22.03.2020 05:03 |

Fiese Vorurteile

Diabetiker sind nicht übergewichtig und faul!

Diabetes hat viele Gesichter: Betroffene dieser chronischen Erkrankung sind nicht, laut der oft herrschenden Meinung, stets „alt, dick und unsportlich“.

Diabetes hat unterschiedlichste Ursachen und präsentiert sich auf verschiedenste Weise. „Darum ist es so problematisch, wenn Betroffene über einen Kamm geschoren werden und ihnen vorgeworfen wird, dass sie ,selbst schuld‘ wären und sie ja ,nur den Lebensstil‘ ändern müssten. Zusätzlich führt diese Vereinfachung zu verspäteten Diagnosen“, erklärt Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Susanne Kaser, UniKlinik für Innere Medizin I der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsidentin der ÖDG (Österreichische Diabetesgesellschaft) und gibt einen Überblick:

  • Diabetes Typ 1
    Diese Autoimmunerkrankung bildet sich meist im Kindes- oder Jugendalter aus. Fünf bis zehn Prozent aller Diabetiker leiden an dieser Form, sie hat nichts mit einer Lebensstilerkrankung zu tun. Patienten müssen ein Leben lang mit einer Insulintherapie umgehen lernen. Selbstmanagement ist (mit Hilfe der ganzen Familie) gefragt.

  • LADA-Diabetes
    Auch im Erwachsenenalter kann „Zucker“ als Autoimmunerkrankung auftreten. Hier spricht man vom LADA (Late autoimmune diabetes in adults). Dieser ist meist von weniger stark ausgeprägten Symptomen begleitet, die auch nicht so akut einsetzen. Das erhöht die Gefahr, dass die Erkrankung lange unentdeckt bleibt und Schäden verursacht.

  • Diabetes Typ 2
    Von dieser Variante sind über 90 Prozent aller Patienten betroffen. Das Leiden geht häufig mit Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten einher, tritt aber auch bei Normalgewichtigen auf. Das Risiko steigt bei jenen, deren Eltern ebenfalls daran erkrankt sind.

  • MODY-Diabetes (Maturity Onset Diabetes of the Young)
    Diese rein erbliche Form gibt es eher selten. Sie entsteht im frühen Erwachsenenalter meist bei Normalgewichtigen, die aber eine starke erbliche Vorbelastung haben.

  • Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes)
    Etwa 10 Prozent aller Frauen „guter Hoffnung“ erkranken daran. Es wird im Rahmen des Zuckerbelastungstests diagnostiziert, der zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche verpflichtend durchgeführt wird. Wird das Leiden nicht behandelt, gefährdet das Mutter und Kind.

  • Prädiabetes
    Darunter versteht man Erkrankungsvorstadien (großteils Typ 2), in denen erhöhter Nüchternblutzucker (IFG) oder gestörte Glukosetoleranz (IGT) vorliegen, aber noch keine „echte Krankheit“ besteht.

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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