbstbewusstsein: Es gibt Kollegen, die als Kasperl tituliert und ignoriert wurden

Albin Wiesenhofer, begnadeter Brautführer

Und dass man halbwegs im Zeitplan bleibt, „das ist gerade am Land manchmal schwierig“. Kein Wunder, allein das „Aufhalten“ des Hochzeitszugs durch Bekannte - und die „Auslöse“ via Schnapserl oder Spiele - dauert oft genug ein Vielfaches von dem, was eingeplant wurde.

Der Brautführer muss ein gutes Selbstbewusstsein haben: „Es gibt Kollegen, die als ,Kasperl‘ tituliert und ignoriert wurden, das ist nicht lustig.“ Oder solche, denen alles aus dem Ruder gelaufen ist: „Einmal hat die Hochzeitsgesellschaft so lange auf die entführte Braut gewartet, dass alle schwer betrunken waren, inklusive des Brautpaars. In Folge war’s Schluss mit lustig, es wurde randaliert, die Feier fand ein abruptes Ende.“

Der Deutschfeistritzer will nächstes Jahr ein Seminar in Sachen Brautführer initiieren und sein Wissen weitergeben. Denn: „Nur wenn ein Brauch auch gelebt wird, geht er nicht verloren.“ Informationen: a.wiesenhofer@volksklang.at

Die Serie „Der steirische Brauch“ ist eine Initiative der Volkskultur Steiermark und der „Krone“

Christa Blümel
Christa Blümel
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