Ankunft mit 14, nun 18

Juwara: Vom Flüchtlingsboot zum neuen Italien-Star

Ronaldo? Nein. Ibrahimovic? Denkste. Musa Juwara heißt der junge Mann, der in Italien derzeit für Schlagzeilen sorgt. Er kam am 10. Juni 2016 mit einem Flüchtlingsboot in Italien an. Mit 14. Ohne seine Eltern. Jetzt brillierte und traf er (18) gegen Inter Mailand. 

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Boote versuchen Tag für Tag das Mittelmeer zu überqueren. Sie sind für viele Menschen die einzige Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Boote, die manchmal das Glück haben, nicht alleine auf den Wellen unterwegs zu sein, sondern in der Begleitung eines großen Schiffes. In einem dieser Boote saß der Held dieser Geschichte, der am Sonntag beim 2:1-Sieg gegen Inter Mailand für Bologna traf und somit halb Italien in Verzückung setzte. Das war sein erstes Tor in der Serie A.

Mit der Hilfe vom Schiff einer deutschen NGO aus Frankfurt, FGS, kam Juwara schließlich in Messina, in Sizilien an. Von da an ging seine Geschichte so weiter, wie die von jedem minderjährigen Flüchtling: Juwara wird in ein Auffanglager weiter nach Norden, nach Routi in der Provinz Basilicata, gebracht. Da bekommt er kleinere Arbeiten, damit er ein bisschen was für seinen Unterhalt verdienen kann. Und er beginnt wieder mit dem Fußball und zwar beim lokalen Team, bei Virtus Avigliano.

Schlüssel-Treffen
Und hier kommt es zu einem Treffen, das eine Schlüsselrolle in seinem Leben spielen wird: Er lernt seinen neuen Trainer Vitantonio Summa kennen. Der Coach und seine Ehefrau nehmen sich seiner an. Sie werden zu seinen Pflegeeltern. Und der Trainer zu einer Art Vaterfigur für den Bub. Kein Wunder, dass er sein Tor gegen Inter ihm widmet: „Zuerst muss ich mich bei meinem Trainer Sinisa Mihajlovic (unten im Bild) bedanken, weil er einen Jungen, wie mich, gegen Inter auf den Platz schickte. Ansonsten widme ich das Tor meiner Familie und jedem, der mir geholfen hat, so weit zu kommen.“

Auf den Fußballfeldern von Basilicata sieht Papa Vitantonio, dass sein Ziehsohn dribbelt und trifft. Immer wieder bringt er seiner Mannschaft den Erfolg, der Gewinn der regionalen Meisterschaft erregt auch die Aufmerksamkeit von Chievo Verona. Und der blau-gelbe Klub verpflichtet ihn. Bei der U18 wird es klar: Der Fußball, seine größte Leidenschaft, wird auch sein Beruf. Und 2019 kommt Bologna und sichert sich sein Spielrecht für 500.000 Euro.

„Er ist ein braver Bub, wohlerzogen und sehr sensibel. Wenn er aber auf dem Feld ist, hat er keine Angst“, erzählt sein jetziger Trainer Sinisa Mihajlovic der italienischen „Corriere Dello Sport“ gegenüber. Mit einem trockenen Linksschuss in die untere Ecke ließ Juwara dem Star-Goalie Handanovic keine Chance. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich spiele, aber Sinisa gab mir das Vertrauen und dieses Tor wird mich mein ganzes Leben begleiten“, sagte er.

Und dachte dabei wohl auch den Sommer, als er auf der Suche nach Glück in Europa angekommen war.

krone Sport
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