11.05.2020 10:00 |

Obmann im Interview

Tiroler Tourismus: Start mit angezogener Bremse

Josef Hackl, Obmann der Sparte Tourismus in der Wirtschaftskammer Tirol, appelliert an eine rasche Grenzöffnung. Denn ohne ausländische Gäste funktioniert Tourismus nicht! Viele Betriebe hängen in der Luft.

Die Situation ist viel dramatischer, als viele glauben. Das sagt Josef Hackl über die aktuelle Situation des Tourismus in Tirol. Während der Warenverkehr über die Grenzen unbehindert stattfinden kann, ist für den Tourismus noch immer keine Lösung in Sicht.

„Ohne Grenzöffnung funktioniert der Tourismus nicht und auch wenn die Gastronomie ab kommenden Freitag - 15. Mai - und die Hotellerie ab 29. Mai mit angezogener Handbremse wieder aufsperren dürfen, ist das alles noch keine Lösung, die wirklich weiterhilft“, schlägt der Seniorchef des „Goldenen Adlers“ in der Innsbrucker Altstadt Alarm.

Auch Kinos, Bäder und Tanzschulen betroffen
Die Leitbranchen im Tiroler Tourismus – Hotellerie, Gastronomie und Seilbahnen – haben bereits wiederholt auf die dramatische Situation und die verheerenden Auswirkungen hingewiesen. Aber es gebe ja noch eine Reihe anderer Unternehmen in der Branche, welche zumindest gleich schwer getroffen sind. „Ich denke an hier zum Beispiel an die Reisebürobranche die mit 240 Betrieben, die Tanzschulen, die Campingplätze, die Fremdenführer, die Bäderbetreiber oder Kinoanbieter. Auch sie stehen vor einer schier aussichtslosen Situation und sollen dennoch nicht den Mut verlieren“, zeigt Obmann Josef Hackl auf.

Die Hilfspakete kommen nicht bei Betrieben an
Die groß angekündigten Hilfspakete, trotz vieler versprochener Milliardenbeträge, kommen laut Hackl nicht oder nicht effizient genug an. „Aber fest steht, dass es Tausende Menschen im ganzen Land gibt, die die Folgen dieser notwendigen Corona-Maßnahmen überstehen müssen – im wahrsten Sinn des Wortes. Es geht bei vielen Betrieben um das Überleben um Existenzängste und teilweise macht sich natürlich Verzweiflung breit. Seit der 1000-Mark-Sperre gab es keinen derartigen Rückschlag für unserer Branche“, sagt der Spartenobmann besorgt.

Liquidität der Betriebe stimmt nachdenklich
Die Krise habe aber auch eines deutlich gezeigt: Die meisten Betriebe können keine ein bis zwei Monate ohne finanzielle Unterstützung des Staates überleben. „Das macht mich nachdenklich und betroffen. Da muss es in Zukunft ein Umdenken geben. Das Geld, das wir jetzt vom Staat bekommen, müssen wir – Unternehmer wie Mitarbeiter – über kurz oder lang wieder zurückzahlen“, zeigt Hackl auf.

Er kann sich vorstellen, dass man sich in Zukunft absichert - anlog der die Ernteausfallversicherung für die Landwirtschaft oder die Bauarbeiterurlaubskasse für die Baubranche. „Wir müssen unser Risikomanagement überdenken“, sagt der WK-Chef-Touristiker.

Weniger Steuern und Bürokratie für alle
Und das sind seine konkreten Forderungen:

  • Steuerliche und bürokratische Entlastungen um sicherzustellen, dass diese Maßnahmen von uns und für unsere Betriebe auch finanziert werden können.
  • Einmalige, aber ausreichende Mittel, um die Betriebe durch die Krise zu bekommen – zum Beispiel Zuschüsse zu Betriebskosten.
  • Eine befristete Rücknahme der Mehrwertsteuer um die Betrieb rascher wieder fit zu bekommen.
  • Steuerreform die sowohl Unternehmer als auch Arbeitnehmer begünstigt.
  • Wir werden überlegen müssen, ob wir nicht auch professionelle psychologische Hilfe für unsere Unternehmerinnen und Unternehmer anbieten müssen.
Markus Gassler
Markus Gassler
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