Schlaganfall erlitten

Farkas: „Ich dachte kurz, dass das mein Ende ist“

Vor zwei Monaten schockte Salzburg-Verteidiger Patrick Farkas ganz Österreich mit seinem Zusammenbruch im Training des Fußball-Meisters. Nun spricht er im Interview mit der „Krone“ über die Schockdiagnose Schlaganfall und welche Auswirkungen sie für sein Leben hat.

Patrick, dein Kollaps vor zwei Monaten war ein Schock. Jetzt sprichst du erstmals öffentlich darüber. Wie geht es dir gesundheitlich?
Mir geht’s sehr gut. Ich habe alles sehr gut verdaut und überstanden.

Was ist am Montag, dem 21. Oktober, passiert?
Es war um 9.40 Uhr, als sich bei einem Krafteinsatz ein Gerinnsel gelöst hat und ins Hirn geschossen ist. Das hat meine komplette rechte Seite plötzlich lahmgelegt. Ich lag gefangen im eigenen Körper im Trainingszentrum in Taxham. Ich konnte weder schreien, noch mich bewegen. Nach zehn Minuten kam (Integrationsmanager) Dragan, hat Hilfe geholt. Die Versorgung anschließend verlief super.

Wie hast du diese zehn Minuten erlebt?
Ich bin ruhig geblieben. Erst hab’ ich den rechten Fuß und die rechte Hand nicht bewegen können. Dann hat mein Gesicht leicht zu hängen begonnen. Mir wurde bewusst, dass um 10 Uhr eine Besprechung starten sollte. Es musste jeden Augenblick jemand kommen. Diese zehn Minuten waren extrem schlimm. Ich wollte mich bewegen, konnte aber nicht. Ich habe überlegt, was gerade passiert, habe kurz gedacht, dass das mein Ende ist.

Hilfe war rasch da, du kamst ins Spital. Welche Erinnerungen hast du?
Nachdem sie mich gefunden haben, die Rettungskräfte kamen, habe ich alles verstanden, konnte aber nicht reden. Am Weg ins Spital habe ich so richtig nachzudenken begonnen. Für mich war klar: Alles wird gut! Im Krankenhaus haben sie mir eine Flasche angehängt. Danach konnte ich langsam meine Zehen wieder bewegen. Die ersten Worte habe ich gelallt, ich konnte dann aber rasch wieder erste Sätze sprechen.

Du wolltest auch nicht lange im Spital bleiben?
Ich wollte es am Tag danach verlassen, dachte, dass ich am Mittwoch gegen Napoli spielen kann. Dann haben mir Ärzte erklärt, wie viel Glück ich hatte. Sie haben mir die Augen geöffnet, gesagt, dass ich froh sein muss, dass es so ausging.

Wie lautete die Diagnose?
Mir wurde gesagt, dass es ein Schlaganfall war – und kein kleiner! Da wusste ich aber noch nicht, dass ich ein Loch im Herzen habe.

Wie bitte?
Ja, das haben die Ärzte am Mittwoch in der Herzrückwand gesehen. Es war heftig, aber ich war im Kopf klar. Mein Ziel war, so schnell wie möglich zur Mannschaft zu kommen. Mir fiel aber die ganze Zeit der Löffel aus der Hand, meine Koordination war schlecht. Da wusste ich, dass es Zeit braucht.

Was bedeutet dieses Loch für dein Leben, die Karriere?
Nachdem ich die Tränen meiner Freundin und Familie sah, war klar, dass ich ihnen das nicht mehr antun kann, das Loch verschließen lassen muss. Ich war aber eine Woche später in Heidelberg bei einem Spezialisten. Der meinte, dass ich kein Vorhofflimmern, keine Einkerbung im Herzen hab’. Daher ist eine OP jetzt nicht nötig, lasse ich diese erst nach der Karriere machen.

Hast du keine Angst davor, wieder zu kollabieren?
Ich nehme ja Blutverdünner. Bei einer Einkerbung im Herzen liegt das Risiko bei 20 Prozent. Da ich keine habe, ist dieses verschwindend gering. Bei zwei 72-Stunden-EKGs hat alles passt. Ich habe überhaupt keine Einschränkungen. Außerdem birgt eine Operation auch immer Risiken.

Wie siehst du die Geschehnisse der letzten zwei Monate in der Retrospektive?
Als eine Phase, die sehr lehrreich war. Ich muss mich bei meiner Familie, meinen Freunden und vor allem bei meiner Freundin Chrisi bedanken, die nie von meiner Seite gewichen ist. Das hat mir gezeigt, wie wichtig sie ist. Ohne sie hätte ich das nicht so schnell verkraftet. In den ersten ein, zwei Wochen war das Risiko hoch, noch einen Schlaganfall zu haben. Ich durfte nur aus dem Krankenhaus raus, weil sie gesagt hat, dass sie rund um die Uhr auf mich schaut. Sobald ich länger im Bad war, hat sie sofort nach mir geschrien, gefragt, ob eh alles passt. Ihre Angst war groß und hat mir gezeigt, dass das alles nicht ohne war. Auch meine Familie war drei Tage bei mir. Ich werde immer in ihrer Schuld stehen. Das hat uns alle extrem zusammengeschweißt. Ich bin aber davon überzeugt, dass das nie wieder passieren wird. Gleichzeitig höre ich jetzt mehr auf meinen Körper. Zum Glück kann ich daher sagen: Ich bin fast wieder ganz der Alte! Nur die Nervenbahnen in der rechten Hand sind noch etwas eingeschränkt.

Du bist topfit. Zeigt das, dass niemand vor so einem Schicksalsschlag gefeit ist?
Das stimmt. Sladdi (Junuzovic) hat, als er mich besucht hat, gemeint, ich sei der Fitteste von allen. Ich habe die Welt nicht verstanden. Du kannst das nicht beeinflussen. Die Ärzte haben gemeint, jeder Fünfte bis Sechste hat so ein Loch. Es könnte also noch drei Spieler bei uns damit geben. Ohne Schlaganfall hätte ich normal weitergespielt.

Die Anteilnahme im Verein war riesig.
Absolut! Jesse Marsch und Christoph Freund sind gleich nach dem Training zu mir ins Spital gefahren. Sladdi war da, Andi wollte wie viele andere auch – ich wollte das aber nicht. Ich habe aber gemerkt, wie wichtig mir die Mannschaft ist.

Wie geht es sportlich mit dir weiter?
Ich war zuletzt wieder voll im Training, für einen Einsatz hat es leider nicht mehr gereicht. Ab Jänner will ich von dieser Geschichte nichts mehr hören, will stattdessen wieder angreifen und mit der Mannschaft Titel feiern.

Du wolltest deine Geschichte öffentlich machen. Warum?
Einerseits, weil ich damit abschließen will. Andererseits, weil ich viel im Internet gesucht, aber keinen anderen Profisportler gefunden habe, der dasselbe erlebt hat. Wenn es mal jemanden gibt, kann er sich an mich wenden. Ich will anderen Menschen Mut machen und zeigen, dass man gestärkt aus so einer Geschichte hervorgehen kann. Jetzt fühle ich mich extrem erleichtert.

Christoph Nister
Christoph Nister
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