19.08.2020 11:39 |

Bluetooth-Probleme

Corona-Apps in Bus oder Bahn nicht wirkungsvoll

Corona-Apps zur Kontaktprotokollierung nutzen den Kurzdistanzfunk Bluetooth, um Begegnungen zu erfassen. Das funktioniert allerdings nicht so reibungslos, wie man sich das erhofft hatte: Irische Forscher haben festgestellt, dass Umgebungen mit viel Metall - also etwa öffentliche Verkehrsmittel - Bluetooth-Signale reflektieren und damit die Erfassung stören. Es kommt zu falschen oder fehlenden Begegnungen.

Die Studie aus Irland ist unter anderem beim IT-Portal „Heise“ Thema, wo man die Erkenntnisse als Indiz dafür sieht, dass die deutsche Corona-Warn-App in Öffis in vielen Fällen die Kontakte nicht korrekt protokolliert. Bedenkt man, dass auch die österreichische Variante primär auf Bluetooth setzt, könnte auch sie in Bussen, Zügen, Straßen- und U-Bahnen Probleme haben.

Bluetooth-Signale erlauben keine präzise Ortung
Für ihre Studie haben die Informatiker des Trinity College Dublin überprüft, was passiert, wenn in einer Straßenbahn zwei App-Nutzer längere Zeit nahen Kontakt haben - und staunten, dass die von ihnen geprüfte App in keinem einzigen Fall die Kontakt-Erkennungsregeln korrekt anwenden und einen Annäherungsalarm auslösen konnte.

Auf Basis der Bluetooth-Signalstärke, so die Erkenntnis, kann in einem öffentlichen Verkehrsmittel aufgrund der Reflexionen nicht präzise festgestellt werden, wie weit entfernt ein anderer App-Nutzer bzw. dessen Smartphone ist. Dabei ist die Entfernung aber der zentrale Faktor bei der Ermittlung der Kontakte. Bei der österreichischen „Stopp Corona“-App beispielsweise müssen zwei Personen länger als 15 Minuten mit weniger als zwei Metern Distanz Kontakt gehabt haben, damit protokolliert wird.

Unterschiedliche Richtlinien für Kontakterfassung
Ob die Apps in Öffis anschlagen, hänge somit auch damit zusammen, wie streng die App Kontakte protokolliert - und hier gibt es länderspezifische Unterschiede. Während nach den etwa in Deutschland und der Schweiz angewendeten Kriterien für eine Kontaktprotokollierung im Versuch gar kein Abstandsalarm erfolgte, habe man nach italienischen Standards zumindest 50 Prozent korrekt erkannte Kontakte gehabt - aber auch 50 Prozent falsche. Fazit der Forscher: Eine Zufallsauswahl wäre auch so präzise.

Gleiche Smartphones, gleiche Tätigkeiten
Um Fehlerquellen wie unterschiedliche Smartphones oder verschiedene Nutzungsszenarien ausschließen zu können, haben die Forscher bei ihrer Studie alle Probanden mit dem gleichen Smartphone ausgestattet - einem Google Pixel 2. Außerdem ließ man sie bei der Kontrollfahrt in der Straßenbahn alle die gleichen Aktivitäten auf ihren Geräten ausführen und alle über ein und denselben WLAN-Hotspot online gehen, um äußere Einflüsse auf die Bluetooth-Genauigkeit auszuschließen. Die Beobachtungen aus Irland sollen nun von anderen Forschern überprüft und validiert werden.

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