23.05.2020 01:43 |

Kann tödlich sein

So gefährlich ist die falsche Sitzposition im Auto

Moderne Autos sind verhältnismäßig sicher gebaut. Sicherheitsgurte mit Gurtstraffern, Airbags, dazu elektronische Helfer, die Autohersteller setzen alles daran, um Unfallfolgen mit technischem Aufwand zu mildern. Doch allzu oft machen ihnen Autofahrer und Mitfahrer einen Strich durch die Rechnung und riskieren schwerste Verletzungen - durch die falsche Sitzposition!

Der ÖAMTC hat gemeinsam mit seinen Partnerklubs untersucht, wie sich unterschiedliche Sitzpositionen auf die Insassensicherheit und Verletzungsschwere bei Unfällen auswirken. Dafür wurden diverse Tests durchgeführt, bei denen die Dummys aufrechte und liegende Positionen einnahmen. „Die Resultate zeigen klar, dass sich eine zurückgelehnte Sitzposition oder Füße am Armaturenbrett fatal auswirken können. Schon bei einem Crash mit 30 km/h sind schwere oder sogar tödliche Verletzungen möglich“, fasst ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé die Ergebnisse zusammen.

Damit die Rückhaltesysteme ihr volles Schutzpotenzial entfalten können, muss die Abstimmung zwischen Gurt, Airbags und der Sitzposition stimmen. „Bei einer stark zurückgelehnten Sitzposition besteht die Gefahr des sogenannten ‘Submarining‘: Bei einem Crash bewegt sich der Insasse aufgrund der hohen Beschleunigung nach vorne und der Beckengurt rutscht Richtung Abdomen. Das kann schwere bis tödliche Verletzungen im Bauchraum verursachen“, erklärt der Techniker des Mobilitätsklubs.

Die eigenen Knie können tödlich sein
Ebenso verhängnisvoll sind Füße auf dem Armaturenbrett, wie sie bei längeren Fahrten, etwa in den Urlaub, öfters bei Insassen zu sehen sind. Der Crashtest zeigt: Bei einer frontalen Kollision wird der im Armaturenbrett verbaute Frontairbag ausgelöst und drückt die Füße des Dummys nach oben. Aufgrund der zurückgelehnten Sitzposition wird der Oberkörper stärker beschleunigt und prallt mit dem Kopf auf das eigene Knie bzw. Schienbein. Beim Zurückschleudern dreht sich der Dummy aus dem Gurt und trifft die Kopfstütze nicht mehr. „Bei einem realen Unfall würde das zu schwersten bis tödlichen Verletzungen im Kopf, an der Wirbelsäule und/oder in den Beinen führen“, warnt der Experte und stellt klar: „Auch wenn es bequem erscheinen mag, ist eine derartige Sitzposition bei allen Fahrten zu unterlassen.“ Hier ist auch an die Lenker zu appellieren, dass sie ihre Mitfahrenden zur Einhaltung einer korrekten Sitzposition ansprechen.

Roboterautos als Problem für die Rückhaltesysteme
Variable Sitzpositionen sieht man häufig bei futuristisch anmutenden Konzepten von automatisierten Fahrzeugen. Die neuen Innenraumgestaltungen reichen von einer zurückgeneigten Rückenlehne bis zur Verdrehung des Sitzes um 180 Grad, um sich mit den Mitfahrenden zu unterhalten. „Sobald im Zuge der Automatisierung der Fahrzeuge neue Sitzpositionen zugelassen werden, müssen die über Jahrzehnte weiterentwickelten und bewährten Gurt- und Airbagsysteme angepasst werden. Auch die Fahrzeugstruktur muss so gestaltet werden, dass Kollisionen der Insassen mit der A- oder B-Säule und dem Armaturenbrett verhindert werden“, fordert der ÖAMTC-Verkehrstechniker. In der Folge müssten dann ebenso die Messmittel und Testszenarien entsprechend weiterentwickelt werden.

"Das vollautomatisierte Fahren mit gedrehten oder liegenden Sitzen liegt noch in der Zukunft. Bis dahin gilt weiterhin: Sitz und Nackenstütze richtig einstellen, auf die Körpergröße anpassen und unbedingt den Sicherheitsgurt verwenden. Denn nur die Verwendung des Sicherheitsgurtes sowie eine korrekt eingestellte Sitzposition bieten einen optimalen Schutz im Falle eines Unfalles.

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