Coronavirus in OÖ:

Drittes Todesopfer: Weiteres Altenheim betroffen

Das Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern bestätigt den Todesfall einer 95-jährigen Patientin, der im Zusammenhang mit einer COVID-19 Infektion zu betrachten ist. Währenddessen steigen die Zahlen der Infizierten weiter rasant an. Mittwochmorgen waren 860 Fälle offiziell bestätigt. Bei mindestens acht Bewohnern eines Altenheims in Neuhofen an der Krems soll nun der Corona-Virus nachgewiesen worden sein. Auch im Seniorenheim Braunau wurde ein Mitarbeiter positiv getestet. Rund zwölf Bewohner wurden im vierten Stock von den anderen isoliert und werden im Laufe des Tages getestet. Das Land Oberösterreich hat am Dienstagabend rechtliche Schritte gegen zwei „Testverweigerer“ angekündigt. Bei Überprüfungen an der Volksschule Alberndorf (Bezirk Urfahr-Umgebung) ließen zwei Eltern den Abstrich bei ihren Kindern nicht zu.

„Die Patientin ist im Alter von 95 Jahren gestern Abend in unserem Krankenhaus verstorben. Sie wurde am Mittwoch, 18.3., bei den Barmherzigen Schwestern stationär aufgenommen und litt an einer Reihe von Grunderkrankungen“, erklärt Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Direktorin am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern. Der Todesfall wurde auch bereits vom Land OÖ bestätigt.

Mitarbeiter von Seniorenheim infiziert
Drei Mitarbeiter des Seniorenheims Braunau klagten über Symptome. Bei einem war der durchgeführte Corona-Test positiv, bei den beiden anderen negativ. Alle drei wurden aber frühzeitig abgezogen und befinden sich in häuslicher Quarantäne. Rund zwölf Bewohner wurden im vierten Stock des Seniorenheims isoliert und werden im Laufe des Tages auf den Virus getestet. Bis jetzt zeigt keiner der Bewohner irgendwelche Symptome. Auch die Mitarbeiter, welche mit dem Betroffenen engeren Kontakt hatten, wurden getestet. Die Testergebnisse stehen noch aus.

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Wir haben eine Gruppe von rund zwölf Bewohnern räumlich abgesondert. Keiner von ihnen zeigt Symptome, wir werden sie aber sicherheitshalbar trotzdem testen.

Gerald Kronberger, Bezirkshauptmann Braunau

Bewohner vom Altenheim betroffen
Am vergangenen Freitag waren zwei Bewohner eines Altenheims in Neuhofen an der Krems stationär im Spital aufgenommen worden und dabei auch auf Corona getestet worden. Beide hatten den Covid-19-Virus in sich. Als bei zwei weiteren Bewohnern Fieber auftrat, wurden am Sonntagvormittag auch sie untersucht und beide ebenfalls positiv getestet.

Alle werden getestet
Bis Montagabend stieg die Zahl der Infizierten auf acht an. Nun werden alle 98 Bewohner und 73 Pflegedienstmitarbeiter des Heims vorsichtshalber getestet. „Die Ergebnisse dürften noch heute im Laufe des Tages vorliegen“, sagt Bezirkshauptmann Manfred Hagenauer.

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Ergebnisse dürften noch heute vorliegen

Bezirkshauptmann Manfred Hagenauer

Strengere Maßnahmen in Alten- und Pflegeheimen
Seit Beginn der Covid-19-Krise wird durch mehrere organisatorische Maßnahmen in den Alten- und Pflegeheimen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen sichergestellt, dass die Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen bestmöglich geschützt sind, insbesondere:

  • Besuchsverbote
  • keine Gruppenbildungen von Mitarbeiter/innen auf Allgemeinflächen der Einrichtungen
  • lückenlose Umsetzung der Hygienestandards
  • Sensibilität bei Erkrankungsanzeichen von Bewohner/innen oder Kolleg/innen
  • vollständige Trennung der einzelnen Funktionsbereiche

Mediziner fallen aus
Zudem waren laut Krisenstab des Landes am Montag 27 Ordinationen von niedergelassenen Ärzten aufgrund von Corona-Erkrankungen oder Quarantänemaßnahmen geschlossen. In den Spitälern fallen aktuell fünf Prozent der Mediziner aus - allerdings seien das nicht nur Covid-Infizierte, sondern auch andere kranke Ärzte. Im Pflegebereich werde die Zahl nicht zentral erhoben, hieß es am Montag.

Acht Gemeinden
Zusätzliche Maßnahmen gibt es nun in acht Mühlviertler Gemeinden mit besonders vielen Coronavirus-Fällen. Die Stimmung in den Orten war bei einem Lokalaugenschein wie ausgestorben, die Menschen machen sich Sorgen. Derzeit sind laut Land OÖ 6618 Menschen in Oberösterreich in Quarantäne, 810 sind infiziert. 

Geisterstimmung
Wenn Sie über 65 Jahre alt sind, raten wir Ihnen eindringlich, Ihren Wohnsitz nicht zu verlassen„, lautet eine der Polizeidurchsagen, die derzeit immer wieder über Lautsprecher in den Gemeinden Sankt Georgen/G., Luftenberg, Katsdorf, Ried/R., Mauthausen, Langenstein, Alberndorf/R. und Altenberg bei Linz verlautbart werden: “Etwa jede Stunde fahren sie durch„, schätzt Tankstellenbetreiber und Wirt Daniel Raml aus Altenberg. Doch die von Corona hart getroffenen Orte sind jetzt ohnehin wie ausgestorben: “Es herrscht Geisterstimmung bei uns.

Nach Chorwochende
Auslöser für diese Ausnahmesituation war ein Chorwochenende des Gesangsvereins St. Georgen an der Gusen. 38 der 44 Sänger sind infiziert.Dass der Gesangsverein so beschimpft wird, ist nicht in Ordnung. Als der Termin stattfand, war von Ausgangsbeschränkungen keine Rede„, meint Gemeinderat Gerald Bauer (Grüne). Sowohl in St. Georgen als auch in Luftenberg rätseln nun viele, ob es zu einer “echten Quarantäne kommen kann." Die Verunsicherung ist groß, kennt Bürgermeisterin Hilde Prandner die Sorgen der Menschen. 

Wie ein schlechter Traum
Auch in Katsdorf ist die Anspannung groß: “Man sieht jetzt gar niemand mehr. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Film oder einem schlechten Traum. So als ob das gar nicht real wäre„, stellt sich für Stefan Brunnhofer die aktuelle Lage dar. Auch in Ried in der Riedmark sind die Straßen menschenleer. Elektro-Techniker Matthias Wahl lobt die Disziplin: “Die meisten Leute sind vernünftig.Die Durchsagen der Polizei werden oft gar nicht gehört, weil ja niemand mehr draußen ist.

Antje Winkler (li.), Bäckerin in Mauthausen: „Bei uns in den Bäckereien ist die Stimmung schlecht. Kunden versuchen, jeden Schritt zu vermeiden. Dabei ist der Weg zum Bäcker erlaubt!“(Bild: © Harald Dostal)Martin Tanzer, Bürgermeister Alberndorf: „Es herrscht in Alberndorf keine Panik, auch wenn es eine neue Situation für alle ist. Wir betonen auch immer wieder, dass dies keine Quarantäne ist.

Stimmung ist nicht schlecht
Auch in Mauthausen und Langenstein gibt es Durchsagen: “Die Stimmung ist dennoch nicht schlecht“, sagt Christian Aufreiter, Bürgermeister in Langenstein. Seit gestern ist hier ein Corona-Drive-in in Betrieb.

Nein zu Urfahranermarkt
Für diese acht Gemeinden herrschen verschärfte Maßnahmen, um die Verbreitung des Virus zu bremsen. Von der Möglichkeit ganze Orte - wie etwa Tirol - unter Quarantäne zu stellen hält LH Thomas Stelzer nichts. Mittlerweile wurde dastraditionelle Maibaum-Aufstellenam Linzer Hauptplatz von Bürgermeister Klaus Luger abgesagt. Dieser sprach sich auch schon Sonntag im “Krone"-Interview für eine Absage des traditionellen Urfahranermarktes aus.

VP-Politikerin angesteckt
Mit der Abgeordneten Regina Aspalter aus Maria Neustift (Steyr-Land) ist auch eine VP-Politikerin positiv auf das Virus getestet worden. Sie befindet sich in häuslicher Quarantäne und auf dem Weg der Besserung.

Bezirks Gesamtübersicht in OÖ (Stand laut Land OÖ, 25. März, 8 Uhr):

  • Linz 115
  • Steyr 12
  • Wels 32
  • Braunau 18
  • Eferding 12
  • Freistadt 47
  • Gmunden 29
  • Grieskirchen 15
  • Kirchdorf 19
  • Linz-Land 86
  • Perg 114
  • Ried 20
  • Rohrbach 68
  • Schärding 23
  • Steyr-Land 39
  • Urfahr-Umgebung 117
  • Vöcklabruck 48
  • Wels-Land 44

Kurzarbeit bei voest
Weil die Nachfrage aus der Automobil-, Luftfahrt-, Maschinenbau- sowie Öl- und Gas-Industrie in den letzten Tagen eingebrochen ist, zieht die voestalpine nun die Reißleine. Der von Linz aus agierende Konzern wird in rund 50 Konzerngesellschaften in Europa Kurzarbeit anmelden. So will man flexibel bleiben und die Arbeitsplätze im Unternehmen, so gut wie es in dieser schwierigen Lage möglich ist, absichern.

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Donnerstag, 09. April 2020
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